Pharma- und Agrarchemiekonzern: Bayer-Aktie steigt deutlich nach Einstieg eines aktivistischen Investors aus den USA
Den Aktien von Bayer stiegen zu Wochenbeginn um fast vier Prozent auf 52,48 Euro.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Bayer AG hat einen neuen aktivistischen US-Investor: Die kalifornische Investmentgesellschaft Inclusive Capital Partners beteiligt sich mit 0,83 Prozent an dem Leverkusener Unternehmen, wie am Montag aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorging. Hinter dem Fonds steht der amerikanische Hedgefonds-Veteran Jeffrey Ubben.
Der Bayer-Aktienkurs stieg daraufhin zwischenzeitlich um 4,7 Prozent auf 53,05 Euro an. Der Einstieg schürt an der Börse die Erwartung, dass es bei Bayer auf Druck des Finanzmarkts zu einer größeren Neustrukturierung kommt. Investoren sehen den Konzern mit seinem gemischten Modell aus Pharma- und Agrarchemiegeschäften als Kandidat für eine Aufspaltung.
Diese aber lehnen Management und Aufsichtsrat von Bayer ab. Ob Hedgefonds-Manager Ubben in die Aufspaltungsforderungen einsteigt, ist offen. Er verfolgt einen anderen Ansatz als etwa Paul Singer mit seinem Elliott-Fonds, der nach dem Einstieg bei einem Unternehmen meist von außen Druck auf das Management von Unternehmen ausübt und so den Aktienkurs bewegt. Elliott war vor einigen Jahren ebenfalls bei Bayer eingestiegen, es ist aber unklar, ob der Fonds noch am Konzern beteiligt ist.
Ubben verändert Unternehmen meist aus dem Aufsichtsrat heraus
Ubben hingegen zieht es vor, als aktivistischer Investor in die Führungsgremien der Unternehmen einzuziehen und Veränderungen von innen anzustoßen. „Mein Ansatz ist es, wirklich mit dem Management als Teil des Vorstands zusammenzuarbeiten, anstatt dass beide Seiten sich gegenseitig anschreien“, sagte der Investor voriges Jahr in einem Interview mit der Kellogg Management School.
Zwar hat Ubben sich noch nicht dazu geäußert, welche Veränderungen er bei Bayer anregen könnte. Der Hedgefondsmanager verfolgte zuletzt jedoch spezielle Nachhaltigkeitsstrategien. Beim amerikanischen Ölkonzern Exxon, wo Ubben Boardmitglied ist, treibt er den Aufbau des sogenannten „Carbon Capture“-Geschäfts voran. Dabei geht es um Technologien zur Speicherung von Kohlendioxid, damit dieses nicht in die Erdatmosphäre gelangt und so den Klimawandel anheizt.
ESG: Der Fokus könnte künftig stärker auf Nachhaltigkeit liegen
Die Verfolgung von ESG-Zielen zur Verbesserung von Umweltschutz, Gesellschaft und Unternehmensführung könnten ihn auch zum Einstieg bei dem Landwirtschaftsausrüster und Arzneientwickler Bayer bewogen haben. „Ökologische und soziale Ziele, die viel langfristiger angelegt sind, sind die neuen Werttreiber“, sagt Ubben. „Das ist der Teil der Rendite, nach dem ich suche.“
Für einige Bayer-Investoren gilt Ubben als Hoffnungsträger: „Ubben ist jemand, für den wir auf jeden Fall stimmen würden, wenn er für den Aufsichtsrat von Bayer zur Wahl stünde“, zitiert die britische „Financial Times“ David Herro, den Investment-Chef von Harris Associates. Das Unternehmen ist laut Daten von Refinitiv mit knapp drei Prozent der drittgrößte Aktionär von Bayer.
Bayer: Der Druck auf die Konzernführung steigt
Der Druck auf die Führung des Leverkusener Konzerns wird steigen. Der Einstieg von Inclusive Capital kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt, denn Bayer bereitet derzeit den Wechsel an der Vorstandsspitze vor. CEO Werner Baumann wird im April 2024 seinen Posten verlassen. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird in diesem Jahr feststehen.
Der neue CEO wird zügig in den Austausch mit den großen Bayer-Aktionären einsteigen müssen. Vor wenigen Wochen hatte der Staatsfonds Temasek aus Singapur erklärt, man stehe mit Bayers Aufsichtsratschef in „konstruktivem Dialog“, was die „strategische Fokussierung und die generelle Struktur des Unternehmens“ angeht.
Temasek ist mit drei Prozent einer der größten Anteilseigner von Bayer. „Es gibt noch eine Menge zu tun, nur etwa ein Drittel des Weges ist aus unserer Sicht geschafft“, sagte Temasek-Europachef Uwe Krüger dem Handelsblatt.