Energiewende: „Rekordzubau bei Solaranlagen, Wärmepumpen und Heimspeichern“
(Fotos: Getty Images, Imago, dpa; Montage: Handelsblatt)
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Die hohen Energiepreise haben manchen Hausbesitzer wachgerüttelt und die Energiewende in den Eigenheimen beschleunigt. „Wir erleben einen Rekordzubau bei Solaranlagen, Wärmepumpen und Heimspeichern“, sagte René Zerwes vom Energieversorger Lichtblick bei der Präsentation des Prosumer-Reports 2023.
Der Begriff Prosumer setzt sich aus Silben der Wörter Producer und Consumer zusammen, denn Prosumer produzieren einen Großteil ihres Energiebedarfs selbst. Und dieses Potenzial ist bei den Eigenheimen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. „Die Dächer von elf Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland eignen sich für den wirtschaftlichen Einsatz von Photovoltaik (PV)“, sagte Zerwes. Diese Eigenheime würden das Prosumer-Potenzial bilden. Mit einem Mix aus Photovoltaik, Wärmepumpen und weiterer Technik könnten die Eigenheimbesitzer – abhängig von der Entwicklung der Energiepreise – innerhalb von 20 Jahren in der Summe zwischen 322 und 566 Milliarden Euro Energiekosten sparen, rechnet die Studie vor.
Großes Potenzial
Immerhin haben schon etliche Besitzer energetisch umgerüstet. Der Prosumer-Index stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Punkte auf 11,6 von 100 möglichen Punkten. 100 Punkte wären gleichbedeutend mit einer Vollausstattung aller elf Millionen solarfähigen Eigenheime mit den Prosumer-Technologien. Der Report hat den Stand der Energiewende in den deutschen Eigenheimen mit Datenanalysen des Marktforschungsinstituts EUPD Research analysiert. Dafür wurden sieben Schlüsseltechnologien genauer untersucht.
Privathaushalte installieren Solaranlagen
Die gute Nachricht ist: Der Zubau hat sich 2022 bei fast allen Technologien beschleunigt. So verkündete der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) im Mai offiziell die Registrierung der dreimillionsten PV-Anlage und wies ebenfalls darauf hin, dass insbesondere Privathaushalte Anlagen auf ihren Dächern installieren würden. Laut der Lichtblick-Studie produzierten ungefähr zwei Millionen Eigenheime Ende 2022 Solarstrom. Damit seien bislang 18 Prozent der solarfähigen Häuser mit einer Anlage ausgestattet, heißt es in dem Report.
Viele Wärmepumpen im Bestand
Strombetriebene Wärmepumpen kommen bei zehn Prozent der solarfähigen Eigenheime zum Einsatz. Auffällig ist, dass fast vier Fünftel (78 Prozent) der neuen Wärmepumpen im vergangenen Jahr in Bestandsgebäuden installiert wurden. Das widerspreche der weit verbreiteten Auffassung, Wärmepumpen seien nur in Neubauten mit einem geringen Wärmebedarf wirtschaftlich einsetzbar, heißt es.
Wenige Smart Meter
Seltener kommen in den Häusern Wallboxen (elf Prozent), Heimspeicher (sechs Prozent), Energiemanagementsysteme (sechs Prozent) und Elektroautos (fünf Prozent) zum Einsatz. Nur der Ausbau der Smart Meter, der intelligenten Stromzähler, stockt. Lediglich ein Prozent der solarfähigen Eigenheime ist laut der Untersuchung mit einem solchen intelligenten Messsystem ausgerüstet. Echte Smart Meter seien die entscheidende Schnittstelle, um das Prosumer-Haus intelligent mit dem Stromnetz zu verbinden, betonen die Autoren der Studie. Möchten Hausbesitzer ihre neu installierte PV-Anlage mit dem öffentlichen Netz koppeln, müssen sie nach wie vor viele Formalien bewältigen.
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Erstpublikation: 16.08.2023, 4:06 Uhr