Rückversicherer: Swiss Re vervielfacht Gewinn - CEO stellt höhere Einnahmen im Investment-Geschäft in Aussicht
Dank des Ausbleibens teurer Naturkatastrophen arbeitete die größte Sparte von Swiss Re hoch profitabel.
Foto: dpaZürich. Geringere Aufwendungen für Naturkatastrophen haben dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re in den ersten sechs Monaten 2023 Schub verliehen. Der Gewinn des Konzerns aus Zürich vervielfachte sich auf 1,45 Milliarden Dollar von 0,2 Milliarden Dollar in der Vorjahresperiode, wie Swiss Re am Freitag mitteilte.
Damit erfüllte der Münchener-Rück-Rivale die Analystenerwartungen. Swiss Re bekräftigte sein Gewinnziel von mehr als drei Milliarden Dollar für das Gesamtjahr. Konzernchef Christian Mumenthaler sagte dem Handelsblatt: „Bislang verläuft dieses Jahr generell im Rahmen unserer Erwartungen, nachdem in den Vorjahren viele Sondereffekte wie die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und der Anstieg der Inflation zusammengekommen sind.“
Zwar habe es im ersten Quartal durchaus große Naturkatastrophen gegeben, die das Budget der Swiss Re belastet hätten. Die Kosten für Großschäden infolge von Naturkatastrophen beliefen sich im Halbjahr auf 634 Millionen Dollar. So kam es etwa zu verheerende Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar.
Dafür sei es im zweiten Quartal etwas ruhiger gewesen, so Mumenthaler. Allerdings habe die Swiss Re bei der Versicherung von Naturkatastrophen auch ihre Strategie verändert: „In den vergangenen Jahren haben eine Vielzahl kleinerer Naturkatastrophenschäden die Resultate belastet. Diese Risiken haben wir reduziert.“
Die Prämieneinnahmen steigerte die weltweite Nummer zwei der Rückversicherungsbranche um 4,4 Prozent auf 22,1 Milliarden Dollar. In der Schaden- und Unfall-Rückversicherung erneuerte Swiss Re zum 1. Juli Verträge mit einem Prämienvolumen von 4,3 Milliarden Dollar. Insgesamt schraubte Swiss Re die Preise in dieser Erneuerungsrunde um 21 Prozent hoch.
Die stark gestiegenen Prämien begründete Mumenthaler mit Belastungen in den Vorjahren: „Seit 2017 hat Swiss Re und haben damit auch unsere Aktionäre hohe Schäden absorbiert. Um auch in Zukunft unseren Auftrag zu erfüllen, ist es folgerichtig, dass wir unsere Prämien stufenweise an das veränderte Risikoumfeld anpassen.“
Dank des Ausbleibens teurer Naturkatastrophen arbeitete die größte Sparte hoch profitabel: Der sogenannte Schaden-Kosten-Satz verbesserte sich auf 94,7 Prozent. Je tiefer die Kennzahl ist, desto gewinnbringender ist das Geschäft. Die Rendite auf Kapitalanlagen kletterte konzernweit auf 2,8 Prozent von 1,2 Prozent. „Trotz der makroökonomischen Volatilität haben höhere Zinsen und ein stetiger Anstieg der wiederkehrenden Erträge zu einem verbesserten Anlageergebnis beigetragen“, erklärte Finanzchef John Dacey.
Hinzu kommt, dass ein weiterer Belastungsfaktor wegfällt. Im Umfeld schnell steigender Inflationsraten müssen auch Rückversicherer wie Swiss Re zunächst Rückstellungen bilden. Der Grund: Der Wert von zukünftigen Prämieneinnahmen aus alten Verträgen nimmt durch den Kaufkraftverlust ab. Doch dieses Umfeld habe die Swiss Re hinter sich gelassen, erwartet Mumenthaler. „Wir gehen davon aus, dass die Inflation sich weiter abflaut und wir keine zusätzlichen Reserven für höhere Inflationsraten aufbauen müssen.“
Gleichzeitig beflügelt die von den Notenbanken als Reaktion auf die hohen Teuerungsraten angehobenen Zinsen die Gewinne der Swiss Re. Mumenthaler stellt daher bessere Ergebnisse durch höher verzinste Anlagen in Aussicht: „Die zusätzlichen Erträge im Investment-Geschäft durch die höheren Zinsen machen sich erst über die Zeit bemerkbar.“
Für Swiss Re endet damit eine Serie enttäuschender Quartalsergebnisse. Der Rivale Münchener Rück will sein Halbjahresergebnis am 10. August vorlegen. Der Branchenprimus peilt im laufenden Jahr einen Gewinn von vier Milliarden Euro an.
Mit Material von Reuters.