Nahrungsmittel: Nestlé nennt ehrgeizige Umsatzziele für gesündere Lebensmittel
Bei der Einstufung von Nahrungsmitteln verlässt sich Nestlé auf das „Health-Star-Rating“. Das System passt gut zum Sortiment der Schweizer.
Foto: dpaZürich. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé will seinen Umsatz mit als gesund eingestuften Lebensmitteln deutlich steigern. 20 bis 25 Milliarden Schweizer Franken mehr in diesem Bereich hat CEO Mark Schneider bis 2030 als Ziel ausgegeben, teilte das Unternehmen am Donnerstag erstmalig mit.
Für Nestlé, das einen erheblichen Teil seines Umsatzes nach wie vor mit Süßwaren-Bestsellern wie Kitkat-Schokoriegeln, Nesquik-Trinkschokolade, Eiscrème und Tiefkühlkost verdient, sind das ambitionierte Ziele. Gegenüber dem Niveau von 2022 bedeute das eine Steigerung des Wachstums um 50 Prozent, teilte das Unternehmen weiter mit.
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Bei der Einstufung von Nahrungsmitteln verlässt sich Nestlé auf das „Health-Star-Rating“, ein Rating-System für verpackte Lebensmittel, das auf eine Initiative der Regierungen von Australien und Neuseeland zurückgeht. Es hat sich inzwischen insbesondere im englischen Sprachraum etabliert. Anders als der in Deutschland gebräuchliche Nutriscore klassifiziert das Health-Star-Rating Lebensmittel nicht anhand von Ampelfarben, sondern mit einer Skala von eins bis fünf, wobei hohe Werte für einen besseren Nährwert stehen.
Das Rating berücksichtigt unter anderem Kalorien, Zucker- und Proteingehalt sowie Faktoren wie Fruchtanteil oder gesättigte Fettsäuren. Nestlé sieht ein Health-Star-Rating von 3,5 oder mehr als nahrhaft an und will das Geschäft mit diesen Lebensmitteln ausbauen. Heute stehen Lebensmittel mit einem Health-Star-Rating von 3,5 oder mehr für 37 Prozent des Gesamtumsatzes ohne Tiernahrung in Höhe von 73,1 Milliarden Franken. Weitere 20 Prozent setzt Nestlé mit Spezialnahrung um, etwa für den Gesundheitssektor. Auch in diesem Geschäft will Nestlé weiter wachsen.
Was dem Nahrungsmittelriesen das Leben erleichtert: Das Kaffee-Geschäft mit den Marken Nespresso, Starbucks und Nescafé ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Schwarzer Kaffee zählt zu der Produktkategorie mit einem Rating über 3,5. Auch viele Milchprodukte des Konzerns schneiden darin gut ab. Die Luxus-Wassermarken Perrier oder San Pellegrino erhalten – wie jedes Wasser – den bestmöglichen Wert fünf.
Nestlé-Chef Schneider baut das Markenportfolio um
Zudem hat Unternehmenschef Schneider das Markenportfolio bereits deutlich umgebaut. Er hat Milliarden in die Sparte Nestlé Health Science investiert und Marken für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel zugekauft. Auch die Marke für pflanzliche Fleischersatzprodukte, Garden Gourmet, ist zuletzt stark gewachsen.
Nachholbedarf gibt es bei Fertiggerichten, Konfekt oder Keksen. Auch bei Nestlé ist jedem Mitarbeiter klar, dass Cailler-Schokolade niemals ein gutes Nährwert-Rating erhält. Der Schweizer Konzern will jedoch mehr Informationen für Verbraucher bereitstellen, wie Genussmittel zu einer ausgewogenen Diät passen könnten. Bei Fertiggerichten und Trinkschokolade forscht der Konzern zudem, welche Zutaten ausgetauscht werden können, um die Nährwerte zu verbessern, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen.
Bei Produkten, die sich nur schwer verbessern lassen und die nicht mehr so richtig zur Gesundheitsstrategie unter CEO Schneider passen, setzt der Konzern zudem auf Gemeinschaftsunternehmen – er lagert also aus. Im April hat Nestlé sein europäisches Geschäft mit Tiefkühlpizza, zu der auch die Marke Wagner gehört, in ein Joint Venture mit einem Private-Equity-Investor eingebracht. 2019 hat der Konzern 60 Prozent seines Anteils an der Wurstmarke Herta verkauft.
Minderheitsbeteiligungen werfen zwar weiter stabile Erträge ab. Der Umsatz wird jedoch nicht mehr in der Bilanz konsolidiert, daher fallen die Marken auch in der Statistik des Gesamtumsatzes von Produkten mit einem Health-Star-Rating von 3,5 oder besser nicht mehr ins Gewicht.