Medien: Staatsanwaltschaft Berlin stellt Strafverfahren gegen Julian Reichelt ein
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren wegen möglichen Betrugs gegen den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt eingestellt.
Foto: imago images/Jörg SchülerBerlin, Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren wegen möglichen Betrugs gegen den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt eingestellt. Das bestätigte die Ermittlungsbehörde dem Handelsblatt am Montag auf Anfrage. „Sie ist damit meinem Einstellungsantrag vollumfänglich gefolgt“, sagte Reichelts Anwältin Katharina Dierlamm dem Handelsblatt.
Es sei „ein Freispruch“, erklärte Dierlamm. Die Staatsanwaltschaft habe bei ihren Ermittlungen keinen ausreichenden Tatverdacht gefunden, der eine Klageerhebung hätte begründen lassen. Der Medienkonzern Axel Springer erklärte dazu am Montag, man „respektiere die Entscheidung der Staatsanwaltschaft“.
Der „Bild“-Herausgeber hatte Reichelt im April angezeigt, weil er gegen Klauseln in seinem Aufhebungsvertrag verstoßen haben soll. Reichelt hatte darin etwa zugesagt, keine Unterlagen mitzunehmen und dienstliche Dateien zu löschen. Springer hatte ihm vorgeworfen, solche Dokumente nicht vernichtet zu haben.
Springer hatte moniert, dass Reichelt der „Berliner Zeitung“ vertrauliche Inhalte angeboten haben soll. Der Verleger der Zeitung, Holger Friedrich, hatte zuvor über ein Interview öffentlich gemacht, dass er von Reichelt kontaktiert worden sei, aber keine Informationen entgegengenommen habe. Friedrich hat sich nach eigenen Angaben an den Springer-Verlag gewandt, der daraufhin juristisch gegen Reichelt vorging.
Die Ermittlungen haben nun gezeigt, dass Reichelt von Springer in Zusammenhang mit einem anderen Rechtsstreit in den USA gebeten worden sein soll, doch keine Unterlagen zu vernichten, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dies stehe im Widerspruch zu den Angaben, die Springer bei der Staatsanwaltschaft gemacht habe. Es sei davon auszugehen, dass dem Verlag bewusst gewesen sei, dass sich die Unterlagen noch bei Reichelt befunden hätten.
Julian Reichelt sprach stets von „Schmutzkampagne“
Hintergrund des Konflikts zwischen Springer und seinem früheren Topjournalisten ist, dass Reichelt im Herbst 2021 von seinen Aufgaben als Chefredakteur von Deutschlands größter Boulevardzeitung „Bild“ entbunden wurde. Ihm wurden Machtmissbrauch, Mobbing und Fehlverhalten in Verbindung mit Beziehungen zu Mitarbeiterinnen des Hauses vorgeworfen.
Der Journalist selbst hatte von einer „Schmutzkampagne“ gesprochen und die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Im November 2022 schlossen beide Seiten einen Aufhebungsvertrag.
Springer wollte durch die Klage die Abfindung von Reichelt zurückhaben – plus eine Vertragsstrafe. Nach Handelsblatt-Informationen betrug die Abfindung rund zwei Millionen Euro brutto. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben und einer Springer-Forderung gegenüber Reichelt floss eine knappe Million Euro auf dessen Konto.
Der Medienkonzern hatte Julian Reichelt wegen Betrugs angezeigt.
Foto: ReutersDenkbar ist nun, dass sich Reichelt gegen das Vorgehen seines früheren Arbeitgebers wehrt. „Die gegen Julian Reichelt vonseiten Axel Springer erhobenen Vorwürfe waren von Beginn an völlig haltlos“, sagte seine Anwältin Dierlamm. Welche Konsequenzen sich nun ergeben würden, werde derzeit geprüft.
In dieser Angelegenheit war neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch ein arbeitsrechtlicher Streit anhängig. Bei diesem hatten sich die beiden Parteien Ende August außergerichtlich geeinigt.