US-Notenbank: Chancen für Kevin Hassett auf Fed-Chef-Posten sinken
New York. Seit Wochen wird über die Nachfolge von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) spekuliert. Seine Amtszeit endet im kommenden Mai. Lange Zeit galt das Rennen als Zweikampf zwischen Kevin Hassett, dem Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, und dem ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Doch neue Äußerungen von US-Präsident Donald Trump könnten die Dynamik nun Richtung Warsh verschoben haben.
Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus signalisierte Trump, dass er Hassett lieber in seiner aktuellen Rolle behalten wolle. „Ich sehe Kevin im Publikum und möchte ihm einfach nur danken. Du warst heute im Fernsehen fantastisch. Ich möchte dich eigentlich dort behalten, wo du bist, wenn du die Wahrheit wissen willst“, sagte Trump. Und weiter: „Kevin Hassett ist so gut.“ Es wäre ein „ernstes Problem“ für Trump, ihn zu verlieren.
Wettmärkte preisen Kevin Warsh als neuen Fed-Chef ein
In einem Interview diese Woche mit der Nachrichtenagentur Reuters hatte Trump angedeutet, dass er geneigt sei, entweder Hassett oder den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh zu nominieren. „Die beiden Kevins sind sehr gut“, sagte Trump. „Es gibt auch noch andere gute Leute, aber ich werde in den nächsten Wochen etwas ankündigen.“
Trumps Aussagen vom Freitag wecken Zweifel an einer Nominierung Hassetts. An den Wettmärkten hat sich die Stimmung ebenfalls gedreht: Die Wahrscheinlichkeit einer Nominierung Hassetts als neuer Vorsitzender der US-Notenbank ist auf 15 Prozent gesunken.
Die Wettmärkte setzen nun verstärkt auf Kevin Warsh: Seine Ernennung wird aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent bei der Plattform Polymarket eingepreist. Warsh, der bereits von 2006 bis 2011 dem Gouverneursrat der Fed angehörte, galt schon 2017 als möglicher Kandidat, unterlag damals jedoch Powell. Warsh steht im Gegensatz zu Hassett tendenziell für eine restriktivere Geldpolitik.
Auch der Dollarkurs reagierte und legte nach Trumps Worten zu. Die Aussicht auf höhere Zinsen macht die Währung traditionell stärker. Hassett galt als jemand, der sich stärker für Zinssenkungen einsetzen würde.
Ermittlungen gegen Powell
Die Personaldebatte um den neuen Fed-Chef findet vor dem Hintergrund von Ermittlungen gegen Powell statt. Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in Washington gegen Powell ermittelt. Dabei geht es um die kostspielige Renovierung zweier Notenbank-Gebäude. Kritiker der Ermittlungen sehen in diesen aber einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve – mit dem Ziel, Trumps Zinssenkungen durchzusetzen.
Der Vorsitzende der Federal Reserve wird vom Präsidenten vorgeschlagen und muss vom Senat bestätigt werden. Das könnte sich jedoch schwierig gestalten. Die aktuellen Ermittlungen gegen Powell sorgten auch unter den Republikanern im Senat für Kritik.
Hassett, dessen Chancen als Fed-Chef nun gesunken sind, sagte am Freitag in einem Interview mit dem US-Sender Fox News: „Jay (Jerome Powell, Anm. d. Red.) ist ein guter Mann – ich gehe davon aus, dass hier nichts zu beanstanden ist und dass die Kostenüberschreitungen, wie er sagt, mit Dingen wie Asbest zusammenhängen. Aber ich hätte mir gewünscht, dass sie transparenter gewesen wären.“
Mit Informationen von Reuters.
