Ford GT 40: Das teuerste US-Auto aller Zeiten
Das ärgerte Enzo Ferrari mehr als einmal: 1964 schickte Ford erstmals den GT 40 an den Start bei den "24 Stunden von Le Mans".
Foto: PressefotoDüsseldorf. Der internationalen Rennsport in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts kannte nur zwei Szenen: Europa mit dem Rest der Welt und die Vereinigten Staaten. In der Alten Welt, in Südamerika und Japan hatte sich längst die Formel 1 als wichtigste internationale Rennserie etabliert. Bei Langstreckenrennen blickte die Motorsportwelt geschlossen nach Le Mans. Racing in Amerika blieb eine lokale Erscheinung. Das wurmte einen der mächtigsten Männer im amerikanischen Autogeschäft.
Henry Ford II. verfolgte nicht nur die Popularität der internationalen Rennserie, die konsequent außerhalb der Vereinigten Staaten stattfand, er erkannte auch, wie sehr die erfolgreichen Marken den Absatz ihrer Serien-Modell mit sportlichen Erfolgen ankurbelte. Von diesem Image-Kuchen wollte der Massenhersteller sich eine dicke Scheibe abschneiden.
Der Ford GT40 1964 vor dem Transport nach Europa. Die "40" in der Modellbezeichnung bezogen sich auf die Höhe des Fahrzeugs in Inch. Das entspricht 1.029 Millimeter.
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Somit beschloss Henry Ford II. 1962 mit seinem Unternehmen in den internationalen Rennsport einzusteigen. Mangels geeigneter eigener Entwicklungen und mit einem gut gefüllten Konto entschied sich der Auto-Tycoon aus dem amerikanischen Dearborn für das abgekürzte Verfahren. Er wollte einfach einen europäischen Hersteller mit entsprechenden Meriten kaufen. Das mit US-Dollars gut gefüllte Ford-Konto führte Enzo Ferrari ernsthaft in Versuchung.
Auch für 1965 hatte Ford am Konzept des GT 40 nichts geändert. Der V8 thronte in Mittelmotorlage. Vor der Achse ist das Spezialgetriebe von ZF erkennbar.
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Der legendäre Commendatore interessierte sich ausschließlich für den Rennsport und verdiente eigentlich mit der Kleinserienfertigung seiner Sportwagen nie genug, um seine Passion angemessen zu finanzieren. Der gerissene Taktiker aus Modena war bereit ,seine Firma an Ford zu verkaufen. Doch unter einer Bedingung: Er durfte weiterhin über die künftige Motorsportabteilung von "Ford Ferrari" herrschen. Ford erkannte den Pferdefuss und ließ 1963 die Verhandlung platzen.
Zwei der größten Ikonen des amerikanischen Rennsports siegten 1967 in Le Mans mit dem Ford GT: Dan Gurney (links) und A.J. Foyt.
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Durch Verärgerung entsprechend motiviert, fasst Henry Ford II. den Entschluss, den bornierten Europäern mit ihren filigranen übertechnisierten Autochen und ihren Zwölfzylindermotörchen zu zeigen, was eine Harke made in USA ist. Ford wollte Ferrari vor allem in Le Mans vorführen. Seit 1960 siegten die Italiener in Frankreich in Serie. Für die Entwicklung des passenden Sportgeräts spielte Geld keine Rolle. Ford engagierte Spezialisten, die etwas von dem Job verstanden.
John Weyer verließ als Projektleiter Aston Martin und Eric Bradley kam von Lola, wo bereits Ford-V8-Motoren zum Renneinsatz gekommen waren. Das Ergebnis der intensiven Bemühungen erschien 1964 als GT 40. "GT" stand für "Grand Tourismo", die "40" für die Fahrzeughöhe in Inch, was 1 029 Millimetern entspricht.
Henry Ford II. musste 1967 seinen Besuch in Le Mans nicht bereuen. Er konnte den Sieg der US-Rennlegenden Dan Gurney und A.J. Foyt bejubeln.
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Der 4,04 Meter lange Bolide brachte 908 Kilo auf die Wage und verfügte über einen V8-Motor mit 4,7 Liter Hubraum in Mittelmotorlage aus dem Ford Mustang. Die Karosserie, deren Form auf Anhieb den Sprung unter die zeitlos schönen Klassiker schaffte, spannte sich über einen stabilen Rahmen aus Stahl. Die vor der Hinterachse verbaute Kraftübertragung lieferte der deutsche Spezialist ZF aus Friedrichshafen. Die Premiere des Ford GT 40 im Mai 1964 verlief vielversprechend.
