Persil-Hersteller: Henkel wächst schwächer als die Konkurrenz
Henkel hat die Preise kräftig erhöht, verkauft aber weniger Produkte.
Foto: BloombergDüsseldorf. Der Persil- und Pritt-Hersteller Henkel ist im ersten Halbjahr stärker gewachsen als erwartet – allerdings schwächer als andere Markenartikler. Der Umsatz des Konsumgütergeschäfts des Dax-Konzerns wuchs aus eigener Kraft um 5,7 Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Euro. Die Düsseldorfer waren in dieser Sparte zuvor von einem Plus von bis zu drei Prozent ausgegangen.
Henkel hob am Donnerstag auch seine Prognose an, rechnet konzernweit nun mit einem organischen Umsatzplus von bis zu 4,5 Prozent statt mit den zuvor angepeilten bis zu drei Prozent. Auch die Profitabilität soll steigen, man rechnet mit weniger stark steigenden Kosten.
Die Konkurrenz hat zuletzt allerdings überwiegend bessere Zahlen vorgelegt. So steigerte der Hamburger Mitbewerber Beiersdorf seine Umsätze im Konsumentengeschäft (Nivea, Labello) um 14,9 Prozent. Auch der britische Konsumgüterriese Unilever wuchs mit Haushalts- und Kosmetikmarken wie Coral oder Dove je nach Segment zwischen 8,4 und 10,8 Prozent. Schwächer entwickelte sich der US-Konzern Procter & Gamble (Ariel, Pampers), der seine Umsätze im jüngsten Quartal um fünf Prozent steigerte.
„Wir befinden uns mitten in der Transformation unseres Konsumgütergeschäfts. Dass wir aktiv Geschäfte einstellen, belastet das Wachstum“, sagte Henkel-Chef Carsten Knobel. Der Manager hat Henkel bereits umgebaut: Seit Jahresbeginn ist das Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln sowie die schwächelnde Kosmetik unter dem Segment Consumer Brands zusammengefasst.
Im Zuge dessen hat der Konzern margenschwache Produkte mit einem Umsatzwert in Höhe von 500 Millionen Euro eingestellt oder verkauft. Das betrifft vor allem Mittelmarken aus dem Geschäft mit Mundpflege („Theramed“), Hautpflege („Diadermine“) und Lufterfrischern („Renuzit“).
Knobel will zudem durch den Abbau von weltweit 2000 Stellen Kosten drücken und die Effizienz steigern. Insgesamt sei Henkel auf dem richtigen Weg, so Knobel, der Umbau gehe schneller voran als geplant. Und tatsächlich steigerte die Sparte Consumer Brands ihren Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebit) um 15,9 Prozent.
Henkel steigert die Preise, verkauft aber weniger
Hersteller von Alltagswaren kämpfen seit der Pandemie mit steigenden Kosten für Logistik und Rohstoffe. Die Lage hat sich durch den Krieg in der Ukraine verschlechtert. Viele Konzerne haben ihre Mehrkosten an den Handel weitergegeben.
Auch Henkel hat die Preise in seinem Konsumgütergeschäft im ersten Halbjahr kräftig um 14,1 Prozent erhöht – und damit stärker als viele Konkurrenten. Bei Unilever etwa betrug das Preisplus je nach Sparte zwischen 5,1 und 11,2 Prozent.
Bei Wasch- und Reinigungsmitteln, die für Henkel bedeutsamer sind als für Mitwerber, habe es höhere Kostensteigerungen als bei Beautyprodukten gegeben, so Knobel. Das zeige sich jetzt in stärkeren Preiserhöhungen. In der zweiten Jahreshälfte wolle man die Preise selektiv weiter anheben.
Der Gesamtkonzern steigerte seine Umsätze im ersten Halbjahr um 4,9 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro.
Foto: AFP/Getty ImagesOhne Risiko ist dieses Vorgehen nicht. Hersteller können damit Verbraucher verprellen, die ihrerseits mit höheren Lebenshaltungskosten kämpfen. Viele Kunden sind deshalb zu preisgünstigeren Handelsmarken gewechselt. Bei Kosmetikprodukten standen diese im ersten Halbjahr für 36,4 Prozent des Umsatzes, im Gesamtjahr 2020 waren es 35 Prozent, zeigen Zahlen des Marktforschers NielsenIQ.
Diesen Effekt spürt auch Henkel. Im ersten Halbjahr verkaufte der Konzern 8,4 Prozent weniger Wasch- und Reinigungsmittel. Unilever hingegen berichtete über geringere Volumenrückgänge oder konnte seine Absätze sogar steigern. Auch Beiersdorf gelang es trotz Preisanhebungen, mehr zu verkaufen.
Gut drei Prozentpunkte des Absatzrückgangs von 8,4 Prozent erklärten sich damit, dass Verbraucher auf Handelsmarken gewechselt seien, sagte Knobel. Zwei Prozentpunkte gingen auf die Einstellung von Marken zurück.
Der Rest resultiere aus Auslistungen im Handel oder Lieferstopps von Henkel. Zwischen Herstellern und Händlern waren Preisverhandlungen zuletzt eskaliert. Henkel habe zum Ende des Halbjahres laut Aussage des CEO aber fast alle Auseinandersetzungen beigelegt.
Rückzug aus Russland kostet Henkel 214 Millionen Euro
Belastet wird die Bilanz von Henkel indes durch den Rückzug aus Russland. Unter dem Strich muss Henkel einen Verlust von 214 Millionen Euro verkraften. Der Konzern hat sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zwar zögerlich, aber letztlich als einer der wenigen großen Markenartikler komplett aus dem Markt zurückgezogen. Henkel war mit zwölf Werken wie kaum ein anderer Dax-Konzern in Russland investiert, erzielte dort fünf Prozent seines Umsatzes.
Im April hatte Henkel sein Geschäft an ein Konsortium russischer Finanzinvestoren verkauft – für umgerechnet 615 Millionen Euro. Zu normalen Zeiten hätte der Konzern für die eine Milliarde Euro schwere Tochter ein Vielfaches des Preises erzielt. Zudem hat der schwache Wechselkurs den Verkaufsgewinn belastet. Henkel hat nun zehn Jahre lang die Option, seine Geschäfte zurückzukaufen, frühestens aber 2026.
Henkel beschäftigt gut 48.000 Mitarbeiter. Ende 2022 waren es noch mehr als 51.000. Der Rückgang erklärt sich maßgeblich mit der Veräußerung des Russlandgeschäfts.