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KommentarIndiens konjunktureller Rückschlag zeigt: Die Risiken sind groß

Die Regierung in Neu-Delhi erwartet, dass Indien bis 2030 die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sein wird. Doch die jüngste konjunkturelle Abkühlung ist ein ernstes Warnzeichen.Mathias Peer 01.03.2023 - 10:00 Uhr Artikel anhören

Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Treffen mit Premierminister Narendra Modi.

Foto: dpa

Bangalore. Indiens Sturm an die Weltspitze ist für die Regierung von Premierminister Narendra Modi eine ausgemachte Sache. Er sei sich sicher, dass Indien schon in vier oder fünf Jahren die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sein werde, verkündete Industrieminister Piyush Goyal am Wochenende.

Dass Indien kurz davor ist, beim Bruttoinlandsprodukt Japan und Deutschland zu überholen und damit bald nur noch hinter den USA und China liegt, ist die vorherrschende Meinung in Neu-Delhi, das gerade vor Selbstbewusstsein nur so strotzt.

Mit dem Titel der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft, den das Land zuletzt für sich reklamierte, und der Gewissheit, in Kürze als das bevölkerungsreichste Land der Welt geführt zu werden, bekommt Indien gerade so viel Aufmerksamkeit wie schon lange nicht mehr. Der Wunsch des Westens nach einer Alternative zu China weckt zusätzliche Aufmerksamkeit für das 1,4 Milliarden Einwohner große Land.

Konjunkturdaten sind ein erstes Warnsignal

Doch es wäre für Indien fatal, sollte sich die Regierung auf dem internationalen Zuspruch ausruhen und darauf vertrauen, dass die enorme Größe des Landes für den wirtschaftlichen Durchbruch ausreicht.

Die deutliche Abkühlung der Konjunktur im jüngsten Quartal ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal. In Konkurrenzstandorten wie Vietnam und Indonesien wuchs die Wirtschaft zuletzt zumindest kurzzeitig deutlich stärker.

Indiens Wettbewerber profitieren von ihrer größeren Offenheit: Während die südostasiatischen Staaten bei Freihandelsabkommen kräftig mitmischen, setzt Indien auf steigende Zölle. Die Handelsgespräche mit der EU scheinen sich abermals zu verzögern.

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Gleichzeitig sorgt eine unzureichende Infrastruktur immer noch dafür, dass die Logistik in dem Land vergleichsweise teuer ist – Milliardeninvestitionen weisen zwar in die richtige Richtung, reichen aber noch nicht aus.

Um nachhaltiges Wachstum zu sichern, muss sich Indien auch von seinem Fokus auf riesige Konglomerate wie das kriselnde Adani-Imperium abwenden – und stattdessen eine Kultur des Wettbewerbs etablieren, bei der es irrelevant ist, wie gut ein Unternehmer in der Politik vernetzt ist. Premier Modi hat die Chance, Indiens Aufstieg anzuführen. Er muss das Land dafür aber auch bereit machen.

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