Elektromobilität: Joint Venture mit Foxconn bringt ZF 500 Millionen Euro ein
Das Geschäft mit den Chassis-Komponenten wird in ein Joint Venture mit dem Elektronikkonzern Foxconn eingebracht.
Foto: dpaStuttgart. ZF hat in der Elektronikbranche einen Partner für sein Achsgeschäft gefunden. Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer gründet ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Apple-Zulieferer Foxconn. Der Auftragsfertiger aus Taiwan ist der weltweit größte Elektronikproduzent – und hat mit seinen Ambitionen, in das Geschäft mit Elektromobilität einsteigen zu wollen, die Aufmerksamkeit der Branche auf sich gezogen.
„Mit Foxconn haben wir einen starken strategischen Partner gewonnen, mit dem wir neue Perspektiven und Chancen für die ZF Chassis Modules GmbH erschließen können“, sagte ZF-Vorstandschef Holger Klein. Die Partnerschaft eigne sich, um „gemeinsam neue Kundenkreise zu erschließen und die Präsenz insbesondere in Wachstumsmärkten auszubauen“. ZF Chassis Modules fügt Achskomponenten mit Bauteilen wie Bremsen und ganzen Antriebssystemen zusammen und liefert diese zeitgerecht in die jeweilige Produktion.
Das ausgegliederte Achsgeschäft von ZF beschäftigt an 25 Standorten, auch in China, rund 3300 Mitarbeiter. Das Umsatzvolumen liegt bei vier Milliarden Euro, der Geschäftsbereich ist nach Unternehmensangaben mit einer Milliarde Euro bewertet. Damit dürfte dem Stiftungsunternehmen aus dem Joint Venture rund eine halbe Milliarde Euro zufließen.
500 Millionen Euro fließen in die ZF-Kasse
Das ist Geld, das ZF zupasskommt. Die Friedrichshafener belasten aus den Übernahmen der kleineren Konkurrenten TRW und Wabco noch zehn Milliarden Euro Schulden. Das steigende Zinsniveau erhöht diese Last.
Der seit Jahresbeginn amtierende ZF-Chef Klein hat deshalb Geschäftsfelder definiert, in die das Unternehmen nicht mehr oder nicht mehr allein investieren will. Auf der Verkaufsliste stehen die passiven Sicherheitssysteme (Airbags) und das Shuttle-Geschäft. Ursprüngliche Planungen, bis Ende des Jahres hier Partner zu finden, ziehen sich noch hin. Beim Achsengeschäft ist jetzt zumindest ein Teilerfolg gelungen.
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Foxconn hat bereits 2019 mit der Ankündigung überrascht, als Auftragshersteller in die Riege der großen E-Auto-Hersteller aufsteigen zu wollen. Das Unternehmen, das eigentlich Hon Hai Technology Group heißt, ist in erster Linie als Apples Hoflieferant für iPhone bekannt.
Mittlerweile zählt Foxconn mit mehr als 200 Milliarden Dollar zu den umsatzstärksten Unternehmen weltweit. Die gefertigten Teile und Produkte gelten, ebenso weltweit, als Schlüsselkomponenten, sei es bei Smartphones, Spielekonsolen oder Computern.
Elektroautos statt iPhones
Die Partnerschaft mit ZF bringt den taiwanesischen Großkonzern bei seinen Auto-Plänen einen Schritt weiter. „Die Sorgfalt und das Engagement der ZF Chassis Modules GmbH werden zu einer erfolgreichen Wertschöpfung für unsere Anteilseigner führen“, sagt Young Liu, Chairman und CEO von Foxconn. Die Produktion findet vorwiegend in Taiwan, China, Indien und Vietnam statt, wo günstige Standortkosten mit durchaus hoher Fertigungsqualität kombiniert werden.
Foxconn stellte bereits mit den Fahrzeugen Foxtron Model B, C und V eigene Elektroautos vor. Darüber hinaus fertigt das Unternehmen Schlüsselkomponenten wie eine elektrische Servolenkung (EPS), Festkörperbatterien, ein Siliziumkarbid-Leistungsmodul und verschiedene Halbleiter.
Die Taiwaner bauen ihre Beteiligungen, Investments und Lieferketten für Elektroautos und Halbleiter energisch aus. „Wir sind sehr daran interessiert, mit ZF weitere Partnerschaftsmöglichkeiten im Transport- und Mobilitätsbereich zu erschließen“, sagte der Foxconn-CEO. Die Zulieferbranche wird das im Auge behalten.