1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Commerzbank, Helmut Gottschalk, Manfred Knof, Jens Weidmann, Digitale Hauptversammlung, Corona, Union Investment, Deka, Deutsche Bank

Dax-KonzernTechnische Probleme überschatten Commerzbank-Hauptversammlung

Die Anteilseigner des Frankfurter Geldhauses kritisieren die digitale Version des Aktionärstreffens – und eine „Ämterhäufung“ mehrerer Aufsichtsräte.Andreas Kröner 31.05.2023 - 19:52 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Aufsichtsratschef hat sich für mehr Bodenständigkeit bei der Commerzbank eingesetzt.

Foto: dpa

Frankfurt. Helmut Gottschalk hat sich seinen letzten Arbeitstag als Aufsichtsratschef der Commerzbank sicher anders vorgestellt. Die digitale Hauptversammlung, die der 71-Jährige am Mittwoch letztmals leitete, wurde von zahlreichen technischen Problemen überschattet.

Der Redebeitrag von Andreas Thomae von Deka Investment, der wie viele andere Aktionäre per Video-Call zugeschaltet war, brach schon nach kurzer Zeit ab. Auch beim zweiten Anlauf riss die Verbindung ab, bevor Thomae seinen Vortag beendet hatte. Auf einen dritten Versuch verzichtete der Investor dann.

Bei Klaus Nieding, dem Vizepräsidenten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), hielt die Verbindung zwar. Es schallte jedoch so stark, dass Nieding teilweise nur schwer zu verstehen war.

Der Beitrag des Aktionärs Bernd Heckmann begann mit Verspätung, weil er zunächst nur zu hören, nicht aber zu sehen war. „Offensichtlich gibt es hier gerade Probleme“, konstatierte Gottschalk.

Der Vortrag des Aktionärs Ulrich Giebel wurde wegen technischer Schwierigkeiten verschoben, worüber dieser sehr verärgert war. „Ich habe den Eindruck, dass der Versammlungsleiter nicht in der Lage ist, einen ordnungsgemäßen Ablauf der Hauptversammlung zu gewährleisten, und stelle deshalb den Antrag, den Versammlungsleiter abzuwählen“, sagte Giebel.

DSW kritisiert „Konserven-Veranstaltung“

„Sie haben das technisch einfach nicht im Griff“, monierte der Aktionär. Bei der anschließenden Abstimmung sprachen sich jedoch 99,99 Prozent gegen eine Absetzung Gottschalks aus.

Mehrere Aktionäre kritisierten die digitale Version der Hauptversammlung – nicht nur wegen der technischen Probleme. „Diese Konserven-Veranstaltung hier mit einer Art Vorstand-TV ist nicht geeignet dafür, dass sich Aktionärinnen und Aktionäre mit unserer Gesellschaft identifizieren“, sagte DSW-Vizepräsident Nieding.

Es sei wichtig, dass Vorstand und Aufsichtsrat auf einer Präsenzveranstaltung die Stimmung unter den Aktionären auch durch Beifalls- und Unmutsbekundungen mitbekämen. „Dies erachte ich als elementar wichtig für ein echtes Feedback, da Sie ansonsten das ganze Jahr über mehr oder weniger abgeschottet in Ihrer eigenen Blase leben und arbeiten.“

Die Mehrheit der Dax-Konzerne hat ihre Hauptversammlungen in diesem Jahr digital abgehalten. Die Probleme beim Aktionärstreffen der Commerzbank dürften den Kritikern dieses Formats nun weitere Argumente liefern, um eine Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen zu fordern.

Sie haben das technisch einfach nicht im Griff.
Aktionär Ulrich Giebel zum Ablauf der virtuellen Hauptversammlung

Eine Sprecherin der Commerzbank erklärte, die Systeme des Instituts seien während der gesamten Hauptversammlung störungsfrei gelaufen. „Technische Probleme auf Seiten einzelner Aktionäre konnte unser technischer Support innerhalb kürzester Zeit lösen.“

Vorstandschef Manfred Knof verteidigte das digitale Aktionärstreffen ebenfalls. „Durch das Live-Rede- und -Fragerecht per Videokommunikation besteht die Möglichkeit der Interaktion mit dem Management“, sagte er.

