Frankreichs Finanzminister: Le Maire fordert von Deutschland andere Prioritäten in der Wirtschaftspolitik
„Der beste Weg, um die Staatsschulden zu reduzieren, ist nicht nur die öffentlichen Ausgaben zu senken, sondern auch mehr Wachstum zu haben.“
Foto: Getty ImagesParis. Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat die Bundesregierung zu einer gemeinsamen Wachstumsstrategie für Europa aufgefordert. „Die Unternehmen erwarten klare Botschaften von unseren beiden Regierungen“, sagte Le Maire dem Handelsblatt. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein Interesse haben, gemeinsam zu reüssieren: Wenn es Deutschland gut geht, geht es Frankreich auch gut – und umgekehrt.“
Die Europäer müssten sich die Frage stellen, wie sie besser und effizienter investieren könnten. „Die eigentliche wirtschaftspolitische Frage ist, wie Europa als Kontinent mit einer alternden Bevölkerung und Fachkräftemangel seine Produktivität, seine Wettbewerbsfähigkeit und sein Wachstum sicherstellt“, sagte der Minister. „Das ist die Frage, auf die wir gemeinsam mit Deutschland eine Antwort finden müssen.“
Le Maire warnte davor, sich einseitig auf den Abbau der Staatsverschuldung zu konzentrieren. „Haushaltsregeln und Schuldenabbau sind für mich sehr wichtig“, sagte er. „Aber die Voraussetzung ist, dass wir uns die Fähigkeit für Investitionen erhalten.“
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Herr Minister, Frankreichs Wirtschaft scheint stärker aus den Krisen der letzten Jahre hervorzugehen als viele Staaten der EU. Wie erklären Sie sich das?
Ich glaube, eine maßgebliche Erklärung ist die Stabilität und Sichtbarkeit unserer Wirtschaftspolitik. Es ist das erste Mal seit langer Zeit in Frankreich, dass wir einen konstanten Kurs fahren. Das ist ein Vertrauensbeweis für die Unternehmen. Wir machen eine angebotsorientierte Politik. Eine Politik, die Arbeit aufwertet und die Reindustrialisierung Frankreichs zum Ziel hat.