Meta Quest 3 im Test: Erstmals taugt eine Meta-VR-Brille als Arbeitsgerät
Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer stellt die Meta Quest 3 auf die Probe.
Foto: Scheuer StephanMenlo Park. Meta-Chef Mark Zuckerberg investiert seit Jahren Milliardensummen in die Entwicklung von Digitalbrillen. Mit der Quest 3 kommt am 10. Oktober das neueste Gerät in Deutschland auf den Markt. Es soll der Eintritt in die virtuelle Welt des Facebook-Konzerns sein und vor allem Firmenkunden überzeugen. Zeit für einen ausgiebigen Test in der Firmenzentrale von Meta in Menlo Park.
Der Einstieg gelingt leicht: Ein Notebook und die Quest 3 reichen. Wer die Brille trägt, kann die äußere Umgebung immer noch gut wahrnehmen. Denn Meta hat zwei Kameras und einen Tiefensensor an der Front angebracht, mit denen die Außenwelt erfasst wird. Ich sehe den Holztisch vor mir, die Terrasse des Bürogebäudes. Das Bild ist scharf genug, dass ich die Menschen neben mir gut erkennen kann.
Die Quest 3 erkennt meine Bewegungen genau. Ich greife nach der Tischplatte. Genau als meine Hand die Holzoberfläche berührt, spiegelt das Display den Kontakt genau wider. Das klingt banal, war bisher aber immer eine Schwäche der Datenbrillen. Durch die zeitliche Verzögerung griff man meist ins Leere. Auch die Sonnenbrille auf dem Tisch vor mir greife ich dagegen ohne Probleme.
Um die Quest 3 als Arbeitsgerät zu verwenden und auch bei der Arbeit zu tragen, ist das ein immens wichtiges Feature. Auf dem Notebook vor mir kann ich die Tastatur problemlos erkennen. Nach einem kurzen Scan der Umgebung kann ich drei große virtuelle Monitore vor mir auf dem Tisch platzieren. Sie spiegeln, was auf dem Display des Notebooks zu sehen ist.
Mit einem Klick starte ich den Internetbrowser, tippe in das Adressfeld und öffne die Internetseite des Handelsblatts. Das funktioniert alles so reibungslos, als wären die drei Displays vor mir real. Ich wähle Artikel aus und beginne zu lesen.
Hier hat die Quest 3 große Fortschritte im Vergleich zu den Vorgängermodellen gemacht. Mit der Quest Pro hatte Zuckerberg bereits gehofft, die Geschäftskunden zu überzeugen. Doch das Gerät, das mit 1700 Euro deutlich teurer war als die Quest 3, enttäuschte mich damals in einem Praxistest. Die Auflösung war für mich einfach zu schlecht, um kleine Schrift auf den virtuellen Bildschirmen komfortabel lesen zu können.
Günstiger und leistungsfähiger als die Meta Quest Pro
Das ist bei der Quest 3 völlig anders. Der Einstiegspreis liegt mit 550 Euro bei rund einem Drittel des Preises, den Meta anfangs für die Quest Pro haben wollte. Trotz des geringeren Preises wirkt die Brille technologisch jedoch weit überlegen. Mehr noch: Ich habe zum ersten Mal den Eindruck, dass Meta den qualitativen Sprung zu einem nutzbaren Arbeitsgerät geschafft hat.
Seit mehr als zehn Jahren teste ich VR-Brillen. Während meiner Zeit als Korrespondent in China konnte ich die neuesten Prototypen bei den Hardware-Herstellern in Fernost ausprobieren. Denn eigentlich lassen alle Firmen dort fertigen, egal ob sie ihren Hauptsitz in den USA oder Europa haben. Schon vor zehn Jahren hatte ich viele dieser Brillen auf.
Sie waren aber viel zu klobig und die Auflösung zu schlecht, um sie dauerhaft und professionell einzusetzen. Trotz zahlreicher neuer Generationen hat sich daran in den vergangenen zehn Jahren kaum etwas geändert. Das galt auch für die Modelle des Meta-Konzerns.
Meta will mit dem Horizon Workroom auch virtuelle Meetings möglich machen.
Foto: MetaMit der Quest 3 ist Meta nun ein Durchbruch gelungen. Sie ist in etlichen Kernfunktionen der Quest Pro überlegen. Die Auflösung der Displays für jedes Auge liegt bei 2064 mal 2208 Pixeln. Zum Vergleich: Die Quest Pro kommt auf 1800 mal 1920 Pixel. Zudem liegt die Bildwiederholungsrate bei der Quest 3 bei 120 Hertz, die der Quest Pro jedoch nur bei 90 Hertz.
Zum ersten Mal setzt Meta in der Brille auch auf den Snapdragon-XR2-Gen-2-Prozessor. Die Grafikleistung soll damit doppelt so hoch ausfallen wie beim Vorgängermodell. Die Quest 3 hat im Gegensatz zur Quest Pro mit acht Gigabyte etwas weniger Arbeitsspeicher und keine Gesichtserkennung. Das ist aus meiner Sicht derzeit für einen Geschäftseinsatz jedoch zu vernachlässigen.
Meta Quest 3 im Test: Kleiner Akku, unkomfortabler Sitz
Die größten Probleme des Geräts liegen aus meiner Sicht in der Akkulaufzeit und im Tragekomfort. Rund ein halbes Kilo wiegt die Brille immer noch. Meta gibt die Laufzeit für die Quest 3 mit eineinhalb bis drei Stunden an. Ein Meta-Techniker verriet mir, dass die Arbeit an den hellen, virtuellen Arbeitsplätzen viel Strom verbrauchen kann. Realistisch seien daher für eine Büronutzung eher zwei Stunden.
Für mich persönlich ist die Brille zudem schlicht nicht bequem genug, um über Stunden damit zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit schwitze ich unter der Brille, auf meinem Gesicht sind deutliche Druckstellen sichtbar. Natürlich lässt sich die Brille im Dauereinsatz noch besser an die eigene Kopfform anpassen. Ich gehe jedoch davon aus, dass ich auch dann Probleme bei einer Dauernutzung bekommen würde.
Der wichtigste Wettbewerber für die neue Brille von Meta-Chef Mark Zuckerberg dürfte vom Rivalen Apple kommen, der nur wenige Kilometer von Menlo Park entfernt seine Firmenzentrale hat. Im Juni hatte Apple-CEO Tim Cook die erste Datenbrille des Unternehmens vorgestellt. Sie soll im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen und in den USA 3500 Dollar kosten – einen Preis für Deutschland hat Apple noch nicht mitgeteilt.
Von den bislang veröffentlichten Spezifikationen dürfte die Apple-Brille eine noch deutlich bessere Akkulaufzeit als die Quest 3 haben. Und sie soll das Erleben dreidimensionaler Welten möglich machen, was die Quest 3 auch noch nicht leistet.
Bislang hat Apple das Gerät jedoch kaum für den Einsatz als Arbeitswerkzeug positioniert, sondern eher als Unterhaltungsgerät für das Schauen von Filmen oder das Ausprobieren von Computerspielen. Ob das „Vision Pro“ genannte Gerät daher ein Wettbewerber für die Quest 3 als Arbeitsgerät wird, hängt auch stark davon ab, welche Anwendungen es geben wird. Ich werde die Brille jedenfalls auch ausführlich testen.
Erstpublikation: 30.09.2023, 10:41 Uhr.