Geldpolitik: Fed-Vize: US-Notenbank kann bei Zinspolitik vorsichtig vorgehen
Philip Jefferson: „Wir befinden uns in einer sensiblen Phase des Risikomanagements.“
Foto: ReutersDallas. Aus der Führungsetage der US-Notenbank Federal Reserve mehren sich die Signale für ein behutsames Vortasten beim weiteren Zinskurs. Der Vizechef der Zentralbank, Philip Jefferson, sagte am Montag, die Fed könne mit Blick auf die Frage, inwieweit weitere Straffungsschritte erforderlich seien, „vorsichtig vorgehen“.
Er verwies auf einem Kongress der National Association for Business Economics zugleich auf den jüngsten Anstieg bei langlaufenden US-Anleihen, die sich zu einem heiklen Zeitpunkt der geldpolitischen Steuerung ergeben hätten.
„Wir befinden uns in einer sensiblen Phase des Risikomanagements, in der wir die Gefahr einer unzureichenden Straffung gegen das Risiko einer zu restriktiven Geldpolitik abwägen müssen“, sagte Jefferson. Die Inflation sei zwar nach wie vor zu hoch. Und Faktoren wie die noch immer robuste Wirtschaft und der starke Arbeitsmarkt sowie mögliche Energiepreisspitzen könnten die Inflation wieder in die Höhe treiben.
Doch habe das Risikomanagement auf der jüngsten Zinssitzung dafür gesprochen, den Leitzins konstant zu halten. „Ich werde mir der Verschärfung der finanziellen Bedingungen durch höhere Anleiherenditen bewusst sein und dies im Hinterkopf behalten, wenn ich den künftigen Kurs der Politik einschätze“, sagte Jefferson.
Auch die Chefin des Fed-Bezirks San Francisco, Mary Daly, hatte jüngst ähnliche Töne angeschlagen. Angesichts der restriktiven Geldpolitik, der großen Fortschritte auf dem Weg zu einer Inflationsrate von zwei Prozent und des jüngsten Anstiegs der Renditen von US-Staatsanleihen sei eine Zinspause möglich. Mit dem jüngsten Anstieg der langfristigen Zinssätze sei die Notwendigkeit für die Fed, weitere Straffungsschritte zu unternehmen, geringer geworden, weil sich die Finanzmärkte bereits in diese Richtung bewegten.
Nach teils aggressiven Zinsschritten nach oben beließ die Fed den Leitzins jüngst in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Sie will den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen, ohne den Wirtschaftsmotor abzuwürgen.
Jefferson sagte, er könne noch nicht sagen, ob nächstes Jahr Zinssenkungen nötig würden. Die Fed mache ihr Handeln von den Wirtschaftsdaten abhängig. Daher müsse man zunächst abwarten, wie sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiter entwickelten.