Lehman-Insolvenzverwalter: Plötzlich Millionär
Michael Frege: „Ich halte stets zum Underdog.“
Foto: dpaFrankfurt, Düsseldorf. Sein Bruder „Campino“ wurde bekannt, indem er als Sänger der Punk-Band „Die Toten Hosen“ gegen das Establishment und die Oberschicht aufbegehrte. Michael Frege dagegen sieht sich nun dem Vorwurf der Geldmacherei ausgesetzt. Der Grund: Frege ist Insolvenzverwalter der deutschen Lehman-Bank. Die Insolvenzmasse beträgt gut 15 Milliarden Euro, und das könnte laut Honorarregeln für Insolvenzverwalter ein Salär von 800 Millionen Euro bedeuten.
Das geht aus einem Gutachten hervor, das Frege in Auftrag gegeben hat. Mit der Veröffentlichung ist Freges Kanzlei CMS Hasche Sigle nach eigenen Angaben US-Hedge-Fonds zuvorgekommen, die versucht haben sollen, über die Honorarfrage Druck auf den Insolvenzverwalter auszuüben.
„Es wurde versucht, Herrn Frege als unabhängigen Insolvenzverwalter unter Druck zu setzen, damit er vom Grundsatz der Gleichbehandlung sämtlicher Gläubiger abweicht“, sagte gestern der CMS-Managing-Partner Hubertus Kolster.
Als Raffke ist der Anwalt bisher nie aufgefallen. Im Gegenteil. Nicht nur sein Bruder „Campino“, unter bürgerlichem Namen Andreas Frege, sagte einmal über ihn: „Er glaubt sehr an Gerechtigkeit.“ Auch Weggefährten beschreiben Frege als Insolvenzverwalter, der mehr am Wohl von Mitarbeitern und Gläubigern interessiert sei, denn am eigenen Salär. Frege selbst beschrieb sich im Handelsblatt mal so: „Ich halte stets zum Underdog.“
Der CMS-Hasche-Sigle-Partner hat inzwischen mehr als 20 Jahre Erfahrung als Insolvenzverwalter. Frege versuchte schon, Schweinemäster zu retten oder Aluminiumhütten. Sein bislang bedeutendster Fall war 2005 die Beteiligungsgesellschaft WCM mit 900 Millionen Euro Umsatz. Lehman stellt nun aber alles in den Schatten.
Frege hat die Verwaltung der Pleite-Bank im Jahr 2008 übernommen. Bislang habe die Großkanzlei einen Aufwand im Wert von mehr als 210 Millionen Euro gehabt. Dabei sei ein Stundensatz von 300 Euro zugrunde gelegt worden, sagte Kolster. Das Amtsgericht Frankfurt habe bislang 70 Millionen Euro an Abschlägen genehmigt. Das Geld stehe zunächst der Sozietät zu.
Welcher Anteil letztlich dem persönlich haftenden Insolvenzverwalter Frege zufließt, wollte Kolster nicht beziffern. Natürlich sei eine Erfolgskomponente inbegriffen. Das Entgelt wird am Schluss des Insolvenzverfahrens vom Amtsgericht Frankfurt festgelegt.
„Uns geht es nicht darum, Maximalforderungen durchzusetzen“, sagte Kolster. Und: „Wir sind an die Gleichbehandlung der Gläubiger gebunden.“ Frege selbst wollte sich gestern nicht äußern.