Wachstum: Lindner: IWF ist mit schwacher Konjunkturprognose für Deutschland zu vorsichtig
Der FDP-Politiker rechnet nicht mit einer Rezession in Deutschland.
Foto: Getty ImagesWashington. Bundesfinanzminister Christian Lindner ist unzufrieden mit der Konjunkturprognose des IWF für Deutschland. „Der Internationale Währungsfonds ist sehr pessimistisch“, sagte der FDP-Vorsitzende am Mittwoch in Washington am Rande der IWF-Tagung. Die Finanzorganisation erwartet für Deutschland in diesem Jahr eine schrumpfende Wirtschaftsleistung.
Der IWF sei sehr vorsichtig, so Lindner. Das decke sich nicht mit den Prognosen der Bundesregierung, die optimistischer sei. Lindner deutete an, dass die Ampel-Koalition bei der nächsten Aktualisierung ihrer Wirtschaftsprognosen noch zuversichtlicher werden dürfte.
Die neue Prognose werde womöglich näher bei den jüngsten Schätzungen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute liegen.
Diese rechnen wegen sinkender Energiepreise nicht mehr mit einer Rezession in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte ihrer Schätzung zufolge in diesem Jahr um 0,3 Prozent wachsen.
Der IWF hatte seine Prognose für Deutschland mit Altlasten aus dem vergangenen Jahr und neuen Unsicherheiten begründet. „Die Zukunftsrisiken bleiben bestehen“, sagte IWF-Europadirektor Alfred Kammer dem Handelsblatt. Die vergangenen Jahre hätten gelehrt, „dass der nächste Schock gleich um die Ecke sein kann“. Der „dämpfende Effekt“ durch die Erschütterungen im Bankensektor sie mit in die neue IWF-Prognose einkalkuliert worden.
Im Interview lobte Kammer Deutschland für seine schnelle Reaktion auf die Energiekrise nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs, aber es müsse „noch mehr getan werden“, um den Standort zu stärken. Wichtige Investitionen, etwa in Digitalisierung, seien über Jahre versäumt worden.
Lindner sagte, die Rezessionswarnung des IWF müsse Deutschland nutzen, um selbst zu überprüfen, was zu lang vernachlässigt worden sei. „Deutschland entwickelt sich nicht so gut wie andere.“ Es könne nicht mehr nur um die Verteilung von Geldern gehen. Vielmehr müsse wieder mehr investiert und erneuert werden durch Strukturreformen.