Kampf gegen die Inflation: Regierungen in Europa nehmen Unternehmensmargen unter die Lupe
Die Regierung in Madrid will die Gewinnmargen der Unternehmen genauer untersuchen.
Foto: BloombergIstanbul, Paris, Madrid, Stockholm. Im Kampf gegen die steigende Inflation rücken für Notenbanker und Politiker in Europa zunehmend die Unternehmensmargen in den Fokus. Spanien schafft eine staatliche Einheit, die Daten verschiedener Institute verbinden und die Marge pro Branche berechnen und veröffentlichen soll. Frankreich und Schweden drängen die Supermärkte zu Preissenkungen.
Hintergrund dieser Initiativen sind Vermutungen, dass die Inflation steigt, weil Unternehmen ihre Margen ausweiten. Es gebe Branchen, in denen „die Inputkosten sinken, während die Einzelhandelspreise steigen und die Gewinne ebenfalls zunehmen“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta jüngst der „New York Times“. „Das reicht aus, um als Zentralbanker besorgt zu sein, dass die Inflation aufgrund steigender Gewinne ansteigen könnte.“
Auch Paul Donovan, Chefökonom der Investmentbank UBS, ist überzeugt: „Die jüngste Inflation ist auf eine ungewöhnliche Ausweitung der Gewinnspannen zurückzuführen.“ Das Phänomen wird Greedflation genannt – Gierflation.
Die Argumentation: Lieferengpässe haben Spielraum für Preiserhöhungen geboten. Zudem war die Zahlungsbereitschaft der Kunden nach der Pandemie größer, weil sie weniger konsumiert und mehr gespart hatten.