Märkte Insight: Realitätscheck für Apple und Big Tech
Durch einen Medienbericht wurde eine erneute Debatte über einen Handelskrieg zwischen den USA und China entfacht.
Foto: ReutersNew York. Aufatmen an der Wall Street: Der Abwärtstrend der vergangenen Tage wurde am Freitag erst einmal gestoppt. Die großen Aktienindizes gingen mit einem leichten Plus aus dem Handel. Doch für die Anleger war es eine schlechte Handelswoche, die sich so schnell nicht abschütteln lassen wird. Die Apple-Aktie verlor seit Montag insgesamt fünf Prozent an Wert und schloss am Freitag bei 178 Dollar. Der technologielastige Nasdaq-Index gab im gleichen Zeitraum rund 1,5 Prozent nach.
Die Schwäche bei Apple wurde angetrieben durch einen Bericht des „Wall Street Journal“, wonach die chinesische Regierung bestimmten Mitarbeitern verbieten will, iPhones zur Arbeit zu bringen. Bestätigt wurde der Bericht bislang nicht. Doch er war ausreichend, um eine groß angelegte Debatte über einen neuen Handelskrieg zwischen den USA und China zu entfachen – und einen deutlichen Stimmungswandel an den Aktienmärkten herbeizuführen.
Noch vor wenigen Wochen war die unerwartete Rally bei Tech-Aktien das dominierende Thema, das auch viele Kleinanleger zurück an die Märkte gelockt hatte. Die „Magnificent Seven“, Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Tesla und Meta, haben bis Ende Juli außergewöhnlich hohe Kursgewinne verzeichnet. Apple stieg in den ersten sieben Monaten des Jahres um 57 Prozent. Bei Chiphersteller Nvidia hat sich der Kurs sogar mehr als verdreifacht. Die Schwächephase im August haben viele Investoren und Analysten zunächst als saisonal abgetan.
Nun jedoch müssen sie sich schwierigen Fragen stellen: Was hätte es für Folgen, wenn Apple tatsächlich ins Zentrum eines neuen Handelsstreits der zwei großen Weltmächte geriete? Und wie stark würden auch andere Unternehmen aus der Tech-Branche und darüber hinaus darunter leiden?
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Mohamed El-Erian, Chefstratege beim Versicherungskonzern Allianz, geht davon aus, dass die Sorge, sich mitten in einem Handelsstreit zu befinden, „heute zu den fünf größten für die meisten multinationalen Unternehmen gehört“. Noch ist es zu früh für definitive Antworten. Auch bei Analysten gehen die Meinungen stark auseinander.
Dan Ives von Wedbush Securities hält die Sorgen um Apple für übertrieben. Doch nicht alle sind so optimistisch. Ein mögliches iPhone-Verbot in China „ist ein schlechter Präzedenzfall“, warnt Daniel Morgan von Synovus. Er sorgt sich davor, dass Verbote schnell auf andere Bereiche ausgeweitet werden könnten.
Investoren müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen und wie viel Verluste im Portfolio sie nach einem turbulenten vergangenen Jahr verkraften können. Apple ist mit einer Marktkapitalisierung von 2,8 Billionen Dollar der größte börsennotierte Konzern der USA. Mit dieser Größe macht sich eine längere Schwächephase schnell auch in den Indizes Nasdaq und S&P 500 bemerkbar, wo Apple gelistet ist.