Prüfers Kolumne: Agent Scholz und der Bundes-Schalldämpfer
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.
Foto: HandelsblattUnser Bundeskanzler Olaf Scholz hat aus der Regierungsklausur in Meseberg vor allem eines mitgebracht: eine neue Redewendung. Die kommende produktive Arbeit der Koalition beschrieb er so: „Wir werden hämmern und klopfen, aber mit Schalldämpfer.“ Das ist ihm als unglückliche Formulierung ausgelegt worden. Sogar als bürgerfeindlich.
Schließlich habe die Öffentlichkeit ein Recht darauf, den Krach, der beim Regieren entsteht, zu hören. Vor allem den Regierungskrach selbst. Der „Focus“ erkannte darin sogar eine „befremdliche Sicht auf die Bürger“.
Bürger, die tatsächlich schon einmal Sanierungsarbeiten im Haus hatten, werden das vielleicht anders sehen. Denn bei so etwas ist Dämpfung sehr willkommen. Man kann auf das Klopfen und Hämmern gerne verzichten, auch wenn man natürlich alles Recht der Welt hat, ganz genau zu hören, was die Arbeiter so treiben.
Die eigentlich interessante Frage ist: Warum sprach der Kanzler vom Klopfen? Welcher Handwerker klopft denn? Wer hat schon einmal ein Schild gesehen: „Vorsicht Klopfarbeiten“? Man klopft vorsichtig an eine Tür. Alternativ könnte man vielleicht mit dem Teppichklopfer einen alten Perser ausklopfen.
Ist das die Arbeitsteilung, die sich der Kanzler in der Koalition künftig vorstellt? Die einen sollen hämmern, während die anderen den Staub aus der Auslegeware klopfen dürfen? Es dürfte die Kabinettmitglieder in dem Fall sehr interessieren, wer für was eingeteilt wird.
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Davon wird man in der Öffentlichkeit aber ob des kanzleramtlichen Schalldämpfers wenig vernehmen. Wie der aussehen könnte, ist schwer vorstellbar. Wenn man sich über das Wesen des Schalldämpfers informiert, landet man zunächst einmal in der Auto-Branche. Da werden sie in Abgasanlagen gebraucht, um das Mündungsgeräusch des Auspuffs zu mindern.
Dabei wissen wir doch alle, dass es wegen der elektrischen Revolution bald gar keine Auspuffe mehr gibt, die man dämpfen müsste. So einen Schalldämpfer kann der Kanzler also unmöglich gemeint haben.
Es gibt freilich auch jene Schalldämpfer, die an den Lauf von Feuerwaffen geschraubt werden. Es könnte also bedeuten, dass das Regierungsoberhaupt gedenkt, jene, die nicht nach seiner Vorstellung hämmern und klopfen, geräuschlos um die Ecke zu bringen. Das sollte die Kabinettsmitglieder dann natürlich außerordentlich interessieren.
Allerdings ist auch nicht von Geheimkommandos im Stile von Agent 007 auszugehen. Denn jener Waffen-Schalldämpfer wird in Deutschland korrekterweise als „Mündungssignaturreduzierer“ bezeichnet. Hätte Agent Scholz im Sinn, sein Kabinett mit der Bond'schen Walther P99 zu reformieren, hätte er sicherlich sachlich richtig gesagt: „Wir werden hämmern und klopfen, aber mit Mündungssignaturreduzierer.“ Und das sind erst mal doch gute Nachrichten für die Koalition.