Elektromobilität: Was Detroits Gegenwart über Deutschlands Zukunft verrät
Detroit probiert die Automobilrevolution – doch in der Stadt geht die Angst vor dem Scheitern des Vorhabens um.
Foto: Dpa (3), AP, Getty [M]Detroit. Ruinen gibt es in Detroit kaum noch. Stattdessen Grasland, über das der Herbstwind streift – und Radwege. „Wir versuchen aktiv, die Leute aus dem Auto zu holen. Wer in die Stadt will, soll seinen Verbrenner stehen lassen“, sagt Tim Slusser. Dann muss er lachen. „Okay, vor zehn Jahren hätte ich für den Satz Ärger bekommen.“
Slusser leitet das Zukunftsprojekt der Stadtverwaltung: die Transport Innovation Zone (TIZ). In diesem Gebiet fördert das Rathaus Elektrobusse, Robotaxis, Drohnen, Lastenräder und Parkhäuser mit Ladestationen. Intelligent und nachhaltig soll der Verkehr der Zukunft sein und vor allem: elektrisch.
Für Detroit ist der Ansatz eine Revolution. Die Region ist der wichtigste Automobilstandort der Welt, rund 150.000 Arbeiter stehen allein bei den „Big Three“ am Band: Ford, General Motors (GM) und Stellantis. Hinzu kommen Abertausende Jobs im Management und bei Zulieferern.
Die Motorenstadt Detroit war 1950 die fünftgrößte Stadt der USA. Doch nach dem Boom der Autoproduktion folgte in den 1960er- und 1970er-Jahren der Fall.
Foto: Hulton Archive/Getty ImagesDetroit war 1950 die fünftgrößte Stadt der USA. Dann kam die Krise über die Motorenstadt: „Motown“ schrumpfte von zwei Millionen auf 630.000 Einwohner, ging 2013 bankrott. Die Wende zum Besseren verspricht nun der E-Auto-Boom. Washington, die „Big Three“ und viele Zulieferer auch aus Deutschland investieren hier Milliarden von Dollar. Bürger, Arbeiterinnen und Manager hoffen auf die Elektrozukunft – und kämpfen doch mit einem nagenden Zweifel. Denn sollte der Wandel scheitern, „gehen hier die Lichter aus“, wie es ein Automanager formuliert.