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KISoftbank-Chef Son glaubt an künstliche Superintelligenz

Der weltgrößte Tech-Investor wettet auf die rasche Entwicklung von allgemeiner Künstlicher Intelligenz. Softbank soll dabei eine führende Rolle einnehmen.Martin Kölling 06.10.2023 - 10:39 Uhr Artikel anhören

Masayoshi Son, der weltgrößte Tech-Investor, beginnt seinen ersten öffentlichen Auftritt mit einem flammenden Plädoyer für eine schnelle Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz, die Menschen bei weitem übertrifft. 

Foto: Bloomberg

Tokio. Nach hohen Verlusten hatte sich der weltgrößte Tech-Investor vor einem Jahr erst mal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt meldet sich Softbank-Chef Masayoshi Son zurück. Am Mittwoch trat er auf der Technologiemesse Softbank World erstmals wieder auf – und zwar mit einem flammenden Manifest für einen schnellen Erfolg der Künstlichen Intelligenz (KI).

Genauer gesagt ging es Son um die sogenannte allgemeine künstliche Intelligenz (AGI), die bislang als der heilige Gral des gehypten Fachgebiets gilt. AGI bezeichnet dabei eine Maschinenintelligenz, die die geistigen Fähigkeiten jedes Menschen weit übertrifft. 

„Ich glaube, dass AGI in den nächsten zehn Jahren Realität wird“, sagt Son nun. Und er hat eine hohe Messlatte. In den Augen des Softbank-Chefs ist AGI mindestens zehnmal so intelligent wie die Summe aller Menschen. In 20 Jahren erwartet er eine künstliche Superintelligenz, die die kollektive menschliche Weisheit um das 10.000-Fache übertrifft.

Son sucht wieder nach Investitionen

Die Botschaft des Auftritts ist klar: Son meldet sich nach mehr als einem Jahr in der Defensive als Investor und Macher zurück. Seit 2017 hat er über seine beiden Softbank Vision Funds weit über 100 Milliarden Dollar in Mega-Start-ups investiert, die auf die eine oder andere Weise Künstliche Intelligenz nutzen. Doch der Crash der Technologieaktien im vergangenen Jahr hat Softbank enorme Verluste beschert.

Son stellte daraufhin neue Investitionen weitgehend ein und konzentrierte sich auf den Börsengang seiner derzeit wichtigsten Beteiligung: des britischen Chipdesigners Arm. Das Unternehmen entwirft vor allem Chips für Smartphones und expandiert nun auch in den Bereich Computer und Künstliche Intelligenz. Prominentester Kunde für die Computerchips ist derzeit Apple.

Im September fand der Börsengang statt. Mit dem direkten Erlös von rund fünf Milliarden Dollar scheint Son wieder bereit, sich aktiv am Boom neuer generativer KI wie ChatGPT von Microsofts Investment OpenAI oder Googles Bard zu beteiligen.

Softbank gilt als möglicher Investor für ein neues KI-Projekt von OpenAI und dem früheren Apple-Chefdesigner Jony Ive.

Foto: Bloomberg

Die „Financial Times“ berichtete in der vergangenen Woche, dass Son eine Milliarde Dollar in ein mögliches Projekt von OpenAI und dem ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive investieren könnte. Dabei soll es um die Entwicklung eines KI-Smartphones gehen. Noch schweigt Son dazu. Doch von seinem Elan hat die inzwischen 66-jährige japanische Unternehmer- und Investorenlegende in einem Jahr jenseits der großen Bühnen nichts verloren.

„Wach auf, Japan“, rief er seinen Landsleuten von der Bühne in einem Tokioter Hotel zu. Das Internet habe bisher nur einen Teil der Weltwirtschaft grundlegend umgekrempelt, etwa durch Onlinewerbung und -handel. Künstliche Intelligenz werde alle Bereiche der Wirtschaft verändern.

„Menschen und Unternehmen, die sich jetzt ernsthaft mit KI beschäftigen, werden in zehn Jahren weltweit führend sein“, prophezeit er. Der Rest werde abgehängt. Dabei fürchtet er, dass Japan zu diesem Rest gehören wird. 

In den USA würden 51 Prozent der Unternehmen ChatGPT & Co. nutzen, in Japan nur sieben Prozent. 72 Prozent der Unternehmen verbieten sogar die Nutzung oder wollen sie verbieten. „Das ist vielleicht das größte Problem, das japanische Unternehmen haben.“

Son: „Ich benutze ChatGPT, um zu debattieren“

Ihn selbst und seinen Konzern sieht er hingegen auf der Gewinnerseite. „Ich möchte, dass die Softbank Group das Unternehmen wird, das KI am meisten in der Geschäftswelt einsetzt.“ Er und Softbank nutzen ChatGPT bereits für Arbeit und Innovation.

