Vermögenverwalter: Großanleger ziehen Geld von Blackrock ab
Blackrock-Kunden haben im abgelaufenen Quartal 24,76 Milliarden Dollar aus aktiv verwalteten Fonds abgezogen.
Foto: ReutersFrankfurt. Analysten fanden Gründe für den Rückzug der Blackrock-Aktionäre. Fachmann Kyle Sanders vom Finanzdienstleister Edward Jones hielt die präsentierten positiven Gewinnzahlen für überzeichnet, da sie einige Einmaleffekte enthielten. Darunter fallen ihm zufolge die Vorteile aus der US-Unternehmensteuersenkung, die Auswirkungen der Aktienrückkäufe sowie eine einzelne Erfolgsbeteiligung eines eigenen Hedgefonds.
Ohnehin ging es den Anlegern um mehr als nur die reinen Gewinnzahlen: Insgesamt legten die Investoren netto zwar knapp elf Milliarden Dollar an frischem Geld in Blackrock-Produkten an. Doch die wichtige Kundengruppe der institutionellen Großinvestoren zog netto knapp 25 Milliarden Dollar ab. Mit den Zahlen sei er „nicht besonders glücklich“, sagte Blackrock-Chef Larry Fink. „Die Anleger gehen aus dem Risiko, weil die Geldpolitik (in den USA und Europa) auseinanderläuft und sie geopolitische Unsicherheiten erkennen“, ergänzte er.
Weiterhin für frische Investments sorgen dagegen die börsengehandelten Indexfonds, ein boomender Bereich, auf dem Blackrock unter dem Markennamen „iShares“ ebenfalls der größte Anbieter ist. Hier flossen im dritten Quartal von Anlegern fast 34 Milliarden Dollar zu.
Blackrock beginnt, sich für die Zukunft anders aufzustellen. Das zeichnet sich bereits jetzt an der Zusammensetzung der Einnahmen ab. Von den annähernd 3,6 Milliarden Dollar im dritten Quartal ist der weitaus größte Teil noch fixen Gebühren zuzuschreiben. Die Erfolgsbeteiligungen, die Fondsmanager erhalten, wenn sie überdurchschnittliche Leistungen bringen, sind dagegen deutlich gefallen.
Fink setzt künftig vor allem auf Einnahmen aus einer Technologie-Plattform unter dem Namen Aladdin, auf der auch fremde Verwalter Portfolios managen und deren Risiken kontrollieren können. Aladdin steuert derzeit etwas über fünf Prozent zu den Einnahmen bei. Fink zufolge soll der Beitrag in vier Jahren auf 30 Prozent steigen. Der weltgrößte Asset-Manager steht zwar vor den gleichen Herausforderungen wie andere Branchenvertreter, hat allerdings mit seiner speziellen technologischen Expertise einen Konkurrenzvorteil.
Lange Zeit spiegelte der Aktienkurs die gute Entwicklung wider. Nach dem allgemeinen Börsentief vor fast zehn Jahren hatte sich die Notierung mehr als verfünffacht. Der Januar dieses Jahres brachte die Wende: Seit dem Kurs-Top ist der Aktienkurs um fast ein Drittel abgeschmolzen. Die aktuellen Zahlen sind laut Analyst Sanders ein schlechtes Vorzeichen für die anstehenden Quartalszahlen anderer amerikanischer Vermögensverwalter. Auch deren Bilanzen dürften von Geldabzügen der Anleger gezeichnet sein.