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PorscheAutobauer steigert Gewinn – Elektro-Offensive stockt

Porsche zählt zu den profitabelsten Autobauern der Welt. Aber der Absatz des elektrischen Taycan schwächelt – das wird in China zum Problem. Der Aktienkurs gerät unter Druck.Martin-W. Buchenau 27.07.2023 - 14:25 Uhr Artikel anhören

Der Absatz des einzigen reinen Elektrosportwagens von Porsche ist rückläufig.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Stuttgart. Porsche hat auf den ersten Blick ein erfolgreiches Halbjahr hinter sich. In den ersten sechs Monaten steigerte die VW-Tochter den Konzernumsatz um 14 Prozent auf 20,43 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um 10,7 Prozent auf 3,85 Milliarden Euro, wie der Sportwagenhersteller am Mittwochmorgen mitteilte. Doch der Erfolg beruht im ersten Halbjahr 2023 auf den Modellen mit Verbrennungsmotoren, während der Absatz des einzigen reinen Elektroautos Taycan rückläufig ist.

Operativ bleibt Porsche hochprofitabel: Die operative Konzernumsatzrendite ist trotz höherer Kosten auf 18,9 Prozent gestiegen und liegt so im oberen Bereich des selbst gesetzten Zielkorridors von 17 bis 19 Prozent. Porsche ist damit weiterhin einer der profitabelsten Autobauer der Welt.

Im ersten Halbjahr hat der Sportwagenbauer die Auslieferungen um 15 Prozent auf rund 167.300 Fahrzeuge gesteigert. Der Netto-Cashflow für das Segment Automobile sank wegen der hohen Investitionen in Produkte und Innovationen dennoch von 2,4 auf 2,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen muss derzeit viel Geld in den Anlauf der ersten Elektroversion des Macan stecken.

Porsche: Prognose von 40 bis 42 Milliarden Euro Umsatz bestätigt

Die Porsche-Führung zeigte sich insgesamt zufrieden. „Bei der Umsetzung unserer Strategie machen wir keine Kompromisse. Das Feedback unserer Kunden und unsere Ergebnisse belegen, dass wir auf einer guten Fahrspur unterwegs sind“, sagte Oliver Blume, der gleichzeitig Porsche und den VW-Konzern leitet. Er bekräftigte die Prognose für das laufende Jahr von bis zu 19 Prozent Rendite bei einem Umsatz zwischen 40 und 42 Milliarden Euro. Finanzchef Lutz Meschke nannte den Auftragseingang zufriedenstellend hoch, sodass ein starkes zweites Halbjahr zu erwarten sei.

Trotz der starken Zahlen ist aber kaum zu übersehen, dass die Antriebswende bei Porsche stockt: Das bislang einzige reine Elektromodell Taycan schwächelt – vor allem in China.

Während die Auslieferungen von Porsche auf dem chinesischen Markt im ersten Halbjahr insgesamt um acht Prozent auf 43.832 Fahrzeuge zugelegt haben, wurden in den vergangenen zwei Quartalen Taycan-Zulassungen seltener registriert. Im ersten Quartal kam er auf 1288 Zulassungen, im zweiten Quartal ging der Absatz sogar auf 980 Fahrzeuge zurück. Zusammen sind das 2268 Exemplare. Das entspricht einem Marktanteil bei Elektroautos von gerade mal 0,1 Prozent. Der Taycan ist – anders als Tesla-Modelle – nicht updatefähig „over the air“. Zum Aufspielen neuer Software muss das Auto in die Werkstatt, was nicht nur chinesische Kunden bemängeln.

Langes Warten auf den Elektro-Macan von Porsche

Auch die halbelektrischen Plug-in-Hybride von Porsche wurden in China im ersten Halbjahr lediglich 5159-mal registriert. Dabei ist die Volksrepublik global der am schnellsten wachsende Elektroautomarkt. Bosch-Chef Stefan Hartung bezeichnet das Land als den weltweiten Gradmesser für die Elektromobilität: „Wer es hier schafft, schafft es in der ganzen Welt.“ Doch genau hier hakt es bei der Vorzeigemarke des VW-Konzerns.

Porsche-Chef Blume muss aktuell in China zusehen, wie andere den Elektromarkt unter sich ausmachen. Die Planungen sahen anders aus: Längst hätte der elektrische Macan weltweit für neue Zulassungen bei Porsche sorgen sollen. Doch das Volumenmodell kommt wegen der Softwareprobleme im VW-Konzern erst 2024 auf den Markt, zwei Jahre später als geplant. Der genaue Zeitpunkt steht immer noch nicht fest.

Nach Einschätzung von Experten wird es für Porsche sehr schwer werden, Terrain auf dem Markt für kleine elektrische SUV zurückzuerobern. Inzwischen machen sich dort Modelle von Li Auto und Nio breit.

>> Lesen Sie auch: Boomender E-Auto-Markt – Audi steht vor radikalem Neustart in China

Weltweit haben immerhin 17.991 Kunden den vollelektrischen Taycan im ersten Halbjahr in Empfang genommen – doch auch das sind fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Elektro-Sportler ist nach Unternehmensangaben weiterhin stärker als andere Baureihen von einer mangelnden Teileverfügbarkeit betroffen. Oliver Blume warnte, dass Engpässe in der Lieferkette für Spezialteile des Taycan wie den Hochvoltheizer auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten würden. Experten verwundert das, sprechen doch sonst alle Hersteller längst von einer deutlichen Entspannung bei Lieferengpässen. Eigentlich hatte Porsche für dieses Jahr einen Elektroanteil von zwölf Prozent angepeilt.

Ein weiteres Problem: Porsche muss die Batterien für seine Elektroautos aktuell noch zukaufen. Die Speicher gelten als die teuerste Komponente in einem Elektroauto. Blume kündigte darum an, die auf Hochleistungsbatteriezellen spezialisierte Tochter Cellforce in den kommenden Jahren ausbauen zu wollen. Ein zweiter Standort sei geplant. Um die Kosten von zwei bis drei Milliarden Euro zu stemmen, führe Porsche „vielversprechende“ Gespräche mit Investoren. 

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Die Börse reagierte dennoch nervös auf die Rückschläge bei der Elektromobilität. Der Kurs der Porsche-Aktie gab am Mittwoch zwischen zwei und drei Prozent auf unter 110 Euro nach, lag damit aber noch 30 Prozent über dem Emissionskurs vom Herbst 2022.

Erstpublikation: 26.07.2023, 08:29 Uhr (zuletzt aktualisiert: 26.07.2023, 14:58 Uhr).

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