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Fernando VillavicencioPräsidentschaftskandidat in Ecuador erschossen

Wenige Tage vor der Wahl erschüttert ein politischer Mord das Land. Ecuadors Präsident Lasso sieht die Wahlen in Gefahr und verhängt den Ausnahmezustand.Klaus Ehringfeld 10.08.2023 - 11:29 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Präsidentschaftskandidat hatte kurz vor dem Anschlag von Drohungen gegen ihn berichtet.

Foto: IMAGO/Agencia Prensa-Independiente

Mexiko-Stadt. Die seit Monaten anhaltende Gewalt in Ecuador hat jetzt auch den Wahlkampf um das Präsidentenamt erreicht. Am Mittwochabend (Ortszeit) erschoss ein Attentäter den konservativen Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio im Anschluss an eine Wahlveranstaltung im Zentrum der Hauptstadt Quito.

Der 59-jährige Villavicencio, dem kaum Chancen bei der Wahl eingeräumt wurden, bestieg gerade sein Auto, als ihn aus der Menge mehrere Schüsse in den Kopf trafen. Weitere umstehende Personen wurden ebenfalls verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde anschließend von Sicherheitskräften getötet.

Erst vergangene Woche hatte Villavicencio öffentlich gemacht, dass er von einem Anführer der Drogenbande „Los Choneros“ bedroht werde, die mit dem mexikanischen „Sinaloa“-Kartell verbündet ist. „Ich habe keine Angst vor ihnen“, versicherte er wenige Tage vor seinem Tod in einem Interview.

Villavicencio galt als Vertrauter des amtierenden Staatschefs Guillermo Lasso, dessen Nachfolger am 20. August vorgezogen gewählt wird. „Im Gedenken an ihn und seinen Kampf versichere ich, dass dieses Verbrechen nicht ungestraft bleiben wird“, erklärte Lasso nach der Tat.

Der Präsident wies die Urheberschaft des Mordes dem organisierten Verbrechen zu. Lasso rief noch am Abend das Sicherheitskabinett zusammen und erklärte einen 60-tägigen Ausnahmezustand. Die Sicherheitskräfte würden die „Sicherheit der Bürger, die Ruhe im Land und freie und demokratische Wahlen garantieren“, kündigte der Präsident an. Wenige Stunden nach der Tat seien sechs Personen verhaftet worden, die im Verdacht stehen, an dem Mordanschlag beteiligt zu sein, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ecuador: Bestürzung über Mord an Villavicencio

Umfragen sahen Villavicencio bei rund 7,5 Prozent der Stimmen und damit auf dem fünften Rang von acht Kandidatinnen und Kandidaten. Sein Wahlkampf stand unter dem Motto „Zeit für die Mutigen“. Seine Hauptthemen waren der Kampf gegen die Korruption und die Gewaltkriminalität sowie die fortschreitende Umweltzerstörung in dem Andenstaat, der zwischen Kolumbien und Peru liegt.

Nach der Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio hat die Polizei sechs Tatverdächtige festgenommen. Ecuadors Staatschef Lasso verhängte einen 60-tägigen Ausnahmezustand. Die Wahl soll wie geplant am 20. August stattfinden.

Luisa González, die in den Umfragen führende Kandidatin, setzte ihre Kampagne nach dem Mord unmittelbar aus und geißelte den Anschlag: Die Tat sei „eine Schande für uns alle, meine Solidarität gilt seiner Familie und seinen Anhängern“. González steht dem früheren Linkspräsidenten Rafael Correa nahe und war politisch eine klare Gegnerin Villavicencios.

Der Mord sei ein Wendepunkt in einem stagnierenden Wahlkampf mit Kandidaten ohne Identität, sagte der Direktor der Beratungsfirma Icare der spanischen Zeitung „El País“. „Der Wahlkampf wird nicht mehr derselbe sein.“ Der Neoliberale Lasso, ein ehemaliger Banker, regiert seit Mai 2021 und hatte aufgrund der anhaltenden Proteste gegen ihn im Mai Neuwahlen ausgerufen, bei denen er nicht wieder antritt.

Seit einiger Zeit erschüttern Morde, Anschläge, Entführungen, Schutzgelderpressungen und weitere Gewaltverbrechen die Städte Ecuadors, vor allem die Hafenstadt Guayaquil. Schon lange warnen Sicherheitsexperten, dass Ecuador ein neuer Hotspot der lateinamerikanischen Drogenkartelle geworden ist, wo sie um Routen und Reviere ringen. Nachgewiesen ist die Präsenz der mexikanischen Großkartelle „Sinaloa“ und „Jalisco Nueva Generación“, die sich mit jeweils gegnerischen lokalen Gruppen verbünden.

Vergangenen Monat verhängte Präsident Lasso nach einer Reihe von Morden im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen bereits den Ausnahmezustand und nächtliche Ausgangssperren in drei Provinzen. Im April hatte er die Waffengesetze gelockert und den Bürgern so das Tragen von Waffen erlaubt.

Der konservative Kandidat wurde in seinem Auto erschossen, nachdem er einen Wahlkampfauftritt absolviert hatte.

Foto: dpa

Allein in diesem Jahr gab es bereits mindestens zwei weitere Morde an Politikern: Im Juli wurde der Bürgermeister der Hafenstadt Manta, Agustín Intriago, ermordet. Im Februar töteten Unbekannte Omar Menéndez, Bürgermeisterkandidat der Stadt Puerto López.

In einem TV-Interview kritisierte Villavicencio jüngst die Rolle der Behörden bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität. „Die Polizei weiß, wo sich die Verstecke von Kriminellen, Drogenhändlern, illegalen Minenarbeitern und Wirtschaftskriminellen befinden“, sagte er und versprach, im Falle seiner Wahl die „Sicherheitskräfte zu säubern“. Villavicencio machte auch immer wieder öffentlich, dass er vom Chef der Bande „Los Choneros“ bedroht werde. „Wenn ich die Choneros weiter erwähne, werden sie mich umlegen“, hatte er befürchtet.

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Los Choneros ist eine alteingesessene Drogenbande. Sie ist eine der mächtigsten kriminellen Gruppen Ecuadors und wird derzeit vom mexikanischen Sinaloa-Kartell für den Kokainschmuggel genutzt. Die Choneros stehen in Konflikt mit anderen Banden wie „Los Lobos“ und „Tiguerones“. Diese wiederum stehen im Soll des mexikanischen Kartells „Jalisco Nueva Generación“.

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