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Interview mit Bafin-ChefMark Branson: „Wir müssen vorsichtig bleiben“

Der Bafin-Chef rechnet mit sinkenden Bankengewinnen – und plädiert auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts für ein Durchgreifen der Finanzaufsicht.Andreas Kröner, Carsten Volkery 20.09.2023 - 18:20 Uhr Artikel anhören

Der Bafin-Chef warnt vor den Risiken aus dem Zinsschock.

Foto: Marc Steffen Unger

Frankfurt, Brüssel. Die Finanzaufsicht Bafin stimmt die deutschen Banken auf schwierigere Zeiten ein. „Die Profitabilität, die wir in diesem Jahr sehen werden, wird sich nicht so schnell wiederholen“, sagte Bafin-Chef Mark Branson am Mittwoch beim Banken-Gipfel des Handelsblatts. Der Brite geht davon aus, dass es wegen der Zinswende und des Wirtschaftsabschwungs künftig zu mehr Firmenpleiten und Kreditausfällen kommen wird.

„Die Risiken aus dem Zinsschock für die Realwirtschaft, die haben wir noch nicht gesehen“, sagte Branson. „Deshalb müssen wir noch vorsichtig bleiben.“ Sofern es keine tiefe Rezession mit einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit gebe, sei jedoch keine systemische Krise für das Finanzsystem zu erwarten.

Im vergangenen Jahr haben viele deutsche Banken stark von der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert. Mittlerweile haben sich die Geschäftsaussichten jedoch eingetrübt. Es sei zu erwarten, „dass ein sinkendes Kreditneugeschäft sowie eine Zunahme von Kreditausfällen die Ertragslage der nächsten Jahre belasten werden“, schrieb die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Darüber hinaus glaubt die Notenbank nicht, dass die Geldhäuser 2023 erneut so stark von steigenden Zinsen profitieren werden wie im vergangenen Jahr, als der Zinsüberschuss branchenweit um 11,4 Prozent anstieg.

Mittlerweile müssen die Institute wegen des zunehmenden Wettbewerbs um Einlagen schließlich mehr Zinsen an ihre Kunden weitergeben. „Inwieweit das steigende Zinsniveau die Ertragslage der deutschen Banken mittelfristig stützt, bleibt abzuwarten“, erklärte die Bundesbank.

Die Belastungen für die Institute durch Abschreibungen auf Wertpapiere dürften sich 2023 aber reduzieren. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass 2022 das schwierigste Jahr war, weil die Zinsen da am schnellsten gestiegen sind“, sagte Branson. Zudem werde es 2023 erste Zuschreibungen geben, wenn es zu Wertaufholungen kommt oder auslaufende Anleihen vollständig zurückgezahlt werden.

Im vergangenen Jahr beliefen sich die Abschreibungen allein bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken auf fast 14 Milliarden Euro. Bemerkenswert war dabei, dass branchenweit laut Bundesbank nur knapp ein Sechstel aller Kursverluste in den Gewinn-und-Verlust-Rechnungen der Banken sichtbar wurde. Alle anderen Wertpapiere hielten die Institute im Bankbuch im Anlagevermögen. Dort müssen sie nicht abgeschrieben werden, wenn sie bis zur Endfälligkeit gehalten und Wertminderungen nicht als dauerhaft betrachtet werden.

Bafin will Lizenzanträge schneller bearbeiten

In Deutschland hätten Teile der Bankenbranche die Abschreibungen auf Wertpapiere „mit einem blauen Auge“ überstanden, weil ihre Kapitalpuffer dick genug gewesen seien, sagte Branson. In den USA sei das nicht der Fall gewesen, weshalb einige Institute in den Abgrund gestürzt seien. Branson spielte damit unter anderem auf die Silicon Valley Bank an, die im März zusammengebrochen war.

Branson steht seit August 2021 an der Spitze der deutschen Finanzaufsicht. Er löste damals Felix Hufeld ab, der nach dem Wirecard-Skandal vorzeitig abgetreten war. Nach seinem Amtsantritt gab Branson das Ziel aus, bei Missständen schneller und früher einzugreifen – und auch mal Grenzen auszutesten. Zwei Jahre später sieht er die Bafin dabei auf einem guten Weg. „Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir aktiver geworden sind, dass wir bereit sind, wo angezeigt, intrusive Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Branson. Zudem sei die Bafin viel transparenter geworden und kommuniziere öffentlich, wenn sie gegen Geldhäuser vorgehe.

Der Bafin-Chef war beim Handelsblatt Bankengipfel zu Gast.

Foto: Marc Steffen Unger

„Aber es gibt viele Sachen, die wir auch noch verbessern können“, betonte der Bafin-Chef. Seine Behörde müsse etwa Lizenzanträge von Instituten schneller bearbeiten. Über Entbürokratisierung zu sprechen sei einfach, sie umzusetzen aber schwierig.

Viele Fintechs, aber auch etablierte Finanzkonzerne werfen der Bafin vor, dass sie besonders bei der Vergabe von Lizenzen zum Handel oder der Verwahrung von Kryptowährungen zu zögerlich sei. Aus Bransons Sicht gibt es jedoch „gerade in diesem Marktsegment gute Gründe, besonders gründlich zu sein“.

Nichtsdestotrotz sei die Bafin bei der Erteilung oder Ablehnung von Kryptoverwahrlizenzen inzwischen schneller geworden, sagte Branson. „In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden zweimal so viele Antragsprozesse abgeschlossen wie im Gesamtjahr 2022. Und das Jahr ist noch lange nicht vorbei.“

Unterstützung signalisierte Branson für die Forderung von Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch, die „kritische Aufsichtskultur“ der EZB-Bankenaufsicht weiterzuentwickeln. Als Führungsperson einer Aufsichtsbehörde müsse man seinen Leuten den Rücken stärken und sie ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und auch unliebsame Entscheide zu treffen, sagte Branson. Der EZB-Rat hatte vergangene Woche entschieden, dass Buch Anfang 2024 neue Chefin der EZB-Bankenaufsicht werden soll. Das Europaparlament und der Rat der EU müssen der Personalie noch zustimmen.

Die Chancen dafür stehen sehr gut, da Buch ihren Härtetest im Europaparlament am Mittwoch bestanden hat. In einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss versprach sie, auf ihrem neuen Posten eng mit dem Europaparlament zusammenzuarbeiten und ihre langjährige Erfahrung in der Bankenregulierung einzubringen.

Buch spricht sich für EU- Einlagensicherung aus

Der Ausschuss entschied anschließend mehrheitlich, Buchs Nominierung zu unterstützen, obwohl er sich nach einer informellen Anhörung im Juli noch für Buchs spanische Konkurrentin Margarita Delgado ausgesprochen hatte. Buch habe gezeigt, „dass sie Bankenaufsicht kann und die notwendige Erfahrung mitbringt“, erklärte der Parlamentarier Markus Ferber von der EVP. Es sei richtig, dass der Ausschuss „am Ende vor allem auf die Eignung der Kandidatin geschaut hat und sich nicht in ein institutionelles Scharmützel mit der EZB begeben hat“.

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Buch sprach sich vor dem Ausschuss unter anderem dafür aus, die Bankenunion zu vollenden und für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung zu kämpfen.

Das dürfte bei den deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, aber auch bei der FDP nicht gut ankommen. Alle drei sprechen sich seit Jahren gegen eine EU-Einlagensicherung aus.

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