Großbritannien: Britischer Premierminister Sunak warnt vor Risiken Künstlicher Intelligenz
Der britische Premierminister warnt vor den Risiken Künstlicher Intelligenz.
Foto: BloombergLondon. Wenige Tage vor dem globalen Gipfel zur Künstlichen Intelligenz (KI) in Großbritannien hat der britische Premierminister Rishi Sunak vor „existenziellen Gefahren“ der neuen Technologie gewarnt. Terrorgruppen könnten mit KI neuartige biologische oder chemische Waffen entwickeln, Kriminelle könnten die Technologie für Cyberattacken missbrauchen, „und in extremen Fällen besteht sogar die Gefahr, dass die Menschheit die Kontrolle über die KI vollständig verliert“, sagte Sunak in einer Rede in London.
Der Premier kündigte zugleich die Gründung eines „AI Safety Institute“ an, das die Risiken der neuen Technologie untersuchen und die Erkenntnisse weltweit zur Verfügung stellen soll. Zugleich werde Großbritannien rund eine Milliarde Pfund (etwa 1,15 Milliarden Euro) in die Entwicklung eines neuen Supercomputers investieren, der tausendmal schneller sei als die heutigen Heimcomputer.
Sunak hatte ursprünglich gehofft, dass sich die internationale Gemeinschaft bei dem von ihm initiierten KI-Gipfel im britischen Bletchley Park darauf einigen würde, einen globalen Rat für Künstliche Intelligenz nach dem Vorbild des Weltklimarats (IPCC) zu etablieren. Nach Informationen der Nachrichtenplattform Politico wird es dazu voraussichtlich nicht kommen. Stattdessen soll die Aufgabe unter anderem an die Vereinten Nationen (UN) übertragen werden.
Der Brite versuchte in seiner Rede, eine Balance zwischen Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz aufzuzeigen. „KI wird neues Wissen, neue Möglichkeiten für wirtschaftliches Wachstum, neue Fortschritte bei den menschlichen Fähigkeiten mit sich bringen, bislang unlösbare Probleme zu lösen“, sagte er, „aber sie bringt auch neue Gefahren und neue Ängste mit sich.“ Es sei wichtig, diesen Risiken „frontal“ zu begegnen. Ein Entwicklungsmoratorium für KI-Technologien lehnte der Premier ab.
Studie: Verwerfungen auf Arbeits- und Finanzmärkten durch KI möglich
Zugleich warnte Sunak vor einer übereilten Regulierung der neuen Technologie. „Die Antwort Großbritanniens besteht nicht darin, vorschnell zu regulieren“, betonte der konservative Politiker und fragte: „Wie können wir Gesetze schreiben, die für etwas sinnvoll sind, das wir noch nicht vollständig verstehen?“ Der Premier machte aber deutlich, dass eine Selbstregulierung der Technologiefirmen nicht ausreiche. Nur Regierungen könnten die Risiken für die nationale Sicherheit richtig einschätzen.
Die britische Regierung veröffentliche zeitgleich eine Studie, nach der ein verstärkter Einsatz Künstlicher Intelligenz zu Verwerfungen auf Arbeits- und Finanzmärkten führen könne. Das könne zu „sozialer und geopolitischer Instabilität“ beitragen. KI ist nach Meinung von Sunak allerdings kein Jobkiller, sondern sei eher ein „Co-Pilot“ für die Beschäftigten. „Alle Technologien verändern unseren Arbeitsmarkt, und ich denke, dass sie mit der Zeit unsere Wirtschaft wohlhabender und produktiver machen“, sagte der Regierungschef.
Bei dem KI-Gipfel am 1. und 2. November werden Wirtschafts- und Regierungsvertreter aus 28 Ländern erwartet. Dabei sein sollen unter anderem EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Aus Deutschland wird Digitalminister Volker Wissing nach Bletchley Park reisen. Erwartet wird auch ein Vertreter aus China, was vor dem Gipfel in Großbritannien heftig kritisiert wurde, weil Peking KI unter anderem zur Überwachung der eigenen Bevölkerung einsetzt.