Immobilien: Bauministerin Geywitz will Wohnungsbau ankurbeln
Die Ministerin plant die Einführung einer zeitlich befristeten sogenannten degressiven Afa für neu errichtete Wohngebäude ab Januar 2024.
Foto: dpaBerlin/Düsseldorf. Bauministerin Klara Geywitz (SPD) schlägt steuerliche Anreize vor, um den kriselnden Wohnungsbau anzukurbeln. „Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize“, sagte Geywitz am Mittwoch. Sie will, dass steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten deutlich erweitert werden.
Geywitz schlägt eine degressive Abschreibung vor, wonach Bauherren innerhalb der ersten acht Jahre insgesamt 48 Prozent der Kosten bei der Steuer abschreiben könnten. Die SPD-Ministerin lässt allerdings offen, wie hoch die zu erwartenden Steuermindereinnahmen wären und wie diese ausgeglichen werden sollen.
Der jahrelang boomende Wohnungsbau ist wegen des starken Zinsanstiegs bei Krediten und Steigerungen bei Baukosten ins Stocken geraten – das belastet insgesamt die Baukonjunktur. Das Ziel der Bundesregierung von 400.000 neuen Wohnungen jährlich war im vergangenen Jahr deutlich verfehlt worden und dürfte auch in diesem Jahr deutlich unterschritten werden.
Verbände der Wohnungs- und Bauwirtschaft begrüßten den Vorstoß, halten ihn allerdings nicht für ausreichend. Axel Gedaschko, Präsident des GdW-Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft, erklärte: „Für viele Wohnungsunternehmen sind steuerliche Erleichterungen keine Option, da ihnen weiterhin die Liquidität für Investitionen fehlt oder sie die in Aussicht gestellten Abschreibungen nicht nutzen können.“
Für diese Unternehmen müsse eine gleichwertige Investitionszulagenregelung ermöglicht werden. Der Lobbyverband Zentraler Immobilienausschuss (ZIA) sprach von einem richtigen Signal, der Zentralverband Deutsches Baugewerbe bewertete den Vorstoß als „Lichtblick“.
Teil von Lindners Steuerentlastungen
Geywitz sieht ihren Vorstoß als Teil des von Finanzminister Christian Lindner (FDP) geplanten Wachstumschancengesetzes: „Ich unterstütze den Vorschlag ausdrücklich, ein Wachstumschancengesetz für Deutschland aufzulegen. Es gibt jedoch eine Lücke.“
Lindner will die Wirtschaft mit einem Steuerpaket um jährlich rund 6,5 Milliarden Euro entlasten. Kernelement ist eine im Koalitionsvertrag angekündigte Prämie für Investitionen in den Klimaschutz. Der Entwurf ist in der Regierung noch nicht abgestimmt. Würde der Vorschlag von Geywitz umgesetzt, dürfte dies zunächst Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe bedeuten.
Die Ministerin schlägt konkret die Einführung einer zeitlich befristeten degressiven Abschreibung (Afa) für neu errichtete Wohngebäude ab Januar 2024 vor. Gelten solle dies bis Ende 2030. Damit solle ein Anreiz geschaffen werden, Bauvorhaben zügig umzusetzen. Im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden drei Jahren sollen demnach jeweils sieben Prozent der Baukosten abgeschrieben werden können, in den darauf folgenden vier Jahren fünf Prozent.
„Die zeitlich befristete degressive Afa wäre ein wichtiger Beitrag, die Bauwirtschaft zu stabilisieren und damit mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen“, so die Ministerin. „Wenn die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommen will, geht das nur mit einer starken Baukonjunktur.“
Bisherige Begünstigungen wie die Erhöhung der sogenannten linearen Afa und die Wiedereinführung der Sonderabschreibung reichten nicht aus, um genug Investitionen für dringend benötigte neue Wohnungen zu schaffen, heißt es in einem Papier des Ministeriums.
Das Ziel der Bundesregierung, 400.000 neue Wohnungen im Jahr zu bauen, dürfte 2023 deutlich verfehlt werden.
Foto: dpaNach Einschätzung der Strategieberatung EY-Parthenon ist beim Wohnungsbau bereits ab nächstem Jahr Besserung in Sicht. Die enorm gestiegenen Kredit- und Materialkosten erschwerten es weiter, Bauprojekte zu finanzieren, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Prognose. Der Markt dürfte aber mit sinkender Inflation ein neues Gleichgewicht finden und die Politik könnte bei einer anhaltenden Baukrise eingreifen. Derweil dürften sich die historisch gestiegenen Baupreise zumindest normalisieren, hieß es.
EY-Parthenon erwartet, dass der gesamte Hochbau in Deutschland 2023 erstmals seit Jahren kräftig schrumpft. So dürfte das preisbereinigte Bauvolumen um 2,6 Prozent auf gut 301 Milliarden Euro sinken, etwas weniger als vor der Corona-Pandemie. 2024 dürfe das Bauvolumen dann stagnieren und 2025 um 1,9 Prozent wachsen. Dabei stütze der hohe Bedarf an energetischen Sanierungen.
Deutlicher Rückgang im Wohnungsbau 2023
Für den Wohnungsbau sehen die Autoren dieses Jahr einen kräftigen Rückgang von 3,1 Prozent, der sich ab 2024 „langsam, aber stetig zu einem positiven Wachstum entwickeln wird“. „Wir glauben, dass sich der Einbruch im Wohnungsbau 2024 nicht fortsetzt“, sagte Volkmar Schott, Partner bei EY-Parthenon. Baukosten und Kreditzinsen dürften sich normalisieren und die Politik im Notfall einschreiten, etwa mit mehr Neubauförderung oder neuen Abschreibungsmöglichkeiten am Bau.
Bauherren dürften unterdessen vor etwas besseren Zeiten stehen, glaubt EY-Parthenon. Die Baupreise, die 2022 zwischen 16 und 18 Prozent hochgeschossen waren, dürften sich an die allgemeine Inflation angleichen, nicht aber sinken. Rasant steigende Preise für Baudienstleistungen ließen sich nicht mehr durchsetzen, sagte Partner Björn Reineke, doch Baumaterialien blieben teuer.
Die Studie sieht Hebel für mehr Effizienz, kürzere Bauzeiten und weniger Kosten auf Baustellen, etwa mit digital optimierten Prozessen, seriellem Bauen und industriell vorgefertigten Bauteilen. Bis zu 15 Prozent mehr Wohneinheiten pro Jahr seien möglich bei bis zu zehn Prozent Kostenersparnis.