Morning Briefing: Erleichterung: Der US-Kongress ist wieder handlungsfähig
Erleichterung: Der US-Kongress ist wieder handlungsfähig
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
aus den USA gibt es einen Durchbruch zu vermelden. Der Republikaner Mike Johnson ist zum neuen Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses gewählt worden. Johnson ist damit die neue Nummer drei im Staat nach dem US-Präsidenten und dessen Vize. Er gilt als Hardliner und gehört zur religiösen Rechten seiner Fraktion. Der Jurist und frühere Radiomoderator aus dem Bundesstaat Louisiana zählt zu Trumps loyalen Anhängern. Er weigerte sich seinerzeit, Trumps Niederlage gegen Biden bei der Präsidentenwahl 2020 anzuerkennen.
Mit der Wahl Johnsons ist der US-Kongress nach mehr als drei Wochen des weitgehenden Stillstands wieder arbeitsfähig. Viel Zeit, um seinen Sieg zu feiern, bleibt Johnson allerdings nicht.
Bis Mitte November muss der Kongress einen neuen Haushalt verabschieden. Sonst droht ein vorübergehender Stillstand der Regierungsgeschäfte. Dann läuft nämlich ein Übergangshaushalt aus. Allerdings ohne Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine.
Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad gilt als einer der besten der Welt. Umso mehr verwunderte es, dass er die Attacke der Hamas vom 7. Oktober nicht vorhergesehen hatte. Der ehemalige Mossad-Chef Efraim Halevy sagt im Handelsblatt-Interview dazu: „Das Versagen der Geheimdienste wird nach dem Ende des Kriegs abgeklärt werden müssen.“
Efraim Halevy warnt vor den nicht kalkulierbaren Risiken einer Bodenoffensive.
Foto: picture alliance/dpaHalevy sendet eine Mahnung an Israels Regierung, ihren bisherigen Schlachtplan nicht unmittelbar umzusetzen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte nach dem brutalen Terrorangriff der Hamas eine umfassende Bodenoffensive im Gazastreifen angekündigt. „Ein Einmarsch mit einer großen Armee in das Gebiet wäre ein Fehler“, sagt Halevy. Eine solche massive Operation „haben wir noch nie durchgeführt“, es fehlten schlicht die Erfahrungen, um die Risiken einer solchen Aktion einzuschätzen.
Das Risiko: Sollte die Hamas den Angriffen widerstehen und weiterkämpfen, hätte Israel sein militärisches Ziel verfehlt – und müsse dafür einen hohen Preis zahlen. Dessen sei sich die Kriegsregierung durchaus bewusst, meint Halevy, genau deshalb zögere sie nun mit der Umsetzung ihrer Ankündigung.
Dass der Wohnungsmarkt in Deutschland mehr als angespannt ist, ist nicht neu. Doch von den Wohnungsbauunternehmen kommen derzeit keine Zeichen der Entspannung. Rolf Buch, Chef des Bochumer Konzerns Vonovia, fürchtet, dass die Mieten weiter steigen werden, selbst wenn die Inflation zurückgeht. Dafür sorge allein schon die Marktmechanik der Mietspiegel. Bei den Problemen beim Wohnungsneubau sieht Buch keine schnelle Besserung. Die Talsohle wird seiner Meinung nach erst 2025 durchschritten, „da werden wir in Deutschland wahrscheinlich deutlich unter die 200.000 neuen Wohnungen rutschen“.
Ein Neubau, führt Buch aus, sei derzeit nicht kostendeckend möglich, keine Bank finanziere das. Daran seien vor allem politische Auflagen schuld. Die Kosten für Grundstücke und Bau seien vor allem deshalb in den vergangenen Jahren von 3000 auf 5000 Euro pro Quadratmeter gestiegen.
Seine düstere Prognose: „Wenn die Lage so bleibt wie jetzt, sehe ich keine Chance, dass wir wieder mit neuen Baustellen starten.“
Wer gerne in etwas ausgefallene und doch erfolgsversprechende Geldanlagen investiert, sollte derzeit nach Osten blicken. Nach der Wahl in Polen und dem voraussichtlichen Ende der PiS-Regierung senden die polnischen Märkte starke positive Signale. Der MSCI Poland, der die Performance von großen und mittelgroßen polnischen Unternehmen abbildet, hat seit der Wahl am 15. Oktober sechs Prozent, in der Spitze sogar über elf Prozent zugelegt.
„Die alte Regierung hat sehr viel getan, was Polens Aktienmarkt für internationale Anleger unattraktiv gemacht hat. Der Wahlausgang stimmt uns daher optimistisch“, sagt Sven Streibel, Chef-Aktienstratege bei der DZ Bank. Vor allem die polnischen Banken PKO und M-Bank dürften von der neuen Regierung profitieren.
Derzeit rückt ein Thema in den Fokus, das keines mehr war: die Staatsverschuldung. Heute treffen sich die 27 EU-Regierungschefs zu einem zweitägigen Gipfel. Und werden dort sicherlich auch über die Schuldenquoten einiger Mitgliedstaaten sprechen. Denn die steigenden Leitzinsen und die dadurch deutlich höheren Renditen für Staatsanleihen machen einigen Ländern zu schaffen – vor allem Italien.
Die Schulden des Mittelmeerlandes wachsen um 2500 Euro – pro Sekunde. Das macht mittlerweile rund 2,8 Billionen Euro aus. Die hohe Verschuldung könnte zum Problem für die gesamte Eurozone werden. Die Märkte schauen in ihrer Bewertung offenbar wieder verstärkt auf die Fiskalpolitik der Länder, von denen sie Anleihen kaufen wollen. Denn die hohen Zinsen drohen, die hoch verschuldeten Länder zu erdrücken. Mit Spannung wird erwartet, wie sich EZB-Chefin Christine Lagarde heute zu Zinsen und Anleihenmarkt äußert.
Wenn Sie sich fragen, wie Sie angesichts der aktuellen geopolitischen Krisen und Herausforderungen am Finanzmarkt Ihr Depot krisenfest machen können, empfehle ich Ihnen den Text meines Kollegen Peter Köhler. Darin geben Profis aus dem Private Banking und Wealth tiefe Einblicke in ihre Strategien in Zeiten wachsender Unsicherheit.
Vermögensverwalter müssen die Portfolios ihrer reichen Kunden krisenfest machen.
Foto: E+/Getty ImagesEin Tipp: Anleihen. Denn durch die gestiegenen Zinsen haben die Anleihenrenditen angezogen. Gleichzeitig sinkt mit der Aussicht auf eine Zinspause das Risiko von Kursverlusten bei den Anleihen, die sich gegenläufig zu den Renditen bewegen. Welche Strategie sie bei Aktien empfehlen und welche Tipps sie sonst noch bereithalten, lesen Sie in unserer Analyse.
Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung von meiner Seite. Ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass sich kurz vor der Abgabe einer wichtigen Arbeit Ihr Computer verabschiedet hat und Sie alles nochmal von vorne schreiben mussten? Nun ja, so erging es mir beim Verfassen dieses Briefings. Falls Ihnen aufgefallen ist, dass ich an der einen oder anderen Stelle besonders hektisch in die Tasten gehauen habe: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein schlauer Fuchs. Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist – umso besser.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ohne computerbedingte Nervenzusammenbrüche.
Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt