Apple-Zulieferer: Untersuchungen bei Foxconn – ein Schachzug Pekings?
Foxconn-Gründer Terry Gou (links) hat Peking mit Aussagen im Wahlkampf verärgert.
Foto: ReutersDüsseldorf, Tokio. Die Steueruntersuchungen gegen den taiwanesischen Elektronikkonzern und Apple-Zulieferer Foxconn belasten das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen China und Taiwan. Foxconn ist mit Hunderttausenden Angestellten einer der größten Arbeitgeber in China und zudem wichtigerer Zulieferer für die Produktion von Apples iPhones und Laptops.
Die „Global Times“, eine Zeitung im Besitz der Kommunistischen Partei Chinas, hatte am Wochenende berichtet, dass die Behörden in verschiedenen Provinzen gegen den Konzern Untersuchungen angestrengt haben.
Foxconn erklärte später, das Unternehmen werde seinen rechtlichen Verpflichtungen nachkommen und mit den Behörden zusammenarbeiten. Taiwans Regierung bot dem Unternehmen am Montag Hilfe in der Auseinandersetzung mit Peking an.
Die Volksrepublik betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als abtrünnige Region und Teil seines Staatsgebietes. Der Inselstaat hingegen versteht sich als unabhängig. In den vergangenen Monaten haben die Spannungen zwischen China und Taiwan noch zugenommen.
Die Hintergründe der Untersuchungen bei Foxconn sind noch weitgehend unklar. Allerdings gehen Erklärungsversuche in zwei Richtungen, die einerseits mit der schwelenden Immobilienkrise in China zu tun haben, andererseits mit den 2024 anstehenden Präsidentschaftswahlen in Taiwan. Foxconn-Gründer Terry Gou tritt dabei als parteiloser Kandidat an.
Theorie eins: Finanzielle Hilfestellung in der schwelenden Immobilienkrise
Die Provinzregierungen in China kämpfen derzeit mit nachlassenden Einnahmen, weil der Immobilienmarkt eingebrochen ist und Regionalregierungen jahrelang mit dem Verkauf von Grundstücken ihre Investitionen ins Straßen- und Schienennetz und in Dienstleistungen bezahlt haben.
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Die größten Unternehmen der chinesischen Immobilienbranche, Evergrande und Country Garden, konnten zuletzt ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Nach Ansicht von Experten kann die Immobilienkrise noch Jahre dauern. Steuerermittlungen bei anderen Firmen und womöglich nachfolgende Strafzahlungen könnten der chinesischen Politik helfen, finanzielle Engpässe zu überbrücken.
Die Zentralregierung in Peking bemüht sich derzeit, das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik zu stärken und vor allem die Konsumlaune der Chinesinnen und Chinesen zu stimulieren, die oftmals ihr Erspartes oder die Altersversorgung in Immobilien angelegt haben.
China will zudem seine herausgehobene Stellung für die globalen Lieferketten auch im Elektrobereich verteidigen. Unter anderem deshalb war Apple-Chef Tim Cook allein in diesem Jahr zweimal in China zu Besuch, wo er sich im Oktober zuletzt mit Industrieminister Jin Zhuanglong getroffen hat.
Theorie zwei: Eingriff in den Präsidentschaftswahlkampf Taiwans
Vor allem in Taiwan werden die Untersuchungen der chinesischen Behörden gegen Foxconn als politischer Schachzug interpretiert. Selbst von Taiwans Vizepräsident William Lai, der im Januar 2024 für die Demokratische Fortschrittspartei als Präsidentschaftskandidat und somit gegen Foxconn-Gründer Gou antritt. China solle alles unterlassen, was taiwanesische Geschäftsleute dazu zwinge, ihre politische Haltung in Wahlkampfzeiten zu erklären, sagte Lai am Sonntag.
Der Gründer des taiwanesischen Konzerns Foxconn tritt bei der anstehenden Präsidentschaftswahl an.
Foto: ReutersGou gilt zwar als der chinafreundlichste Kandidat und ist einer der größten Arbeitgeber der Volksrepublik, eckt aber in Peking zunehmend an. In Taiwan wird daher vermutet, dass er mit seiner Kandidatur auch versucht, sein Imperium politisch abzusichern.
Zum einen verlagert Foxconn auf amerikanischen Druck hin Fabriken in andere Länder, zum Beispiel nach Indien – ein Rivale Chinas. Zum anderen hat er im Wahlkampf neben Bekenntnissen zu Gesprächen mit China versprochen, dass sich Taiwan auch unter ihm bei einem Angriff gegen die Volksrepublik verteidigen werde.
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Zudem droht er durch seine Kandidatur die Abwahl der links-liberalen, Regierungspartei zu vereiteln, die Taiwan noch weiter auf Distanz zu China bringen will.
Neben Gou gibt es zwei weitere konservativ ausgerichtete Kandidaten, darunter den der wichtigsten konservativen Oppositionspartei, der Nationalpartei (KMT). Diese wird von Taiwans Linken als chinafreundlich kritisiert.
Je mehr potenzielle Kandidaten es gibt, zwischen denen konservative Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen aufteilen, desto besser stehen die Chancen für Vizepräsident Lai. In Taiwan gibt es nur einen Wahlgang und die Präsidentschaft geht an denjenigen, der die meisten Stimmen erhält.
Dies mag ein Grund dafür gewesen sein, dass Lee Cheng-hung, Präsident einer Vereinigung taiwanesischer Unternehmen in China, Anfang September Gou direkt angriff: Viele taiwanesische Geschäftsleute in China seien „enttäuscht und besorgt“ über Gous Ankündigung, sagte er, und forderte Gou auf, zur KMT zurückzukehren.
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