1967 erfolgte in Le Mans noch das klassische Ritual beim Rennstart. Die Fahrer mussten die Strecke überqueren und dann in ihr Rennauto Springen und so schnell wie möglich starten. Vorne mit der Startnummer "1" ein Ford GT 40.
Foto: PressefotoDas Auto behauptete sich beim "1.000-Kilometerrennen" auf dem Nürburgring bis zum Ausfall mit technischem Defekt auf dem zweiten Platz. Der erste Auftritt in Le Mans endete einen Monat später jedoch mit einem Desaster. Alle drei Werks-GT 40 scheiterten technisch und Signore Ferrari feierte in Modena einen weiteren Sieg seiner "Scuderia".
"Macht nichts", entschieden die Amerikaner, und zeigten wahren Sportgeist, legten aber eine Schippe nach. 1966 trat die Truppe schließlich mit sieben Liter Hubraum an. Mit rund 520 PS waren auf den langen Geraden in Le Mans 320 km/h drin. Die Neuseeländer Chris Amon und Bruce McLaren sicherten so den ersten Sieg für Ford in Le Mans. Die unschlagbaren GT 40 belegten die ersten drei Plätze. Bis 1969 legten der GT 40 eine makellose Bilanz in Frankreich hin.
Kosten spielten bei Ford für den Einsatz des GT 40 in Le Mans keine Rolle. Die Rennautos reisten per Flugzeug über den Atlantik.
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Für die Plätze am Volant engagierte Ford die Creme della Creme des Rennsports. Besonders süß schmeckte der Sieg 1967, weil ihn mit Dan Gurney und A.J. Foyt die damals größten US-Ikonen des Rennsports eingefahren hatten. Neben den Rennfahrzeugen baute Ford für reiche Enthusiasten 95 Exemplare des GT 40 mit Straßenzulassung.
Elf Millionen Dollar sind noch nie zuvor in der Autogeschichte für einen amerikanischen Wagen über den Tisch gegangen. Der GT40 kann sowohl auf eine eindrucksvolle Geschichte als Rennfahrzeug wie als Filmauto zurückblicken. Der 1968 gebaute V8-Bolide rannte erfolgreich bei Langstreckenrennen im amerikanischen Daytona und bei den 24 Stunden von Le Mans mit, unter anderem mit Jacky Ickx am Steuer.
Danach kaufte die Produktionsfirma "Solar Productions" das Auto und setzte es bei den Dreharbeiten für den Spielfilm "Le Mans" mit Steve McQueen als Kamerafahrzeug ein. Der 1971 veröffentlichte Streifen gilt als authentischster Rennfilm aller Zeiten. Nicht zuletzt, weil die Bilder aus dem Auto während des originalen Rennens 1970 entstanden waren.
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Der Ford GT 40 avancierte nach seiner aktiven Zeit zu einem der begehrtesten und besten Sport- und Rennfahrzeug aller Zeiten. Dass er in seiner fast 50jährigen Geschichte weder an Faszination noch an Leistungsfähigkeit eingebüßt hat, stellte er dieser Tage bei den "Le Mans Classic" unter den Beweis.
Alle zwei Jahre trifft sich die Elite der Le-Mans-Geschichte, um mit originalen Autos, die vor 1981 entstanden sind, die guten alten Zeiten über 24 Stunden wieder aufleben zu lassen. 2012 konnten 109.000 Zuschauer einmal mehr den Sieg eines Ford GT bejubeln. Genau gesagt ein dreifachen.
Eine Forsetzung findet die Erfolgsgeschichte des GT40 im Jahr 2012: Das teuerste je verkaufte US-Auto erzielte auf der Auktion in Pebble Beach die Rekordsumme von umgerechnet neun Millionen Euro. Es ist der GT40, den Steve McQueen 1971 für seinen Rennfilm "Le Mans" als Kamera-Auto einsetzte. Elf Millionen Dollar sind noch nie zuvor in der Autogeschichte für einen amerikanischen Wagen über den Tisch gegangen.
Der 1968 gebaute V8-Bolide rannte erfolgreich bei Langstreckenrennen im amerikanischen Daytona und bei den 24 Stunden von Le Mans mit, unter anderem mit Jacky Ickx am Steuer. Danach kaufte die Produktionsfirma "Solar Productions" das Auto und setzte es bei den Dreharbeiten für den Spielfilm "Le Mans" mit Steve McQueen als Kamerafahrzeug ein. Der 1971 veröffentlichte Streifen gilt als authentischster Rennfilm aller Zeiten. Nicht zuletzt, weil die Bilder aus dem Auto während des originalen Rennens 1970 entstanden waren.