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WegelinDas Ende einer 272 Jahre alten Privatbank

Die Schweizer Traditionsbank Wegelin hat eingestanden, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung behilflich gewesen zu sein. Das Institut zahlt eine Strafe in zweistelliger Millionenhöhe – und bestätigt das eigene Aus.Reuters , dapd und Martin Dowideit 04.01.2013 - 07:28 Uhr Artikel anhören

Die Zentrale der Bank Wegelin in St. Gallen (Archiv).

Foto: dapd

New York/Düsseldorf. Es ist wohl die letzte öffentliche Mitteilung einer Privatbank mit fast dreihundertjähriger Geschichte: „Wegelin wird nach dem Abschluss des US-Verfahrens das Bankgeschäft einstellen.“ Das 1741 gegründete Geldhaus mit Sitz in St. Gallen hört nach einem Rechtstreit in den USA auf zu existieren. Wegelin war die älteste Schweizer Privatbank.

Das Traditionshaus war in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt worden und bekannte sich am Donnerstag in dem Verfahren schuldig. In einer Anhörung vor Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan gab die Bank zu, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Gesamtvermögen in Höhe von mindestens 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen.

Das Institut zahlt insgesamt 57,8 Millionen Dollar (rund 44 Millionen Euro) an Straf- und Entschädigungszahlungen. Die Summe setzt sich aus einer Entschädigung in Höhe von 20 Millionen Dollar an die US-Steuerbehörde IRS sowie ein Bußgeld in Höhe von 22 Millionen Dollar zusammen. Der Rest von 15,8 Millionen Dollar deckt Gewinne der Bank, die mit den verdeckten Konten von US-Bürgern erzielt wurden.

Die empfindlichsten Strafen für Banken
Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.
Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.
Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.
Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.
Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.
Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.
Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.
Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.
Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.
Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.
Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.
Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.
Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten. (Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Unklar blieb aber zunächst, ob die Bank auch die Daten einzelner Kunden an die US-Behörden übermittelt hat oder sich bereit erklärt hat, dies noch zu tun. Das ist eine Kernforderung in den Ermittlungen gegen etliche weitere Schweizer Banken in den USA. Die Wegelin-Daten werden zunächst auf jeden Fall aufbewahrt werden.

Die Aktionen amerikanischer Behörden gegen Schweizer Banken hatten 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS begonnen. Das Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab.

Im Januar vergangenen Jahres war das Aus von Wegelin aufgrund der Ermittlungen in den USA bereits eingeleitet worden. Die genossenschaftliche Bankengruppe Raiffeisen übernahm den Löwenanteil der Bank; dieser umfasste 21 Milliarden Kundenvermögen der Nicht-US-Kunden und 700 Mitarbeiter. Dieser Teil der Bank wurde in „Notenstein Privatbank“ umgetauft und von Raiffeisen übernommen. Das Geschäft mit amerikanischen Kunden behielt den Namen Wegelin und wird mit der Beendigung des Verfahrens in den Geschichtsbüchern verschwinden.

Wegelin war vor 274 Jahren in St. Gallen gegründet worden und wuchs erst in den 1990er Jahren zu beträchtlicher Größe heran. Die Bank hatte schließlich dreizehn Standorte – ausschließlich in der Schweiz. Das Geschäft in den USA wurde mit der UBS als Dienstleister betrieben. Wegelin hatte gehofft, nicht zur Rechenschaft gezogen werden zu können, da die Bank keine Filialen oder Zweigstellen in den USA besaß.

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