Schweizer Privatbank: Doppelspitze für Vontobel
Teilen sich ab 2024 den CEO-Posten bei Vontobel: Georg Schubiger und Christel Rendu de Lint.
Foto: VontobelZürich. Die Schweizer Bank Vontobel wird künftig von einer Doppelspitze geführt: Das Geldhaus hat Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger zu Co-CEOs ernannt, wie Vontobel am Dienstag mitteilte. Die bisherige Chef-Anlagestrategin und der Chef der privaten Vermögensverwaltung sollen Vontobel ab Januar gemeinsam führen.
Der amtierende Chef Zeno Staub hatte im Mai angekündigt, nach zwölf Jahren an der Spitze der Bank in die Politik wechseln zu wollen. Staub kandidiert bei den Ende Oktober anstehenden Wahlen für die christdemokratische Partei „Die Mitte“ für einen Sitz im Schweizer Parlament.
In der Schweizer Bankenlandschaft ist eine Doppelspitze, zumal mit weiblicher Beteiligung, ein Novum. Andreas Utermann, Verwaltungsratspräsident von Vontobel, sagte laut Mitteilung über das Führungsduo: „Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger haben in den vergangenen Jahren an wichtigen Stellen an der Umsetzung der Strategie mitgewirkt.“
Eine lange Einarbeitung habe keiner von ihnen nötig: „Sie kennen unsere Kunden sowie deren Erwartungen und die Mitarbeitenden aus der täglichen Arbeit.“
Rendu de Lint kam 2021 von der Konkurrentin Union Bancaire Privée (UBP) zu Vontobel. Dort baute sie das Angebot der Privatbank für Anleiheinvestments aus und steigerte die verwalteten Vermögen in 13 Jahren von einer auf 20 Milliarden Franken. Zuvor war sie Portfoliomanagerin bei der Genfer Privatbank Pictet.
Vorstand des Geschäfts mit Profikunden tritt zurück
Ihre Expertise bei festverzinslichen Wertpapieren dürfte auch als Vontobel-Co-Chefin weiter gefragt bleiben. Sie wird ebenso in Zukunft die Anlagestrategien der Bank verantworten. Vontobel hat sich besonders im Geschäft mit professionellen Kunden wie Pensionskassen oder Family-Offices auf das aktive Management von Anleiheportfolios spezialisiert.
Ihr Kollege Schubiger wird auch weiterhin das Private Banking leiten. Der Banker ist bereits seit elf Jahren Leiter der Vermögensverwaltung von Vontobel. Zuvor hatte er verschiedene Führungspositionen bei der Danske Bank inne. Sowohl Rendu de Lint als auch Schubiger galten im Vorfeld als die aussichtsreichsten Kandidaten für eine interne Nachfolge von Staub.
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Marko Röder, Leiter des Geschäfts mit professionellen Kunden (Asset-Management) geht im Rennen um die CEO-Nachfolge leer aus. Er verlässt das Unternehmen im kommenden Jahr, „aus persönlichen Gründen“, wie Vontobel weiter mitteilt.
Der scheidende CEO Staub sagte, er wolle der neuen Spitze noch bis zum nächsten Aktionärstreffen von Vontobel im April 2024 zur Verfügung stehen, um einen geordneten Übergang zu gewährleisten. Gut möglich, dass Staub als Politiker künftig jene Regeln mitgestalten kann, nach denen sich seine Nachfolger bei Vontobel richten müssen.
So sprach sich Staub am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion seiner Partei „Die Mitte“ für eine mächtigere Finanzaufsicht aus. „Die Finma muss in der Lage sein, den Banken auf Augenhöhe zu begegnen.“
Auch für härtere Anforderungen bei der Eigenkapitalausstattung für Banken zeigte er sich offen, auch wenn dies zu höheren Kosten für Kredite und Hypotheken führe.