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  5. Nach Flucht: Marsalek soll mit Spionen zusammengearbeitet haben

Mutmaßlicher SpionageringEx-Wirecard-Vorstand Marsalek gerät unter Spionageverdacht

Britische Ermittler haben fünf Bulgaren angeklagt, die für Russland spioniert haben sollen. Jan Marsalek soll nach seiner Flucht aus Deutschland mit ihnen zusammengearbeitet haben.René Bender, Michael Verfürden 26.09.2023 - 13:30 Uhr Artikel anhören

Die Polizei fahndet seit 2020 nach dem Ex-Manager.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der flüchtige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek soll mit mutmaßlichen russischen Spionen zusammengearbeitet haben. Das geht aus einer Anklage in Großbritannien hervor, die Staatsanwältin Kathryn Selby am Dienstag vor dem Amtsgericht in Westminster verlesen hat. Die fünf Angeklagten sollen sich demnach mit einer Person namens Jan Marsalek „verschworen haben“ – und zwar nach dessen Flucht.

Konkret geht es um den Zeitraum zwischen August 2020 und Februar 2023. Dann schlugen die Ermittler zu und nahmen die zwei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 29 und 45 Jahren fest. Die Bulgaren sollen für russische Geheimdienste gearbeitet, Informationen gesammelt und dabei offenbar auch Aufträge vom österreichischen Staatsbürger Marsalek erhalten haben.

Die Ermittler werfen ihnen vor, Personen und Orte überwacht und ausspioniert zu haben, die im Visier Moskaus standen. Auch um mögliche Entführungen soll es dabei gegangen sein.

Die Angeklagten äußerten sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen und bestätigten in einer Videoschaltung aus den Gefängnissen lediglich ihre Namen und Geburtsdaten. Marsaleks Anwalt Frank Eckstein wollte auf eine Handelsblatt-Anfrage ebenfalls nicht Stellung nehmen.

Wirecard kollabierte im Juni 2020, Marsalek ist kurz darauf abgetaucht. Seitdem werden immer mehr Details zu seinen Verbindungen nach Russland bekannt.

Smartphones mit „exotischen Funktionen“

Das Handelsblatt berichtete Mitte August über einen E-Mail-Austausch Marsaleks mit Orlin Roussev, einem der nun in Großbritannien angeklagten mutmaßlichen Spione.

Insgesamt tauschte Roussev neun E-Mails mit Marsaleks Wirecard-E-Mail-Adresse aus. In seinen Nachrichten geht es um Smartphones mit „ziemlich exotischen Funktionen“ und den Zugang zu speziellen Mobilfunk-Protokollen, der es Nutzern laut Sicherheitsexperten ermöglicht, Dritte zu orten und abzuhören.

Roussev soll nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft das „operative Zentrum“ für die geheimdienstlichen Operationen zur Verfügung gestellt haben. Er wohnte in einem inzwischen geschlossenen Gästehaus in Great Yarmouth – etwa 200 Kilometer östlich von London an der Nordsee. Dort entdeckten die Ermittler der Staatsanwaltschaft zufolge Überwachungsausrüstung.

Roussev soll die Operationen in Europa organisiert und geleitet haben. Auftraggeber der „feindlichen Handlungen“ gegen „bestimmte Ziele“ soll jedoch Marsalek gewesen sein. Die mutmaßlichen Spione sollen auch an den früheren Wirecard-Vorstand berichtet haben.

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Die Beschuldigten sollen sich mitunter als Journalisten getarnt haben. Ermittler fanden bei Durchsuchungen am 19. Februar gefälschte Dokumente, darunter Presseausweise sowie Kleidung mit Aufschriften der US-Fernsehsender „Discovery Channel“ und „National Geographic“.

Ab dem 13. Oktober müssen sich die fünf angeklagten Bulgaren vor Großbritanniens höchstem Strafgerichtshof verantworten.

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