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BankenZäsur bei der Deutschen Bank: Wer auf Karl von Rohr folgen könnte

Insider gehen davon aus, dass ein interner Kandidat das Rennen als neuer Privatkunden-Vorstand macht. Darüber hinaus könnten weitere Veränderungen im Vorstand folgen.Yasmin Osman 19.04.2023 - 18:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Eine Aufsichtsratssitzung Ende April soll Klarheit bringen.

Foto: dpa

Frankfurt. Nach monatelangen Personalspekulationen könnte es mit dem Umbau des Vorstands der Deutschen Bank nun sehr schnell gehen: Ende kommender Woche trifft sich der Aufsichtsrat des größten deutschen Kreditinstituts, um über die Nachfolge von Privatkundenchef Karl von Rohr zu entscheiden, wie mehrere Insider dem Handelsblatt sagten. Die Deutsche Bank kommentierte das nicht.

Karl von Rohr, ein enger Vertrauter von Vorstandschef Christian Sewing, verlässt die Bank Ende Oktober. Auf eigenen Wunsch, so die offizielle Version von ihm, der Bank und ihrem Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts. Doch sein Vertrag wäre wohl sonst auch nicht verlängert worden, lautet die inoffizielle Version, die ausreichend andere Quellen seit Monaten hinter vorgehaltener Hand verbreiten.

Für die Bank ist sein Abschied eine Zäsur. Denn von Rohr war neben Sewing der dienstälteste Vorstand im Führungsgremium – und ein wichtiger Repräsentant des Instituts. „Er hatte großen Anteil daran, dass wir die wesentlichen Rechtsstreitigkeiten im Nachgang der Finanzkrise beilegen konnten“, schrieb Vorstandschef Sewing in einer E-Mail an die Beschäftigten. Vor seiner Zeit als Privatkundenvorstand war von Rohr in der kritischen Phase 2015 bis 2019 für Recht zuständig gewesen.

Der Jurist kann gut präsentieren und war deshalb – neben Vorstandschef Sewing – eines der wichtigsten Gesichter der Bank für die Öffentlichkeit, auf Kundenterminen und für Gespräche mit der Politik. Zudem hatte er auch viele Aufgaben im Vorstand: als Sewing-Stellvertreter, Privatkundenchef, Aufsichtsratschef der Fondstochter DWS sowie CEO für das Deutschland- und das Europageschäft.

Diese Aufgabenfülle wird es für seinen Nachfolger wohl nicht geben, wie zu hören ist. Noch ist dessen Name nicht durchgesickert. Es laufe alles auf einen internen Kandidaten hinaus, sagen mit den Gesprächen vertraute Personen.

Der Aufsichtsratschef will das Führungsgremium wohl verkleinern

Als natürliche Anwärter auf den Posten des Privatkunden-Vorstands gelten der Chef des deutschen Privatkundengeschäfts, Lars Stoy sowie der Chef des Wealth Managements und des internationalen Privatkundengeschäfts, Claudio de Sanctis.

Stoy verantwortet mit dem deutschen Privatkundengeschäft einen sehr wichtigen Bereich, wird allerdings noch stark von der Transformation der Sparte beansprucht. Die Integration der Postbank in die IT-Systeme der Deutschen Bank wird erst Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein. Die davon erhofften jährlichen Einsparungen von 300 Millionen Euro im Jahr werden sich erst 2025 in voller Höhe materialisieren. Und mit welcher Strategie die Sparte danach wieder auf Wachstum umschwenkt, ist noch offen.

Den Umbau hat Claudio de Sanctis, der 2018 von der Credit Suisse zur Deutschen Bank stieß, bereits hinter sich. Sein Bereich kann gerade wieder auf Wachstum schalten.

Unabhängig davon, wer künftig das Privatkundengeschäft im Vorstand verantwortet: Die anderen Aufgaben von Rohrs dürften nicht mit dem Posten verbunden sein. Auch weitere Veränderungen stehen im Raum. Aufsichtsratschef Alex Wynaendts will das Führungsgremium verkleinern, ist zu hören. Wen so ein Schritt treffen könnte, ist unklar. Die Aufgaben von Rebecca Short, bislang Chief Transformation Officer und damit für den Umbau der Bank zuständig, dürften sich allerdings in absehbarer Zeit erledigt haben.

Von Rohr war Sewings Stellvertreter und eins der Gesichter der Bank.

Foto: imago images / Future Image

Die Vakanz auf der Privatkundenseite bietet sich für sie allerdings nicht an. Die Managerin kommt ursprünglich aus der Finanzabteilung der Bank.

Karl von Rohr selbst wird der Bank auch nach seinem Abschied ein wenig verbunden bleiben: als einfaches Aufsichtsratsmitglied der Fondstochter DWS. Zwar läuft sein Mandat im Mai aus, doch er soll auf Wunsch der Bank erneut für eine volle Amtszeit kandidieren. Den Vorsitz des Kontrollgremiums wird er im Oktober aber mit dem Ende seines Vorstandsvertrags bei der Deutschen Bank niederlegen.

Die DWS gehört zu den schwierigen Punkten

Die neue Kandidatur für den DWS-Aufsichtsratsposten ist nicht selbstverständlich, immerhin hat sich an der Rolle von Rohrs als Aufsichtsratschef des Vermögensverwalters viel Kritik entzündet. Die DWS ist seit 2021 in eine Greenwashing-Affäre verstrickt.

Sie soll in der Vergangenheit ihr Engagement für nachhaltige Geldanlagen systematisch übertrieben positiv dargestellt haben. Die ehemalige Nachhaltigkeitschefin der DWS, Desirée Fixler, hatte diese Vorwürfe aufgebracht und auch Aufsichtsratschef von Rohr darüber informiert.

Dennoch hatte von Rohr den Vertrag des früheren DWS-Chefs Asoka Wöhrmann im gleichen Jahr vorzeitig verlängert. Als Wöhrmann im vergangenen Jahr nach einer Razzia im Zusammenhang mit den Greenwashing-Vorwürfen formal freiwillig zurücktrat, erhielt er eine Abfindung von 8,15 Millionen Euro zusätzlich zu seinem Vorstandsgehalt von 5,6 Millionen Euro für das Gesamtjahr. Die DWS soll einer der Punkte sein, weswegen Aufsichtsratschef Wynaendts wenig Neigung für eine Vertragsverlängerung verspürt haben soll.

Zugkräftigeren Führungsstil in der Privatkundensparte

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Nicht jeder in der Bank glaubt, dass die DWS der eigentliche Grund für von Rohrs Abschied ist. Es gibt auch diejenigen, die den Eindruck hatten, der Aufsichtsrat wünsche einen zugkräftigeren Führungsstil in der Privatkundensparte. Zwar hat von Rohr die Kosten schon deutlich senken können, weitere Einsparungen seien dennoch notwendig.

Die Umgestaltung des Vorstands zählt zu den ersten personellen Duftmarken des neuen Aufsichtsratschefs Alexander Wynaendts. Auch bei der Bemessung der Vorstandsboni früher im Jahr hatte der Niederländer schon Zeichen gesetzt: Weil das Topmanagement nicht schnell genug Fortschritte bei der Beilegung aufsichtsrechtlicher Defizite erzielen konnte, wurde allen Vorständinnen und Vorständen eine Komponente der variablen Vergütung pauschal um fünf Prozent gekürzt.

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