Sartorius-Aktie: Anleger strafen Sartorius nach Gewinnwarnung ab
Der Pharma- und Laborausrüster erwartet erstmals seit langem einen Umsatzrückgang.
Foto: SartoriusFrankfurt. Mit einem Einbruch um zeitweise mehr als 15 Prozent haben die Aktien des Pharma- und Laborausrüsters am Montag auf die Prognosekürzung des Unternehmens vom Wochenende reagiert. Der Kurs sank in der Spitze auf 302 Euro und damit den tiefsten Wert seit knapp drei Jahren. Das Ausmaß der Gewinnwarnung hat selbst die Analysten verschiedener Banken überrascht. Der neue Ausblick liege unter den pessimistischsten Erwartungen des Marktes, hieß es beispielsweise von Morgan Stanley.
Der Grund für die Umsatz- und Gewinnwarnung: Die Kunden in der Pharmaindustrie bauen ihre in der Coronapandemie aufgebauten Lagerbestände weiter ab und halten sich mit Bestellungen zurück. Nach Ansicht der Analysten von UBS ist das Management von Sartorius zu optimistisch gewesen, als es nach einem bereits schwachen ersten Quartal noch an seinen Jahreszielen festgehalten hat.
Im Sog von Sartorius verloren auch die Aktien der Darmstädter Merck KGaA mehr als fünf Prozent. Wie Sartorius produziert auch Merck in seiner Life-Science-Sparte Produkte, die in Laboren und für die Herstellung von Arzneimitteln benötigt werden.
Der Dax-Konzern Sartorius hatte am späten Freitagabend seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt: Statt eines leichten Umsatzzuwachses erwartet das Unternehmen nun einen Rückgang im Bereich von zehn bis 15 Prozent, die Gewinnmarge (Ebitda) soll nur noch etwa 30 Prozent erreichen statt wie bisher das Vorjahresniveau von knapp 34 Prozent.
Ein Umsatzminus und höhere Kosten hatten bereits im ersten Quartal für einen Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebitda) um 22,1 Prozent auf 272 Millionen Euro gesorgt. Bereits auf der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals hatten Analysten Ende April mehrfach kritisch nachgefragt, wie Sartorius seine Prognose begründet. Konzernchef Joachim Kreuzburg hatte sich damals noch zuversichtlich gezeigt, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr anziehen werde.
Dieser Optimismus scheint mittlerweile verflogen. Für die zweite Jahreshälfte korrigiert das Unternehmen die eigenen Erwartungen nun nach unten. Die Analysten von Berenberg hatten sich bereits darauf eingestellt, dass Sartorius seine Jahresziele kassieren wird. Das Ausmaß der Prognosesenkung war aber dennoch eine Überraschung.
Schwieriges Umfeld, unsichere Prognosen
Positiv werten die Analysten, dass Sartorius an seinen Mittelfristzielen festhält, obwohl es nun schwieriger wird, diese auch zu erreichen: Demnach sollte der Umsatz von zuletzt 4,2 Milliarden Euro bis 2025 auf etwa 5,5 Milliarden steigen. Die Marge soll bei 34 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegen.
Die grundsätzliche positive Entwicklung in den Märkten für Life-Science und Biopharmaka werde aktuell durch die außergewöhnlich schwache Nachfragesituation nach der Pandemie überlagert, betonte Sartorius in einer Mitteilung. Allerdings wies das Unternehmen auch darauf hin, dass die Volatilität in der Branche in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Die veränderte geopolitische Lage sorge für zusätzliche Unsicherheit. Das erschwere die Prognose von Geschäftszahlen, hieß es.
Sartorius hatte in den vergangenen Jahren von einer hohen Nachfrage nach Produkten, die bei der Herstellung von Coronaimpfstoffen und -medikamenten eingesetzt werden, profitiert und zeitweise Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent erzielt. Bereits im vergangenen Jahr hatten diese Coronaeffekte nachgelassen.
Für das laufende Jahr hatte das Unternehmen mit einer weiteren Normalisierung bei den Covid-19-Umsätzen gerechnet. Aber auch ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts wäre der Umsatz von Sartorius nach der aktuellen Prognose im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zurückgegangen.