Märkte Insight: Aktien steigen, Anleihen signalisieren Rezession – warum das kein gefährlicher Widerspruch sein muss

Die Aktienkurse steigen in Deutschland, aber auch in den USA, beobachtet Andreas Neuhaus.
Foto: HandelsblattIn den USA stecken die Regionalbanken in der Krise, und in der neuen Woche dürften sowohl die US-Zentralbank Fed als auch die Europäische Zentralbank ihre Zinsen weiter anheben – trotzdem geht es an den Börsen aufwärts: Der deutsche Leitindex Dax hat jüngst ein Jahreshoch erreicht. Auch in den USA steigen die Kurse. Es scheint, als ignoriere der Aktienmarkt alle Warnungen.
Das wirkt umso gefährlicher, als der Anleihemarkt dies- und jenseits des Atlantiks eine bevorstehende Rezession signalisiert: Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone sind die Zinsen für zweijährige Staatsanleihen aktuell höher als die für zehnjährige Papiere. Eigentlich müsste das andersrum sein: Üblicherweise werfen Anleihen mit längeren Laufzeiten höhere Renditen ab, weil Investoren ihr Geld länger binden und das Ausfallrisiko höher ist.
Dieses Phänomen einer „inversen Zinskurve“ gab es in der Wirtschaftsgeschichte vor jedem konjunkturellen Einbruch. Die Logik dahinter: Die kurzfristig hohen Zinsen dämpfen Nachfrage und Investitionen, was eine Rezession zur Folge hat. Diese Krise führt dann zu sinkenden Inflationsraten, sodass die Notenbanken die Zinsen wieder senken. Deshalb sind die Renditen am langen Ende der Zinskurve derzeit niedriger als am kurzen.