Die Apps seien nicht dazu da, um nach Informationen zu suchen, erklärt Son, der mit OpenAI-Gründer Sam Altman befreundet ist und sich häufig mit ihm austauscht. „Ich benutze ChatGPT, um zu debattieren.“ Überspitzt formuliert hat er mithilfe der App seinen virtuellen Vorstand entwickelt.

Zum einen diskutiert Son Themen direkt mit ChatGPT 4, dem aktuellen Modell. Zum anderen hat er verschiedene virtuelle Charaktere erstellt, die nun mit ihm oder auch nur untereinander Themen kontrovers beleuchten. Er sei der Richter, sagt Son, und könne sich so schnell eine Meinung bilden. Das sei billiger als eine Vorstandsriege, scherzt er.

Probleme wie frei erfundene Aussagen, sogenannte Halluzinationen, die generative KI-Programme derzeit noch kennzeichnen, sind für ihn nur Kinderkrankheiten, die sich mit fortschreitender Entwicklung bessern würden. Und auch mit ihnen setzt er KI inzwischen im großen Stil bei Softbank ein.

Softbank-Chef sieht „AGI als Partner“

Ausweise wurden bereits durch Gesichtserkennung ersetzt, App-Bewertungen beschleunigt, beides mit drastischen Einsparungen von über 90 Prozent. Mit einem Innovationswettbewerb, dotiert mit einem Hauptpreis von 60.000 Euro und Tausenden kleinerer Preise, ermutigt er zudem die Mitarbeiter, KI aktiv zu nutzen. 

Son prognostiziert große Veränderungen für Gesellschaften, Unternehmen und Menschen. Auch er sieht dabei Gefahren und plädiert für staatliche Regeln, um KI zu lenken. Der prominente KI-Sicherheitsforscher Eliezer Yudkowsky etwa warnt seit Langem, dass die Entwicklung einer „übermenschlich intelligenten KI“ zur Auslöschung der Menschheit führen werde.

Son aber beschwört eine positive Zukunft mit einer „AGI als Partner“. „Die menschliche Gesellschaft wird eine glücklichere Gesellschaft sein“, sagt Son, mit weniger Problemen, mehr Lächeln, längerem Leben, ohne Hunger, unnötige Kämpfe und Umweltzerstörung. „Wir arbeiten an dieser Technologie, um die Menschen glücklicher zu machen.“

Wie genau diese neue Traumwelt aussehen soll, kann auch Son nicht sagen. Von Freiheit und freier Entscheidung sprach er allerdings nicht. Auf der Konferenz wurden aber auch die großen Hürden der Entwicklung angesprochen. 

Größte Hürde für AGI ist der Stromverbrauch

Junichi Miyakawa, Chef des japanischen Mobilfunkkonzerns Softbank, ist für die Erdung von Sons Vision zuständig. Was müssen wir für das Zeitalter der Koexistenz mit AGI vorbereiten? Seine erste Antwort: „Wir müssen herausfinden, wie wir genügend Strom zur Verfügung stellen können.“

Er zitiert zwei Statistiken über die benötigten „Floating Point Operations per Second“, kurz Flops, mit denen die Rechenleistung von Supercomputern gemessen wird. Bisherige Prognosen gingen davon aus, dass der Rechenbedarf in Japan zwischen 2020 und 2040 von sechs auf 989 Exaflops steigen werde. Sollte AGI bald kommen, würde der Bedarf bereits bis 2030 auf 1600 Exaflops oder 1,6 Zettaflops steigen. Zetta ist 10 hoch 21, also eine Eins mit 21 Nullen.

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Ohne Verbesserungen der Energieeffizienz würde dies bedeuten, dass nicht mehr 2,2 große Kohlekraftwerke nötig wären, um die benötigten Rechenkapazitäten bereitzustellen, sondern 580, in Japan allein. Das sei unrealistisch, sagt Miyakawa. Datenzentren müssten daher drastisch stromsparender und von den Zentren in die Regionen verteilt werden. Ansonsten könnten Datenbankbetreiber wie Softbank „Stromausfälle in Tokio auslösen“.

Erstpublikation: 04.10.2023, 15:26 Uhr.

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