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KommentarWagenknechts Steilvorlage für die AfD

Der Bruch der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg wirkt weit über das Land hinaus. Er stärkt hauptsächlich die AfD, und zwar dort, wo in diesem Jahr besonders viel auf dem Spiel steht.Dietmar Neuerer 09.01.2026 - 11:29 Uhr
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Alice Weidel und Tino Chrupalla: Wollen mit der AfD Regierungsverantwortung übernehmen. Foto: dpa

Der Zusammenbruch der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg ist mehr als ein regionaler Machtkampf. Er ist ein Lehrstück darüber, wie politische Instabilität Vertrauen zerstört und damit jenen Kräften nützt, die vom Misstrauen gegenüber der Politik leben. Allen voran die AfD.

Der Konflikt eskaliert inzwischen nicht nur zwischen beiden vormaligen Koalitionspartnern, sondern auch innerhalb des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) selbst: Rücktritte, Parteiaustritte und öffentliche Abrechnungen zeichnen das Bild einer Partei, die weder regierungs- noch geschlossen oppositionsfähig ist.

Ausgerechnet jene Gruppierung, die angetreten war, enttäuschten Wählern ein „seriöses Gegenangebot“ zu machen, liefert nun ein Paradebeispiel politischer Selbstzerlegung.

Verschärft wird dieser Eindruck durch eine Aussage der Parteigründerin Wagenknecht. Ihr Vorwurf eines „Wählerverrats“ und eines gezielt vorbereiteten Koalitionsbruchs der SPD zugunsten einer Zusammenarbeit mit der CDU mag mobilisieren. Er verstärkt jedoch zugleich den Eindruck eines tiefen politischen Zerwürfnisses.

Wenn selbst innerhalb einer jungen Partei derart fundamental über Motive, Loyalität und demokratische Legitimation gestritten wird, bleibt beim Publikum vor allem ein Eindruck hängen: Chaos.

Genau hier setzt die AfD an. Sie profitiert nicht primär von eigenen Lösungen, sondern von dem Eindruck, dass alle anderen scheitern: neue Parteien ebenso wie alte Bündnisse. Der Brandenburger Koalitionsbruch fügt sich nahtlos in das Narrativ, Politik sei von Intrigen, Machtspielen und einem „Weiter so“ geprägt.

Politische Zerwürfnisse treffen nicht nur die Beteiligten

Wagenknechts Warnung vor wachsendem Vertrauensverlust ist deshalb zugleich eine unbeabsichtigte Steilvorlage für jene Partei, die diesen Vertrauensverlust systematisch befeuert.

Besonders relevant ist das mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. In beiden Ländern stehen in diesem Jahr Landtagswahlen an, in beiden ist die AfD stark. Der Zerfall des BSW schwächt dort ein potenzielles Auffangbecken für Protestwähler links der Mitte.

Wer sich von der Politik insgesamt abwendet oder den Eindruck gewinnt, dass neue Projekte ebenso zerstritten enden wie alte, landet schneller bei der radikalsten Alternative oder bleibt bei Wahlen gleich ganz zu Hause.

Der Koalitionsbruch in Brandenburg zeigt damit eine bittere Dynamik: Politische Zerwürfnisse treffen nicht nur die unmittelbar Beteiligten. Sie dürften auch bei Wählerinnen und Wählern eine große Enttäuschung auslösen.

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Damit verschiebt sich das gesamte Machtgefüge. Denn im Schatten dieses Vertrauensverlusts wächst die AfD, die ihrem Ziel, Regierungsverantwortung zu übernehmen, immer näher kommt.

Erstpublikation: 09.01.2026, 06:46 Uhr.

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