Putin-Gegner: Kreml-Kritiker Kara-Mursa zu 25 Jahren Haft verurteilt: Wer ist der Mann, den Putin fürchtet?
Auch nach dem zweiten Anschlag setzte Kara-Mursa seine Arbeit in Russland fort.
Foto: IMAGO/ITAR-TASSBerlin. Sein Mentor hat ihm einen Satz mit auf den Weg gegeben. „Tu, was du tun musst – komme, was mag.“ Wenn der russische Oppositionelle Wladimir Kara-Mursa gefragt wird, warum er mit seiner Arbeit ein hohes Risiko auf sich nimmt, zitiert er manchmal diesen Satz.
Nichts ist im heutigen Russland riskanter, als dem Kreml die Stirn zu bieten. Vor einem Jahr wurde Kara-Mursa, einer der bekanntesten Putin-Gegner, in Moskau festgenommen. Am Montag wurde er von einem Moskauer Gericht wegen angeblichen Hochverrats zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Sein Mentor, der ihm jenen Satz immer wieder sagte, war der Oppositionsführer Boris Nemzow. Jahrelang arbeitete der Historiker und Journalist Kara-Mursa als Berater Nemzows, der für ihn zum Weggefährten und engen Freund wurde. Gemeinsam warnten sie schon früh vor der „Gefahr des Putinismus“.
Im Februar 2015 wurde Nemzow in Moskau erschossen, auf einer Brücke unweit des Kremls. Die Tat markierte eine Zäsur in Wladimir Putins Russland. Wenn selbst ein ehemaliger Vize-Premier einem politischen Mord zum Opfer fallen konnte, war niemand mehr sicher.