Rechtsabteilung: Deutsche Bank findet neue Chefjustiziarin bei Merck
Die 50-jährige Chefjustiziarin von Merck nimmt auch im Aufsichtsrat von SAP eine herausgehobene Rolle ein.
Frankfurt. Die Deutsche Bank hat wieder eine Chefjustiziarin. Friederike Rotsch wechselt vom Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck im September zur Deutschen Bank, wie das größte deutsche Kreditinstitut mitteilte. Sie ersetzt Karen Kuder, die im vergangenen November als Chief Administration Officer zur Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, gewechselt war.
Rotsch ist die zweite Topmanagerin, die Vorstand Stefan Simon von außen in eine Spitzenposition bei der Deutschen Bank lotst. Simon ist für die Beziehungen zu Aufsichtsbehörden sowie für die Bereiche Recht und Governance zuständig. Anfang des Jahres hatte er die Barclays-Managerin Laura Padovani zur Chefin der Compliance-Abteilung gemacht, die für Regeltreue und die Einhaltung wichtiger Bestimmungen zuständig ist.
Die Rechts- und Compliance-Fragen spielen bei der Deutschen Bank eine enorm wichtige Rolle. Das Institut kämpft seit Jahren damit, seine Versäumnisse in diesem Bereich aufzuarbeiten, die zum Teil noch aus Zeiten der großen Finanzkrise 2008 stammen. Das Geldhaus hat seitdem viele Rechtsrisiken bereinigt und seine internen Kontrollsysteme verbessert.
Allerdings bemängeln Aufsichtsbehörden, dass die Bank auf diesem Gebiet noch immer Schwächen aufweise. Da das Geldhaus aus Sicht des Aufsichtsrats seine aufsichtsrechtlichen Defizite nicht schnell genug bereinigt, hat das Gremium eine bestimmte Bonuskomponente für den gesamten Vorstand pauschal um fünf Prozent gekürzt.
Die bisherige Merck-Managerin Rotsch wird in ihrer neuen Position an Stefan Simon berichten. Simon lobte, die 50-Jährige sei „bundesweit als hochverdiente und erfahrene Chefjustiziarin anerkannt“. Rotsch habe unter „etlichen“ potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten aus unterschiedlichen Branchen und Regionen „deutlich“ hervorgestochen.
Rotsch arbeitete nach ihrem Jurastudium zunächst bei der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller und wechselte 2005 in die Rechtsabteilung von Merck. Seit neun Jahren ist sie dort Chefjustiziarin und in dieser Position auch für Compliance zuständig. Rotsch verfügt zudem über Erfahrungen als Aufsichtsrätin: 2018 wurde sie in den Aufsichtsrat des Softwarekonzerns SAP gewählt.
Seit dem vergangenen Jahr ist sie dort Lead Independent Director, also führendes unabhängiges Aufsichtsratsmitglied. Laut SAP muss ein Lead Independent Director die Unabhängigkeitskriterien der wichtigsten Stimmrechtsberater erfüllen und dient als unabhängiger Ansprechpartner für Investoren bei Corporate-Governance-Themen.