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InvestorenbarometerDie Stimmung im Private-Equity-Markt kippt

Rezessionsängste und schwierige Finanzierungen belasten die Deal-Maker. Geldgeber für Start-ups sind optimistischer.Peter Köhler 27.07.2023 - 18:22 Uhr Artikel anhören

Die Stimmung am deutschen Private-Equity-Markt verschlechtert sich nach enttäuschenden Konjunkturdaten.

Foto: dpa

Frankfurt. Die erfolgsverwöhnte Private-Equity-Branche muss einen herben Rückschlag hinnehmen. Das Investorenbarometer für den deutschen Markt ist im zweiten Quartal 2023 deutlich gesunken, das Geschäftsklima hat sich erneut spürbar abgekühlt. Insgesamt verliert der Indikator 19,5 Zähler auf minus 32,0 Punkte. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Geschäftserwartungen haben sich spürbar verschlechtert. Aber es gibt auch einen Lichtblick.

Zum Jahresbeginn hatten sich die größten Konjunktursorgen noch zerstreut, und die wirtschaftliche Entwicklung der Portfoliounternehmen der Private-Equity-Fonds wurde wieder planbarer. Das hellte die Laune der Investoren maßgeblich auf. Mittlerweile hat sich das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft nach einer Reihe enttäuschender Konjunkturdaten aber wieder eingetrübt.

Das schlägt offenbar auf die Stimmung der Private-Equity-Manager durch. Diese Manager – die auch als Finanzinvestoren bezeichnet werden – kaufen Firmen und Konzernteile, restrukturieren sie über mehrere Jahre und verkaufen sie dann in der Regel zu einem höheren Preis weiter oder bringen sie an die Börse.

Zinserhöhungen tragen zum Rückschlag bei

Das Fundraising, also das Auflegen neuer Fonds, ist momentan schwieriger geworden. Zwar hat der Finanzinvestor CVC mit einem Fonds über 26 Milliarden Euro einen neuen Rekord in Europa aufgestellt. Für viele Newcomer im Markt oder weniger bekannte Private-Equity-Häuser dauert das Auflegen neuer Fonds aber länger oder die Fonds werden kleiner.

„Der Stimmungsumschwung auf dem deutschen Private-Equity-Markt hat ein jähes Ende gefunden“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. Die wiederkehrenden dunklen Wolken am Konjunkturhimmel hätten den Private-Equity-Investoren offenbar die Stimmung verhagelt. Denn die verschlechterten Wirtschaftsaussichten würden über ihr Portfolio und die potenziellen Zielunternehmen auf die Investorenstimmung durchschlagen.

Auch die neuerlichen Zinserhöhungen trügen zum Rückschlag bei, weil sie Verfügbarkeit und Konditionen des für die Transaktionen typischerweise eingesetzten Fremdkapitals verschlechterten. Die Erwartungen für Neuengagements mit Blick auf den Rest des Jahres seien allerdings noch positiv, das stimme hoffnungsvoll, so Köhler-Geib.

Verschlechtert hat sich im zweiten Quartal auch die Beurteilung des Angebots an neuen Investmentmöglichkeiten. Sowohl die Höhe als auch die Qualität des sogenannten Dealflows haben nachgegeben und liegen nunmehr leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Vor diesem Hintergrund bleibe die Bereitschaft für Neuinvestitionen zurückhaltend, trotz des nach wie vor sehr gut beurteilten Niveaus der Einstiegsbewertungen, heißt es in der Analyse des Investorenbarometers. Die neuerlichen Leitzinserhöhungen machten das für Transaktionen typischerweise genutzte Fremdkapital teurer.

Die Teilindikatoren für die Verfügbarkeit und die Konditionen von Akquisitionsfinanzierungen markieren daher neue Tiefpunkte. Allerdings nehmen offenbar die Hoffnungen zu, dass ein Ende der Zinserhöhungen in Sicht kommt.

Konjunktursorgen verderben den Beteiligungsmanagern die Laune

„Das gesamtwirtschaftliche Umfeld hat die zarte Stimmungserholung der beiden vorangegangenen Quartale wieder erstickt“, sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Branchenverbands BVK. Die Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung sowohl von Portfolio- als auch potenziellen Zielunternehmen dürften sich verstärkt haben und drückten damit unnachgiebig auf die Stimmung. Herausfordernde Zeiten bieten laut Hinrichs auf der Investitionsseite aber durchaus attraktive Einstiegschancen oder Gelegenheiten für Zukäufe für das bestehende Portfolio, sogenannte Add-on-Transaktionen. Die anhaltend positiven Einschätzungen zu den Einstiegsbewertungen würden dies unterstreichen.

Der Stimmungsumschwung auf dem deutschen Private Equity-Markt hat ein jähes Ende gefunden.
Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin KfW

Auch im Rest Europas kämpfen die Finanzinvestoren mit den schlechteren Rahmenbedingungen. Laut dem Datenanalysten Pitchbook fiel der Wert der Transaktionen unter Beteiligung von Private Equity im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr um 3,4 Prozent auf 144,5 Milliarden Euro. Sie erwarte, dass die Deal-Aktivität für das Jahr 2023 auf gedrücktem Niveau bleibe und die Bedeutung kleinerer Transaktionen zur Stärkung bereits bestehender Portfoliofirmen zunehme, sagte Navina Rajan, Senior Private Capital Analyst für Europa bei Pitchbook.

Global erzielten die Fonds im vergangenen Jahr laut dem Analysehaus Preqin eine Rendite von 2,1 Prozent. Das war deutlich besser als die Aktienmärkte in Deutschland und den USA. Allerdings hat dies laut Preqin auch Bedenken ausgelöst, die Fonds hätten zu geringe Wertberichtigungen auf ihre Investments vorgenommen. Das „dry powder“ – also das nicht investierte Kapital der auf Übernahmen spezialisierten Fonds lag Ende Juli 2023 bei 971,6 Milliarden Dollar. Ein Teil der Mittel werde voraussichtlich für Investments in bereits erworbene Unternehmen fließen, schätzt Preqin.

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Im Gegensatz zum Private-Equity-Markt hat sich die Stimmung unter den Geldgebern für die Start-ups zum Halbjahr 2023 erneut verbessert. Das Investorenbarometer für den Venture-Capital-Markt steigt um 12,4 Zähler auf minus 22,2 Punkte. Der Stimmungseinbruch zum Jahresende 2022 wurde somit annähernd wieder wettgemacht. Deutsche Investoren für die Jungunternehmen werden dabei zunehmend optimistischer. Dieser Optimismus sei zwar erfreulich, berge allerdings auch ein besonders hohes Rückschlagpotenzial, wenn die Erwartungen unerfüllt blieben, lautet die Analyse. Auch bei der Beurteilung wichtiger Teilfaktoren zeige sich der neue Optimismus. So fielen sowohl beim Fundraising, beim Exitumfeld als auch bei der Investitionsbereitschaft die Erwartungen teils deutlich positiver aus als die aktuelle Lagebeurteilung.

„Der Optimismus sollte sich auch auf das Investitionsgeschehen im zweiten Halbjahr niederschlagen, weshalb wir hier eine Erholung erwarten“, sagt Verbandschefin Hinrichs. KfW-Expertin Köhler-Geib plädiert dafür, den Vergleichsmaßstab neu zu justieren. Das Jahr 2021 sei ein Ausreißer gewesen. „Die Entwicklung davor ist der richtige Maßstab und gemessen daran, liegen die VC-Investitionen der letzten beiden Halbjahre genau im Trend. Für die weitere Entwicklung für Venture-Capital in Deutschland kann man daher optimistisch sein.“

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