Die Commerzbank ließ sich auf der Hauptversammlung die Möglichkeit einräumen, ihre Aktionärstreffen auch in den kommenden beiden Jahren in virtueller Form abzuhalten. Die Zustimmung dazu fiel mit 88 Prozent allerdings etwas niedriger aus als bei anderen Tagesordnungspunkten.

Knof betonte, die Bank werde jedes Jahr aufs Neue entscheiden, ob die Aktionärstreffen künftig weiter digital stattfänden oder wieder in Präsenz. „Dabei werden auch die Erfahrungen mit der diesjährigen virtuellen Hauptversammlung einfließen.“

Jutta Dönges erhält schwächstes Ergebnis

Die Fondsgesellschaften Union Investment und DWS äußerten sich nicht nur kritisch zum digitalen Aktionärstreffen, sondern „wegen Ämterhäufung“ auch zur geplanten Wahl von Harald Christ in den Aufsichtsrat. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS stimmte aus demselben Grund auch gegen die Wahl von Gertrude Tumpel-Gugerell.

Christ ist geschäftsführender Gesellschafter seiner Beratungsfirma Christ & Company. Zudem ist der ehemalige FDP-Schatzmeister Aufsichtsratschef der Reederei Ernst Russ AG, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 192 Millionen Euro erwirtschaftete.

Das ehemalige EZB-Direktoriumsmitglied Tumpel-Gugerell ist Mitglied in den Aufsichtsräten der österreichischen Aktiengesellschaften OMV, Vienna Insurance und AT&S.

Gottschalk sagte, Tumpel-Gugerell und Christ hielten die gesetzlich vorgegebenen Mandatsgrenzen ein und hätten genügend Zeit für ihre Aufsichtsratstätigkeit bei der Commerzbank. Christ sagte dem Handelsblatt, er sei sich der Aufgabe bei der Commerzbank bewusst und habe die nötigen fachlichen und zeitlichen Kapazitäten, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Bei der Abstimmung auf der Hauptversammlung wurde Christ mit 94 Prozent in den Aufsichtsrat gewählt, Tumpel-Gugerell mit 91 Prozent. Das schlechtestes Abstimmungsergebnis erhielt mit 81 Prozent Jutta Dönges.

Der Stimmrechtsberater Glass Lewis hatte empfohlen, Dönges nicht zu wählen, da sie seit März Finanzchefin des Energiekonzerns Uniper ist und zudem noch im Aufsichtsrat von TUI sitzt. Die Commerzbank hatte entgegnet, Dönges habe versichert, dass sie genügend Zeit für ihr Mandat beim Frankfurter Geldhaus habe.

Jens Weidmann bekennt sich zur Commerzbank

Der ehemalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wurde mit 99 Prozent in den Aufsichtsrat gewählt. Nach der neunstündigen Hauptversammlung kürte ihn das Kontrollgremium dann einstimmig zum neuen Aufsichtsratschef.

„Als größte Volkswirtschaft in Europa braucht Deutschland einen leistungsfähigen Bankensektor“, erklärte Weidmann. „Hier hat die Commerzbank als führende Bank für den Mittelstand eine Schlüsselrolle.“

Behalten Sie die Kosten im Blick und seien Sie für den Vorstand auch mal unbequem.
Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment zu Jens Weidmann

Die meisten Aktionäre finden Weidmanns Wahl gut. Für Irritation sorgt bei einigen allerdings, dass der langjährige Notenbanker auch als Kandidat für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) gehandelt wird, der Ende 2024 frei wird.

Laut Gottschalk hat Weidmann gegenüber dem Commerzbank-Aufsichtsrat jedoch erklärt, „dass ein solches Mandat derzeit nicht anstehe“. Weidmann habe versichert, dass im Fall seiner Wahl in den Aufsichtsrat „dieses Mandat für ihn künftig im Mittelpunkt stehen werde“.

Verwandte Themen
Commerzbank
Jens Weidmann

Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment forderte Weidmann auf, wie Gottschalk das Management hart zu überwachen. „Behalten Sie die Kosten im Blick und seien Sie für den Vorstand auch mal unbequem.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt