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KommentarSolche Fehlleistungen kann sich die Deutsche Bank nicht leisten

Die scharfe Rüge der Aufseher für die Missstände bei der Tochter Postbank zeigt: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bekommt das Dauerproblem nicht in den Griff.Michael Maisch 08.09.2023 - 08:15 Uhr
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Die Probleme bei der Postbank und der DSL Bank konterkarieren Sewings Ziel, die Reputation des Geldhauses zu verbessern.

Foto: Reuters

Selbstbild und Fremdwahrnehmung klaffen bei der Deutschen Bank in diesen Tagen auseinander. Das beweist spätestens die ungewöhnlich harsche Rüge der Finanzaufsicht Bafin für die chronischen Defizite bei der Tochter Postbank.

Die Mannschaft um Vorstandschef Christian Sewing sieht sich ganz klar auf dem richtigen Weg. Statt Milliardenverlusten schreibt das größte heimische Geldhaus wieder ordentliche Gewinne.

Das Versprechen, die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investmentbanking zu reduzieren und stattdessen die Unternehmensbank zu stärken, konnte Sewing dank stark steigender Zinsen ebenfalls erfüllen. Und nach Lesart der Bank hat auch das Privatkundengeschäft endlich die Wende zum Besseren geschafft.

Deutsche Bank bekommt schwerwiegende Probleme nicht in Griff

All diese Argumente sind nicht falsch, aber sie sind leider nur ein Teil der Wahrheit.

Zu dieser Wahrheit gehört auch, dass die Bank mit einer Reihe schwerwiegender Probleme kämpft, die sie nicht in den Griff bekommt. Dazu zählt die notorische Schwäche beim Thema Compliance. Und dazu gehört eben auch die Misere bei der IT-Integration der Postbank.

Die Rüge der Bafin für die Bonner Tochter kommt im besten Bürokratendeutsch daher: „Information der Bafin zu Störungen der Geschäftsabwicklung bei der Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG“. Wie schwer die Vorwürfe tatsächlich wiegen, zeigt der Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Die Nachricht ging am Montag erst nach Börsenschluss auf die Website der Bafin, offenbar befürchteten die Aufseher materiellen Schaden für die Aktie, und tatsächlich ist der Knick im Kurs zur Börseneröffnung am Dienstag nicht zu übersehen.

Das Geldhaus erwägt Finanzkreisen zufolge, einen Wirtschaftsprüfer zu Majorel zu schicken, um die Vorgänge zu überprüfen.

Foto: dpa

Es ist kein Wunder, dass die Bafin nach Tausenden Kundenbeschwerden die Geduld mit der Postbank verliert. Das Urteil der Aufseher, „erhebliche Beeinträchtigungen bei der Abwicklung des Kundengeschäfts“, ist fast schon die Höchststrafe, bedeutet es doch, dass die Postbank das ganz normale Tagesgeschäft derzeit nicht im Griff hat.

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Solche Fehlleistungen können sich die Deutsche Bank und ihr Vorstandschef schlicht nicht leisten. Sie gefährden die unbestreitbaren Sanierungserfolge. Das Vertrauen der Investoren in die Bank steht ohnehin auf einer ziemlich wackeligen Basis. Die beste Kennzahl, um dieses Vertrauen zu messen, ist das Verhältnis des Aktienkurses zu den Werten in der Bilanz. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Deutschen Bank dümpelt seit dem Frühjahr bei bescheidenen 0,33 herum, die wichtigsten europäischen Konkurrenten kommen auf ungefähr doppelt so hohe Werte.

Erstpublikation: 05.09.2023, 18:39 Uhr.

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