Moritz Schularick im Interview: „Das US-Bankensystem sitzt nach Schätzungen aktuell auf bis zu 2000 Milliarden Dollar Verlusten“
Der angehende Präsident des Instituts für Weltwirtschaft.
Foto: dpa, Uni BonnDüsseldorf, Berlin. Moritz Schularick hat einen Beweis dafür, dass er das jüngste Bankenbeben erahnt hat. Ein Kartenhaus aus Geldscheinen ziert das Cover seines neuen Buchs „Leveraged“. Es geht um die Fragilität des globalen Finanzsystems.
Es ist früh am Morgen in New York, Schularick löffelt noch seinen Joghurt, als er seine Laptop-Kamera für das Handelsblatt-Interview einschaltet.
Der Bonner Ökonom, der ab Sommer Präsident des Instituts für Weltwirtschaft wird, ist derzeit auf Tour für sein Buch. Das Werk erschien im Dezember. Zweieinhalb Monate später sollte die Silicon Valley Bank eine Bankenkrise auslösen, wie es sie seit 2008 nicht mehr gab.
Lesen Sie hier das ganze Interview mit Moritz Schularick:
Herr Schularick, erst die Silicon Valley Bank, dann die Credit Suisse – und zuletzt erlitt auch die Deutsche Bank einen Vertrauensverlust an der Börse. Droht uns die nächste Finanzkrise?
Die Probleme liegen anders als 2008. Damals gab es massive Kreditrisiken und Ausfälle nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarkts. Ausfallrisiken dieser Dimension sind derzeit nicht erkennbar. Aber viele Banken haben aufgrund der höheren Zinsen massive Wertverluste auf langfristige Anleihen in den Büchern. Wenn sie diese Anlagen zu heutigen Preisen verkaufen müssten, wäre die eine oder andere Bank in einer ähnlichen Situation wie die Silicon Valley Bank. Der Kollaps insbesondere der Credit Suisse ist aber anders gelagert. Da kriselte es schon seit Jahren aufgrund von Skandalen und Verlusten im Geschäft mit Hedgefonds.