Handelsblatt Banken-Gipfel: Commerzbank-Chef Knof: Nächste Strategie stellt Wachstum in den Vordergrund
Commerzbank-Chef Manfred Knof findet es wichtig, dass die Teams regelmäßig in Präsenz zusammenkommen.
Foto: Marc-Steffen UngerFrankfurt. Die Commerzbank will bei ihrer neuen Strategie das Thema Wachstum priorisieren. „Die finanzielle Restrukturierung der Commerzbank ist abgeschlossen“, sagte Vorstandschef Manfred Knof am Donnerstag auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts. „Es steht auf jeden Fall Wachstum im Kundengeschäft im Vordergrund.“ Die Bank wolle in ihren beiden Hauptgeschäftsfeldern, dem Privat- und Firmenkundengeschäft, zulegen.
Der Fokus auf Wachstum bedeutet auch, dass die Beschäftigten keinen massiven Stellenabbau befürchten müssen. Im Rahmen der ersten Strategie unter Knof hatte die Bank etwa 10.000 Jobs gestrichen.
„Natürlich werden wir auch in so einem Umfeld immer diszipliniert weiter auf der Kostenseite arbeiten“, betonte Knof. Doch Wachstum spiele nun eine immer wichtigere Rolle. Da müsse es eine „gute Balance“ geben.
Damit deutet Knof an, dass zwar in manchen Bereichen weitere Stellen wegfallen dürften, in Wachstumsfeldern aber wohl auch Mitarbeitende eingestellt werden.
Welche finanziellen Ziele die Bank genau anpeilt, will sie am 8. November bekannt geben. „Wir wollen unsere Kapitalkosten verdienen“, betonte der Vorstandschef. „Wir sind mit unserer Strategie 2024 und unserer Profitabilisierung auf gutem Wege.“ Künftig werde die Profitabilität weiter steigen.
„Wir sehen keine Zunahme der Kreditausfälle“
Derzeit profitiert die Commerzbank von den deutlich gestiegenen Zinsen. Gerade erst hat Finanzchefin Bettina Orlopp angedeutet, dass der Zinsüberschuss in diesem Jahr wohl höher ausfallen wird als die bislang angepeilten 7,8 Milliarden Euro. Analysten hatten Orlopp gefragt, ob auch noch etwas mehr möglich sei. Orlopp habe bestätigt, dass sie damit „nicht so ganz falsch liegen“, bestätigte Knof.
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„Wir haben natürlich vom Zinsanstieg profitiert“, sagte der Vorstandschef. Das höhere Zinsniveau werde der Bank weiterhin helfen. Doch Banken müssen höhere Zinsen zunehmend an ihre Einlagenkunden weiterreichen, was ihre Zinsmargen unter Druck setzen dürfte.
Positiv aus Sicht der Commerzbank ist, dass sich ein deutlicher Anstieg der Risikovorsorge bisher nicht abzeichnet. „Wir sehen keine Zunahme der Kreditausfälle“, sagte Knof. „Wir sind resilient, was unser Portfolio angeht.“
Ähnlich wie die Deutsche Bank will die Commerzbank perspektivisch ihre Provisionseinnahmen steigern. „Das Thema Provisionsüberschuss ist in unserer künftigen Wachstumsstrategie für uns wichtig“, betonte Knof.
Viele Unternehmen investieren lieber im Ausland
Zudem deutete er an, dass die Bank ihr Auslandsgeschäft stärken möchte – und bestätigte damit entsprechende Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen.
„Mehr als 30 Prozent der Unternehmen investieren lieber im Ausland, auch der regional verankerte Mittelstand“, sagte Knof. Das habe auch Auswirkungen für die Aufstellung der Commerzbank.
„Wenn sich Handelskorridore und Lieferketten verschieben, dann führt das auch zu Veränderungen in den Präsenzen“, sagte Knof. „Wenn unsere Kunden woanders schwerpunktmäßig investieren, dann folgen wir da auch unseren Kunden.“
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beobachtet ebenfalls, dass Firmenkunden verstärkt im Ausland investieren – und will ihre Standorte im Ausland deshalb „kontinuierlich weiter ausbauen“, sagte Vorstandschef Rainer Neske.
LBBW erwartet schwierige Jahre bei Gewerbeimmobilen
Die Einschätzung von Bafin-Chef Mark Branson, dass sich Banken ab 2024 auf fallende Gewinne einstellen müssen, teilt Neske mit Blick auf sein Institut nicht. „Ich gehe relativ optimistisch auch in das nächste Jahr hinein.“
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Er sei zuversichtlich, dass die Eigenkapitalrendite der Bank nicht unter das aktuelle Niveau von neun Prozent fallen werde. Die Kennziffer gibt an, wie gewinnbringend Unternehmen ihr Eigenkapital einsetzen.
Für Banken gebe es im aktuellen Umfeld große Chancen, erklärte Neske. Sie müssten Einlagen und Kredite zusammenbringen, Unternehmen gegen Zins- und Währungsrisiken absichern und Kapital für Investitionen mobilisieren. Wichtig sei aber auch, „die Augen vor Gefahren nicht zu verschließen“.
Die LBBW hat Anfang 2022 die Berlin Hyp übernommen und damit ihr Engagement bei Gewerbeimmobilien deutlich erhöht. Dieser Markt steht wegen gestiegener Zinsen und Baukosten gerade besonders unter Druck.
Er rechne mit drei bis vier schwierigen Jahren im Gewerbeimmobiliengeschäft, sagte Neske. Das könne die LBBW dank ihrer breiten Aufstellung als Universalbank aber verkraften. „Da werden wir sehr gut durchbalancieren mit unserem Geschäftsmodell.“