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Kommentar zur DeflationDie Abkühlung in China ist politisch gewollt

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sinken die Preise. Das ist kein Grund zur Aufregung. Die deflationäre Entwicklung Japans wird sich nicht wiederholen.Sabine Gusbeth 11.08.2023 - 14:07 Uhr
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Die Abkühlung des Bausektors verlangsamt das Wirtschaftswachstum.

Foto: dpa

In China sinken die Preise. Während Haushalte in vielen anderen Ländern unter Inflation leiden, ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Deflation gerutscht. Analysten ziehen düstere Vergleiche mit der „verlorenen Dekade“, die Japan erlebte. Insbesondere Deutschland, dessen Industrien stark von der ökonomischen Entwicklung der Volksrepublik abhängen, ist alarmiert.

Doch wie die meisten historischen Analogien liefert auch diese keine erleuchtenden Erkenntnisse. Für einen Abgesang auf die chinesische Wirtschaft ist es viel zu früh.

Unbestritten sind die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen die chinesische Staatsführung steht, immens. Vor allem die Abkühlung des Bausektors belastet die Volkswirtschaft und verlangsamt das Wirtschaftswachstum. Das drückt dann auch auf die Preise. Die künftige Entwicklung des Immobilienmarkts ist ohne Zweifel der größte Risikofaktor für die Wirtschaft – eine länger anhaltende Deflation ist durchaus möglich.

China ist zu schnell gewachsen

Doch die Abkühlung ist nicht nur politisch gewollt, sondern auch aus ökonomischer Sicht längst überfällig. Chinas Wirtschaft ist über viele Jahre viel zu schnell gewachsen, künstlich aufgeputscht durch eine übermäßige Bautätigkeit und eine ausufernde Verschuldung.

Bis zu einem Drittel trug der Bausektor direkt und indirekt zum gesamten Wirtschaftswachstum bei.

Staats- und Parteichef Xi Jinping forciert eine Abkehr von diesem „fiktiven“ Wachstum. Bislang ist die Staatsführung allem Anschein nach bereit, die Schmerzen dieser Transformation zu tragen.

Privater Konsum soll Wirtschaft ankurbeln

Anders als während der Finanzkrise 2008 hat sie dieses Mal kein großes, schuldenfinanziertes Infrastrukturprogramm aufgelegt. Stattdessen investiert sie massiv in die technologische Aufholjagd.

Und die Regierung setzt darauf, dass die Privatwirtschaft mit ihren Investitionen und die Haushalte mit ihren Konsumausgaben die Wirtschaft ankurbeln.

Zwar hat sich die Hoffnung, dass die Verbraucher ihre Corona-Ersparnisse nach dem Ende der Beschränkungen großzügig ausgeben und zu einer schnellen Erholung beitragen, nicht erfüllt.

Aber trotz aller Zurückhaltung steigt der private Konsum, zwar langsam, aber kontinuierlich.

Die Ausgaben für Konsumgüter und Dienstleistungen waren einer der wichtigsten Wachstumstreiber im ersten Halbjahr. Insbesondere für Events, Reisen und Restaurantbesuche geben die Chinesen Geld aus.

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Im Dienstleistungsbereich zogen die Preise zuletzt sogar an. Erholt sich der Konsum weiter, dürften auch die allgemeinen Verbraucherpreise wieder ansteigen.

Erstpublikation: 09.08.2023, 18:49 Uhr.

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