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Büro-SoftwareMicrosoft löst auf EU-Druck Verzahnung von Teams und Office

Kunden können bald eine günstigere Office-Version ohne die Software Teams wählen. Offen bleibt, ob der EU das reicht. Zudem gibt es weitere Beschwerden gegen Microsoft. 31.08.2023 - 13:19 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Dienst wurde 2017 dem Office-Paket als kostenloses Feature hinzugefügt. Es verdrängte das bis dahin verbreitete, ebenfalls zu Microsoft gehörende Programm Skype.

Foto: dpa

Brüssel, Düsseldorf. Wegen einer drohenden Strafe der Europäischen Union löst Microsoft die Verflechtung seines Videokonferenz-Programms Teams mit den Softwarepaketen Office 365 und Microsoft 365. Mit diesem Schritt sollten Bedenken der Wettbewerbshüter ausgeräumt werden, schrieb der US-Softwarekonzern am Donnerstag in einem Blogbeitrag.

Kunden könnten künftig eine Office-Version ohne Teams wählen, die günstiger sei als diejenige inklusive Teams, erklärte Nanna-Louise Linde, die für die Zusammenarbeit mit europäischen Regierungen zuständige Managerin. Außerdem stellte sie Aktualisierungen bei Office in Aussicht, um die Einbindung von Konkurrenzprodukten zu verbessern.

Die EU teilte mit, die Maßnahmen zur Kenntnis genommen zu haben. Einen weiter gehenden Kommentar zu dem Thema lehnte sie ab.

Auslöser der Aktion ist eine offizielle Untersuchung der EU-Wettbewerbsbehörde wegen einer möglichen Behinderung der Konkurrenz durch Microsoft. Seit Juli läuft ein formales Verfahren. Ins Rollen brachte die Ermittlungen eine Beschwerde des US-Konzerns Salesforce, der mit Slack einen Teams-Rivalen im Programm hat.

Laut Agenturberichten vom Juli hatte die ursprünglich angebotene Preissenkung für Office exklusive Teams der EU nicht ausgereicht. Microsoft musste wegen der Verzahnung verschiedener Produkte in den vergangenen Jahren in der EU Wettbewerbsstrafen von insgesamt 2,2 Milliarden Dollar zahlen.

Kunden erhalten Office ohne Teams günstiger

Teams wurde 2017 dem Office-Paket als kostenloses Feature hinzugefügt. Es verdrängte das bis dahin verbreitete, ebenfalls zu Microsoft gehörende Programm Skype. Während der Pandemie gewannen Videokonferenzsysteme wie Teams oder Zoom rasch an Popularität.

Geschäftliche Bestandskunden, die sich gegen Teams entscheiden, erhalten das Office-Paket nach Angaben von Microsoft künftig mit einem Preisabschlag von 24 Euro pro Jahr und Nutzer. Neukunden könnten Teams als Einzelanwendung für 60 Euro im Jahr buchen. Die Änderungen träten zum 1. Oktober in der EU und der Schweiz in Kraft.

In den vergangenen Jahren haben die Beschwerden über die Geschäftsgebaren von Microsoft zugenommen. Bei der EU-Kommission sind mehrere Kartellverfahren anhängig. So moniert der Verband Cispe, in dem eine Gruppe von Cloud-Anbietern inklusive Amazon organisiert ist, dass der Softwarehersteller mit unfairen Lizenzbedingungen Kunden zur Nutzung der eigenen Plattform Azure dränge.

Der deutsche Softwarehersteller Nextcloud wiederum hält die Bündelung des Betriebssystems Windows mit dem Speicherdienst Onedrive für unzulässig. Und erst vor einigen Wochen hat der Videodienst Alfaview eine Beschwerde eingereicht – ähnlich wie im Fall von Slack geht es um die Bündelung von Office und Teams, „ohne alternativen Anbietern von Video- und Kommunikationslösungen eine ähnliche Integration zu ermöglichen“.

Bundeskartellamt prüft Stellung von Microsoft

Auch in Deutschland steht Microsoft unter Beobachtung. Das Bundeskartellamt prüft, ob der Konzern eine „überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb“ hat. Wenn die Behörde – wie schon bei Alphabet und Meta – zu dieser Feststellung kommt, kann sie einfacher Praktiken untersagen, die den Wettbewerb gefährden.

Microsoft hat in den vergangenen Monaten immer wieder Kompromissbereitschaft signalisiert. Der Konzern erkenne seine Verantwortung als großer Technologieanbieter, „ein gesundes Wettbewerbsumfeld zu unterstützen“, betonte Linde am Donnerstag in ihrem Blogpost. Man werde den Austausch mit der Kommission fortführen, auf die „Bedenken im Markt“ hören und sei für pragmatische Lösungen offen.

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Das dürfte eine Lehre sein aus den Kartellverfahren in den 1990er- und 2000er-Jahren, als der Konzern sein Betriebssystem Windows mit dem Browser Internet Explorer bündelte und damit Konkurrenten aus dem Markt drängte. Damals stand zwischenzeitlich die Zerschlagung des Softwareherstellers zur Diskussion.

rtr, chk
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