Pharmakonzern: Milliarden-Zukauf – Roche hofft auf neuen Umsatzbringer
Roche zahlt laut Vereinbarung einen Kaufpreis von 7,1 Milliarden US-Dollar für Telavant.
Foto: dpaZürich. Der Pharmakonzern Roche investiert mit einem Milliarden-Deal in das Geschäft mit Medikamenten gegen entzündliche Darmerkrankungen. Das Schweizer Unternehmen kauft für mehr als sieben Milliarden Dollar ein experimentelles Mittel der US-Biotechfirma Roivant. Dabei übernimmt Roche die Telavant Holdings von Roivant und dem US-Pharmakonzern Pfizer.
Für Roche-Chef Thomas Schinecker ist es der erste Multimilliardendeal seit seinem Amtsantritt im März. Nach Rückschlägen mit Medikamentenkandidaten in den Bereichen Alzheimer und Krebsimmuntherapie im vergangenen Jahr hat er das Ziel ausgegeben, stärker in bereits weit entwickelte Therapien zu investieren, um die Risiken für den Konzern zu begrenzen.
So schreibt Vontobel-Analyst Stefan Schneider, die Telavant-Übernahme sei ein Zeichen, „dass Roche sein Wachstum über das Jahr 2025 hinaus stützen will, indem das Unternehmen Assets in späten Entwicklungsphasen übernimmt“.
Thomas Schinecker leitet den Schweizer Pharmariesen Roche seit März 2023.
Foto: RocheWie Roche am Montag mitteilte, handelt es sich bei dem Mittel RVT-3101 um einen neuartigen Antikörper. Die Therapie wurde dem Unternehmen zufolge für Patienten entwickelt, die an entzündlichen Darmerkrankungen leiden, darunter Morbus Crohn. Der Schweizer Pharmariese will umgehend mit einer sogenannten Phase-III-Studie für den Antikörper beginnen, die im Erfolgsfall eine Zulassung des Medikaments ermöglicht.
Roch hat sich die vollen Rechte für die weitere Entwicklung und Herstellung des Mittels und dessen Vermarktung in den USA und in Japan gesichert – vorausgesetzt, die klinischen und regulatorischen Voraussetzungen werden erfüllt.
RVT-3101 habe das Potenzial, ein sogenannter Blockbuster zu werden, schreibt Analyst Schneider weiter. Schätzungsweise litten acht Millionen Menschen weltweit an verschiedenen Formen von entzündlichen Darmerkrankungen, davon zwei Millionen in den USA, dem für Roche wichtigsten Markt.
Starker Franken und Rückgang in der Diagnostik drucken den Erlös
Zwar gebe es bereits mehrere Medikamente, die auf diese Krankheiten abzielen. Doch viele Patienten springen darauf nicht an, wie Schneider weiter erläutert. Daher bleibe der Bedarf hoch. Roche selbst hat sich nicht zum Umsatzpotenzial geäußert.
Der Pharmariese hat in der jüngeren Vergangenheit eine Reihe von Fehlschlägen bei der Entwicklung neuer Therapien erlitten. Ende 2022 musste Roche beispielsweise einräumen, dass das Alzheimer-Mittel Gantenerumab bei einer Phase-III-Studie nicht die erhoffte Wirksamkeit zeigte. Experten hatten dem Wirkstoff einen Umsatz von bis zu zehn Milliarden Dollar zugetraut. Die Entwicklung hatte viele Jahre gedauert und Milliarden verschlungen – am Ende ohne Erfolg.
Roche steht wie viele Pharmakonzerne unter Druck, Ersatz für Blockbuster-Medikamente zu finden, deren Patentschutz abgelaufen ist. So gingen etwa die Umsätze mit den einstigen Kassenschlagern Mabthera und Herceptin 2023 um je rund 300 Millionen Franken zurück, wie Roche kürzlich bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das zweite Quartal mitteilte.
Hinzu kommt, dass das Pharmageschäft die Umsatzeinbußen der durch Corona angetriebenen Diagnostiksparte nur schwer kompensieren kann. In den ersten neun Monaten des Jahres betrugen die Erlöse 44,1 Milliarden Franken, umgerechnet knapp 47 Milliarden Euro. Das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei konstanten Wechselkursen steht unter dem Strich noch ein leichtes Plus von einem Prozent.
Mit Agenturmaterial