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Commerzbank-AktieCommerzbank will die Hälfte ihres Gewinns ausschütten

Das Frankfurter Institut peilt im Rahmen seiner neuen Strategie bis 2026 eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent an. Die Aktie reagiert mit Verlusten.Andreas Kröner 23.09.2023 - 12:15 Uhr Artikel anhören

Das Institut plant erstmals seit der Finanzkrise keinen Stellenabbau.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Commerzbank rechnet bis 2026 mit steigenden Gewinnen und will davon mehr an ihre Eigentümer weitergeben. Im Rahmen der neuen Strategie peile der Vorstand eine Mindestausschüttung von 50 Prozent an, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Deutschlands zweitgrößte Privatbank wolle dabei auf eine Mischung von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen setzen.

Darüber hinaus will die Commerzbank ihre Eigenkapitalrendite steigern. Sie soll 2024 auf mehr als acht Prozent, 2025 auf mehr als neun Prozent und 2026 auf mehr als zehn Prozent steigen, sagten die Insider. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

An der Börse kamen die Eckdaten der geplanten Strategie nicht gut an. Commerzbank-Aktien bauten ihre Verluste nach dem Handelsblatt-Bericht am Freitagnachmittag deutlich aus. Sie beendeten den Handel mit einem Minus von 3,4 Prozent und waren damit größer Verlierer im Leitindex Dax.

Die Eigenkapitalrendite ist die zentrale Kennzahl, um die Rentabilität von Geldhäusern zu messen. Im Rahmen der aktuellen Strategie hat die Commerzbank für 2024 ein Ziel von mehr als 7,3 Prozent ausgegeben.

Eine Ausschüttung gab es bei der Commerzbank viele Jahre lang gar nicht. Für das Geschäftsjahr 2022 gab das Institut dann 30 Prozent des Konzernergebnisses nach Abzug von Zinszahlungen für sogenannte AT-1-Anleihen an seine Eigner weiter. Für 2023 möchte die Bank 50 Prozent ausschütten und setzt dabei auf eine Kombination von Dividende und Aktienrückkauf.

Lange gab es keine Ausschüttung bei der Commerzbank

Davon profitiert auch die Bundesregierung. Sie ist seit der staatlichen Rettung in der Finanzkrise 2008 größter Aktionär und hält gut 15 Prozent.

Die neuen Ziele sind Finanzkreisen zufolge bisher noch nicht beschlossen. Vorstand und Aufsichtsrat wollen darüber vom kommenden Dienstag bis Donnerstag bei ihrer Herbstklausur im firmeneigenen Tagungszentrum in Glashütten beraten.

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass der Vorstand anschließend noch Anregungen des Aufsichtsrats in seine Pläne einarbeitet. Vorgestellt werden soll die neue Strategie dann am 8. November.

Commerzbank liebäugelt mit Zukäufen in der Vermögensverwaltung

Der Vorstand geht Finanzkreisen zufolge davon aus, dass die Bank ihre Erträge bis 2026 sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft steigern kann. Im Privatkundengeschäft wolle das Institut unter anderem das Geschäft mit vermögenden Kunden ausbauen. Dazu wolle es mehr Personal anstellen und auch die Augen nach Zukäufen offenhalten.

Das Filialnetz, das in den vergangenen Jahren auf rund 400 halbiert wurde, solle im Wesentlichen so erhalten bleiben, sagten die Insider. Kleinere Adjustierungen seien aber weiter möglich – zum Beispiel, wenn Mietverträge auslaufen.

In der Firmenkundensparte wolle Vorstand Michael Kotzbauer unter anderem das Auslandsgeschäft ausbauen. Das Handelsblatt hatte darüber kürzlich bereits exklusiv berichtet. Die Bank reagiert damit unter anderem darauf, dass deutsche Unternehmen verstärkt im Ausland investieren.

Im Gegensatz zur aktuellen Strategie, die den Abbau von 10.000 Vollzeitstellen vorsieht, sei in den kommenden Jahren kein größeres Abbauprogramm geplant, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Nur in der Verwaltung und im Backoffice seien vereinzelt Straffungen vorgesehen. Zudem überlege die Bank, ob sie in der IT noch mehr Arbeit in Niedriglohnländer auslagern könne.

Insgesamt geht der Vorstand Finanzkreisen zufolge davon aus, dass die Kosten in den kommenden Jahren um drei bis fünf Prozent steigen. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Bank nach den nächsten Tarifabschlüssen vermutlich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr bezahlen müsse.

Die Zeiten, in denen die Commerzbank aufgrund schwacher Ergebnisse abwägen könne, ob sie bei Tarifabschlüssen auch die außertariflich angestellten Mitarbeiter einbeziehe, seien vorbei, sagten mit dem Thema vertraute Personen. Bei der derzeitigen Fluktuation und dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel müsse das Institut die Tarifergebnisse künftig auch für die außertariflich bezahlten Beschäftigten übernehmen.

2022 hat die Commerzbank einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Im laufenden Jahr rechnet sie mit einer deutlichen Steigerung.

Rückenwind durch Zinswende lässt nach

Vorstandschef Manfred Knof hat die Commerzbank seit 2021 mit harter Hand saniert. Die finanzielle Restrukturierung sei nun abgeschlossen, sagte er am Donnerstag beim Handelsblatt-Banken-Gipfel. Künftig stehe „auf jeden Fall Wachstum im Kundengeschäft im Vordergrund“.

Derzeit profitiert die Commerzbank stark von den gestiegenen Zinsen. Im zweiten Quartal kletterte der Zinsüberschuss auf den neuen Rekordwert von 2,1 Milliarden Euro. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Rückenwind durch die Zinswende nun nachlassen wird.

Die Commerzbank müsse deshalb selbst Maßnahmen ergreifen, um das positive Momentum aufrechtzuerhalten, forderten die Analysten der Deutschen Bank kürzlich in einer Studie. Die Experten mahnen unter anderem, die Commerzbank müsse ihr Provisionsergebnis steigern und im Zahlungsverkehr und im Asset-Management zulegen.

Vorstandschef Manfred Knof hat die Bank in den vergangenen Jahren mit harter Hand saniert.

Foto: Stefanie Hergenröder für Euroforum/ Handelsblatt

Letzteres will die Commerzbank unter anderem mit der neu gegründeten Tochter Yellowfin erreichen. Sie kümmert sich um institutionelle Investoren, Firmenkunden und hochvermögende Privatkunden mit einem zu verwaltenden Vermögen von 30 Millionen Euro und mehr.

Commerzbank soll bei Ausschüttungen aggressiver werden

Das 2022 eingekaufte Yellowfin-Team sei gut, allerdings werde es mehrere Jahre dauern, bis die Commerzbank in diesem Geschäftsfeld zusätzliche Erträge in signifikanter Größenordnung erziele, sagte ein Insider. Begonnen hat Yellowfin mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zehn Milliarden Euro.

Die Analysten der Deutschen Bank forderten zudem, dass die Commerzbank bei Ausschüttungen – wie die italienische Großbank Unicredit – aggressiver werden müsse. Der Commerzbank-Vorstand will diesem Wunsch offenbar nachkommen.

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Erstpublikation: 22.09.2023, 16:41 Uhr (aktualisiert am 22.09.2023, 18:17 Uhr).

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