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EmissionNächster Chip-Börsengang: Ausrüster Kokusai geht aufs Parkett

Der IPO des Chipdesigners Arm war ein riesiger Erfolg. Dass sich die Investoren nun auch für den Anlagenbauer Kokusai Electric begeistern lassen, ist aber keineswegs sicher.Martin Kölling, Joachim Hofer 20.09.2023 - 10:46 Uhr Artikel anhören

Der japanische Chipausrüster Kokusai Electric soll in Tokio an die Börse gehen.

Foto: Bloomberg

Tokio, München. Die Halbleiterindustrie steckt in der Krise. Doch Investoren scheint das nicht abzuschrecken. Vergangene Woche brachte der Technologie-Investor Softbank den britischen Chipdesigner Arm in New York an die Börse – mit großem Erfolg. Die Emission war mehr als zehnfach überzeichnet, und die Papiere notierten zwischenzeitlich mehr als ein Fünftel über dem Ausgabepreis. Im Oktober haben Anleger nun die nächste Gelegenheit, sich in die globale Lieferkette der Chipbranche einzukaufen.

So bringt die Beteiligungsgesellschaft KKR den Chipzulieferer Kokusai Electric an die Tokioter Börse. Das Unternehmen, das früher zum japanischen Technologiekonzern Hitachi gehörte, stellt für Kunden wie TSMC aus Taiwan Beschichtungsanlagen für Wafer her, mit denen dann Chips gefertigt werden. Damian Thong, Analyst bei Macquarie in Tokio, sieht den Börsengang deshalb als „Barometer“ für Investitionen in den Halbleitermarkt.

Mit einem erwarteten Volumen von rund 400 Milliarden Yen (2,6 Milliarden Euro) könnte es der größte Börsengang in Japan seit Ende der Pandemie werden. „Wenn er gut angenommen wird, bedeutet das, dass die Investoren optimistisch auf die Halbleiterindustrie blicken“, meint Thong.

China vereitelte den Verkauf von Kokusai Electric

Die Emission dürfte auch Japans Rolle in der Chipindustrie stärker ins Rampenlicht rücken, so Thong. „Japans Herausforderung auf dem globalen Aktienmarkt war bisher, dass viele Unternehmen außerhalb des Landes nicht wahrgenommen wurden.“

Japan war einst der größte Chiphersteller der Welt. Aber das ist Jahrzehnte her. Taiwan und China sind vorbeigezogen. Mit Tokyo Electron hat die älteste Industrienation Asiens aber nach wie vor einen Weltkonzern bei den Halbleitermaschinen. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer Anbieter: von Anlagenherstellern wie Advantest über Materialproduzenten wie Mitsubishi Gas Chemical bis hin zu Chipdesignern wie Socionext.

Und eben Kokusai Electric: Ursprünglich wollte der US-Rivale Applied Materials den Börsenkandidaten 2019 übernehmen. Die Behörden in China aber vereitelten den Deal. KKR hatte die Firma 2017 Hitachi abgekauft. Einen Minderheitsanteil sicherte sich die Qatar Investment Authority. Den letzten verfügbaren Angaben von 2022 zufolge erzielte Kokusai einen Umsatz von umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Euro und zählte gut 3000 Beschäftigte.

Ob Kokusai Electric auf genauso viel Interesse der Anleger stößt wie Arm? Das ist fraglich. Die Umsätze der Chipmaschinenhersteller leiden unter dem flauen Geschäft ihrer Kunden. Hersteller von Speicherchips wie Samsung Electronics schreiben rote Zahlen, weil mit dem Einbruch der Nachfrage auch die Preise gefallen sind.

So haben die Konzerne weltweit im zweiten Quartal 2023 Chip-Equipment für 25,8 Milliarden Dollar verkauft. Das sind zwei Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahrs, so der Branchenverband Semi. Im Vergleich zum ersten Quartal 2023 beträgt das Minus vier Prozent. Besonders kräftig ist das Geschäft in Taiwan zurückgegangen. Das liegt nicht zuletzt an TSMC, dem weltgrößten Auftragsfertiger der Chipindustrie.

So verschiebt TSMC der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Abnahmetermine bestellter Maschinen. TSMC wollte sich laut Reuters nicht dazu äußern und verwies stattdessen auf ein Interview des Konzernchefs C. C. Wei vom Juli. Darin hatte dieser auf das schwierige Branchenumfeld hingewiesen. Peter Wennink, CEO des wichtigsten europäischen Chipanlagenbauers ASML, bestätigte unlängst das zögerliche Bestellverhalten mancher Kunden.

>>Lesen Sie hier: Warum die Chipproduktion klemmt und so die Künstliche Intelligenz ausbremst
Tokyo Electron rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit 23 Prozent weniger Umsatz und 36 Prozent weniger Nettogewinn. Das scheint die Anleger aber nicht zu stören. Der Aktienkurs stieg seit Jahresbeginn um rund 70 Prozent. Andere Chipwerte haben nach einem Zwischenhoch im Juli wieder an Wert verloren, notieren aber in der Regel immer noch deutlich über den Kursen vom Januar.

Der KI-Boom überzeugt die Investoren

Die Auflösung des scheinbaren Paradoxons: Die Investoren sind begeistert vom Boom der Künstlichen Intelligenz (KI). Viele Aktien, die mit KI zu tun haben, profitieren derzeit von dem Hype, beobachtet Analyst Thong. Die Anleger glaubten, dass die Halbleiterindustrie in diesem und vielleicht auch im nächsten Jahrzehnt strukturell weiter stark wachsen werde, so der Experte. Die Frage sei nur, wann der Wendepunkt komme, 2024 oder 2025.

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Noch stehen die Details des Börsengangs von Kokusai Electric nicht fest. Der Finanzinformationsdienst Bloomberg geht davon aus, dass KKR nur einen Teil seiner Aktien anbieten wird. Beim erfolgreichen IPO von Arm stieß Eigentümer Softbank rund zehn Prozent der Anteile ab.

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