Lichtkonzern: AMS-Osram-Chef baut hochverschuldeten Konzern radikal um
Laut Insidern habe sich die Stimmung im Unternehmen seit der Übernahme von Kamper verbessert.
Foto: PressebildMünchen. Der neue AMS-Osram-Chef Aldo Kamper will den kriselnden Konzern angesichts hoher Schulden und Verluste radikal umbauen. „Die Firma hat unbestreitbar eine starke Substanz“, sagte Kamper dem Handelsblatt. Doch müsse man die Risiken reduzieren, sich auf die Stärken konzentrieren und das Unternehmen wieder zur Ruhe bringen.
Die Lage bei dem Licht- und Sensorikspezialisten ist ernst: Die Nettofinanzverschuldung, die vor allem aus der Übernahme des Traditionskonzerns Osram durch die kleinere österreichische AMS resultiert, lag zuletzt bei rund zwei Milliarden Euro. „Wir haben eine Aufgabe vor uns, die Demut verlangt“, sagte Kamper. Das Unternehmen müsse sich stärker fokussieren und die operative Performance verbessern.
Kurzfristig verschärft sich die Lage. Kamper verkündete – nicht zahlungswirksame – Abschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die den Konzern im zweiten Quartal tief in die Verlustzone gedrückt haben dürften.
Zehn Prozent des Konzerns sollen abgegeben werden
Kamper kündigte die weitere Abspaltung von Konzernteilen an. „Wir verabschieden uns von einigen Geschäften, die uns wenig Spaß und Freude bereitet haben.“ Man werde sich von „Bereichen abseits des Kerngeschäfts mit einem Umsatzvolumen von 300 bis 400 Millionen Euro trennen“. Dies entspricht rund zehn Prozent der Gesamterlöse. AMS-Osram wolle sich auf intelligente Sensoren und Emitter konzentrieren.
AMS hatte Osram nach einem Bieterwettkampf gegen den anfänglichen Widerstand in München übernommen. AMS-CEO Alexander Everke hatte die Umsätze von AMS auch mithilfe der Osram-Übernahme seit 2006 verzehnfacht. Sein Führungsstil war aber umstritten. Er lenkte das Unternehmen aus Premstätten heraus, die Aktie ist in der Schweiz notiert.
Everke sagte zu seinem Abschied: „Zwei Jahre nach der vollständigen operativen Übernahme von Osram ist die Integration beider Unternehmen in einen gemeinsamen Konzern weit vorangeschritten.“
Doch ist der Restrukturierungsbedarf nach Einschätzung von Branchenexperten groß. Der Konzern hatte unter Everke bereits eine Reihe von Aktivitäten abgestoßen. So waren Teile des Autolichtgeschäfts nach Frankreich verkauft worden, der Pflanzenzucht-Beleuchtungsspezialist Fluence ging an den Licht-Weltmarktführer Signify.
Zwei Vorstände müssen zum Jahreswechsel gehen
Noch im Frühjahr hieß es, man habe nun „alle geplanten Veräußerungen von Geschäften außerhalb des strategischen Fokus abgeschlossen und die geplante Portfolio-Neuausrichtung nach der Übernahme von Osram erfolgreich umgesetzt“.
Doch nun will sich AMS Osram auf die LED-Chips, die Sensorik und das verbliebene Autolampengeschäft konzentrieren. Der Konzern wolle sich zum Beispiel von passiven optischen Komponenten trennen, die bei der Gesichtserkennung in Handys eingesetzt wurden, sagte Kamper. Laut Branchenkennern gehörte auch Apple zu den Kunden. „Das Geschäft hat AMS groß gemacht, aber das ist inzwischen vielfach durch günstigere Technologien ersetzt worden.“
Auch AMS bringe aber wichtige Teile in das neue Profil ein. „Auch bei AMS gibt es Perlen.“ Das Geschäft mit der Medizintechnik habe ihn beeindruckt, auch die Industriesensorik sei zukunftsträchtig.
Kamper hatte die Führung des Konzerns am 1. April übernommen. Er hatte den Großteil seines Berufslebens für Osram gearbeitet, zwischenzeitlich aber den angeschlagenen Leoni-Konzern geführt. Die Rückkehr zu AMS-Osram erklärte er zur Herzenssache.
Dass die Osram-Seite nun wieder mehr Gewicht bekommt, zeigt auch der Vorstandsumbau: Dieser soll zum 1. Januar auf zwei Mitglieder verkleinert werden. Technologiechef Thomas Stockmeier und Vorstand Mark Hamersma, die beide Karriere bei AMS gemacht hatten, verlassen das Gremium.
2025 laufen wichtige Kredite aus
Hauptproblem von AMS-Osram sind die hohen Verbindlichkeiten. „Es wird eine große Herausforderung sein, die Schuldenlast abzubauen“, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Bis 2025, wenn größere Kredite auslaufen und refinanziert werden müssen, müsse man Lösungen finden.
AMS Osram habe „ein eigentlich funktionierendes Geschäftsmodell, aber eine schlechte Bilanzstruktur“, sagte ein Insider. Ziel müsse es sein, die Krise als eigenständiges Unternehmen zu bestehen.
Im vergangenen Jahr war der Nettoverlust von 32 auf 444 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz ging, auch durch Portfolioveränderungen, von fünf auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Mit dem Programm „Re-establish the Base“ will Kamper nun das operative Ergebnis bis 2025 um 150 Millionen Euro im Jahr verbessern. Es gebe Synergien zwischen den beiden Ursprungsunternehmen, die immer stärker zum Tragen kämen, sagte Kamper. „Das fängt an, Früchte zu tragen.“
Die Stimmung zumindest hat sich nach Einschätzung im Unternehmen unter Kamper verbessert. „Es gibt deutliche Fortschritte in der Unternehmenskultur“, heißt es in Arbeitnehmerkreisen. Auch habe sich die Transparenz verbessert.
Erstpublikation: 27.07.2023, 21:58 Uhr (zuletzt aktualisiert am 27.07.2023 um 22:42 Uhr).