Greenwashing: Irreführende Werbung könnte für Unternehmen bald teuer werden
Der Entwurf der EU sieht vor, dass alle umweltbezogenen Werbeclaims vorab von einer unabhängigen Prüfstelle zertifiziert werden müssen.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Noch werben viele Unternehmen mit Labeln wie „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“, um sich bei den zunehmend umweltbewussten Verbrauchern zu profilieren. Doch das könnte sich rächen. Denn eine neue EU-Richtlinie gegen Greenwashing dürfte für die Wirtschaft zu einem unkalkulierbaren Millionenrisiko werden.
„Die Auswirkungen sind von der Dimension vergleichbar mit denen des Dieselskandals“, warnt Christoph J. Crützen, Partner der Kanzlei Mayer Brown in Düsseldorf. „Künftig könnte für jede irreführende Werbeaussage ein empfindlich hohes Bußgeld drohen.“
Der Richtlinienentwurf sieht Bußgelder von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. „Die größte Gefahr für die Unternehmen ist, dass diese EU-Richtlinie in vielen Bereichen mittelbar rückwirkend gilt“, erklärt Experte Crützen. Das heißt, sie können für heutige Aussagen abgemahnt werden, wenn in spätestens zwei Jahren die Richtlinie in nationale Gesetze überführt ist.
Noch ist die EU-Richtlinie nicht verabschiedet, es müssen noch letzte Details zwischen EU-Parlament und Mitgliedstaaten geklärt werden. Doch bei vielen Unternehmen ist bereits große Verunsicherung zu spüren. So zeigt eine aktuelle Untersuchung der Schweizer Dekarbonisierungsberatung South Pole von 1200 Unternehmen aus zwölf Ländern, dass bereits ein Viertel der Betriebe zu ihren Klimazielen schweigen – aus Angst vor Konsequenzen.