Pharmakonzern: Dickes Geschäft mit Diätmitteln – Roche kauft sich wieder bei Abnehmmedikamenten ein
Roche hatte sich 2018 mit dem Verkauf von Rechten an den US-Pharmariesen Lilly aus der Abnehm-Branche zurückgezogen.
Foto: REUTERSDüsseldorf. Roche investiert kräftig in das Geschäft mit Abnehmmedikamenten: Der Schweizer Pharmakonzern zahlt 2,7 Milliarden Dollar für das kalifornische Unternehmen Carmot Therapeutics, wie Roche am Montag mitteilte. Hinzu kommen sogenannte Meilensteinzahlungen von bis zu 400 Millionen Dollar, mit denen Entwicklungsfortschritte belohnt werden. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2024 abgeschlossen werden.
Carmot Therapeutics entwickelt Wirkstoffe, die zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes eingesetzt werden können. Sie werden gespritzt oder geschluckt. Die Wirkstoffe gehören zur Gruppe der GLP-1-Analoga, die eigentlich zur Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, mittlerweile aber auch zur Behandlung von Patienten mit Übergewicht eingesetzt werden.
Die Mittel sorgen bei Patienten dafür, dass sie weniger Appetit haben und schneller ein Sättigungsgefühl spüren. Am erfolgreichsten mit den Mitteln ist bisher der dänische Konzern Novo Nordisk, sein Diabetesmittel Ozempic und das Abnehmmedikament Wegovy mit demselben Wirkstoff sorgten in den sozialen Medien für einen Hype. Rund 15 Prozent des Körpergewichts verlieren Patienten, die das Mittel einnehmen. Prominenter Fürsprecher dieser Spritzen-Diät ist etwa Tesla-Chef Elon Musk.
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Auch der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat ein GLP1-Mittel gegen Diabetes auf den Markt gebracht und kürzlich in den USA die Zulassung des Mittels für Adipositas bekommen. Die Zulassung in der EU steht noch aus. Beide Unternehmen investieren Milliarden in den Ausbau ihrer Produktionen. Da die Nachfrage so hoch ist, kommt es immer wieder zu Lieferengpässen – auch für Diabetiker. Marktanalysten gehen davon aus, dass die Nachfrage auch im kommenden Jahr noch höher sein wird als das, was die Pharmafirmen produzieren können.
Roche versucht mit dem Zukauf, in diesen Milliardenmarkt vorzustoßen. Analysten gehen davon aus, dass innerhalb eines Jahrzehnts bis zu zehn konkurrierende Adipositas-Medikamente auf den Markt kommen könnten, die für einen Jahresumsatz von zusammen bis zu 100 Milliarden Dollar sorgen könnten.
Aktie von Roche legt ordentlich zu
Die Mittel von Carmot Therapeutics, die sich Roche nun sichert, sind allerdings noch in frühen Entwicklungsphasen: Das am weitesten fortgeschrittene Produkt sei bereit für die klinische Phase-2-Studie, heißt es von dem kalifornischen Unternehmen. Es soll zur Behandlung von Fettleibigkeit bei Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes eingesetzt werden und einmal wöchentlich gespritzt werden.
Bis das Mittel tatsächlich auf den Markt kommen kann, dürfte es dabei noch dauern: Dafür muss es erst noch die Phasen 2 und 3 der klinischen Studien durchlaufen - und dann eine Marktzulassung bekommen. Die anderen Mittel, die Carmot entwickelt, sind teils in noch früheren Phasen.
Roche hatte schon einmal gute Chancen, einen Marktanteil am Adipositasmarkt zu gewinnen, und ein vielversprechendes Mittel in der Pipeline. Das hat der Schweizer Konzern allerdings 2018 an Eli Lilly verkauft und sich zwischenzeitlich aus dem Geschäft mit GLP1-Mitteln verabschiedet. Ein Marktbeobachter glaubt, dass Roche damals seine Möglichkeit verspielt hat, zum führenden Pharmaunternehmen in diesem Bereich zu werden.
Zuletzt zeigten sich Marktbeobachter enttäuscht von der schwachen Pharmapipeline von Roche. Obwohl das Unternehmen seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben im vergangenen Jahr auf umgerechnet knapp 15 Milliarden Euro erhöhte, haperte es zuletzt bei neuen Mitteln, besonders in der Krebsforschung. Den Vorstoß von Roche ins Abnehmgeschäft werteten Anleger deshalb positiv: Bis zum Mittag stieg der Aktienkurs um rund 4,5 Prozent.
Mit Agenturmaterial